Vatikan: Islamismus bedroht auch Muslime

Vorbereitungspapier für Nahostsynode im Herbst liegt vor

Vatikanstadt (DT/KNA) Die im Herbst tagende Nahostsynode soll die Rolle orientalischer Christen in mehrheitlich muslimischen Ländern thematisieren. Es sei Aufgabe der Christen selbst, sich für die Gleichheit aller Bürger in sämtlichen Gesellschaftsbereichen einzusetzen, heißt es in dem am Dienstag im Vatikan vorgestellten Vorbereitungspapier. Zwar seien viele Länder des Nahen Ostens von einem erstarkenden islamischen Fundamentalismus geprägt; es gebe aber auch die „Bereitschaft einer großen Zahl von Muslimen, gegen den wachsenden religiösen Extremismus zu kämpfen“. Extremistische Strömungen seien „eine Bedrohung für alle, Christen und Muslime“, so das „Lineamenta“-Dokument. Angehörige beider Religionen müssten deshalb gemeinsam dagegen vorgehen. Verbindende Herausforderungen sehen die „Lineamenta“ auch in materialistischen Einstellungen und einer wachsenden Gleichgültigkeit gegenüber Religion.

Das Verhältnis orientalischer Christen zum Judentum sieht das Vorbereitungspapier vor allem durch den Palästinakonflikt belastet. Obwohl seit 2001 in Jerusalem ein interreligiöser Rat aus Vertretern des Oberrabbinats, der muslimischen Autoritäten und der Kirchenleitungen bestehe, seien die Beziehungen noch immer von einer politischen Feindseligkeit gekennzeichnet; deren Grund liege in der Besetzung der Palästinensergebiete sowie libanesischer und syrischer Territorien durch Israel. Die Kirchen müssten hier eine Unterscheidung zwischen der politischen und religiösen Ebene anmahnen, so das Dokument. Nötig sei, „verzeihen zu lernen, ohne je Unrecht zu akzeptieren“. Christen hätten die Aufgabe, „die Mauer der Angst, des Misstrauens und des Hasses“ durch ihre Freundschaft mit Juden wie mit Muslimen zum Einsturz zu bringen. Weder dürfe „die Bibel zu politischen Zwecken noch die Politik zu theologischen Zwecken“ gebraucht werden.

Eine wichtige Funktion bei der kulturellen Verständigung schreibt das Diskussionspapier den kirchlichen Schulen zu. Diese stünden auch nichtchristlichen Schülern offen und wirkten Vorurteilen entgegen. Die Erziehung zum Respekt vor Menschenrechten und Gewissensfreiheit sei allgemein zu vertiefen. Zugleich spricht sich das Dokument dafür aus, Kerninhalte des Evangeliums auch Muslimen zugänglich zu machen. Eine Kenntnis der christlichen Botschaft sei Voraussetzung für den Dialog. In dem Zusammenhang regt das Papier eine kirchenübergreifende Kooperation für christliche Fernsehsender an. Im Blick auf die Abwanderung von Christen aus orientalischen Ländern unterstreichen die „Lineamenta“, Christen müssten sich ihrer Bedeutung in der Gesellschaft stärker bewusst werden. Seit Generationen spielten sie „eine wesentliche Rolle im kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Leben ihrer Länder“, heißt es in dem Papier. „Sie waren die Pioniere des Wiedererstehens der arabischen Nation.“