Vatikan: 220 Anglikaner konvertierten zu Ostern

Vatikanstadt/London (DT/KNA) In Großbritannien sind nach Vatikanangaben in der Karwoche mehr als 220 Anglikaner zur katholischen Kirche übergetreten. Unter ihnen waren zwanzig Priester, wie die Zeitung „Osservatore Romano“ (Freitag) berichtet. Die Konvertiten wurden in das katholische Personalordinariat „Our Lady of Walsingham“ aufgenommen, das damit 1 300 Mitglieder zähle, davon etwa achtzig Priester. Papst Benedikt XVI. hatte die bistumsähnliche Struktur eines Personalordinariates geschaffen, um anglikanischen Christen die katholische Kirchenzugehörigkeit unter Beibehaltung der anglikanischen Tradition zu ermöglichen. Vor allem die Entscheidung der anglikanischen Kirche, Frauen zum Bischofsamt zuzulassen, hatte zu Protesten unter Gläubigen und zu Austritten geführt. Bislang gibt es zwei Personalordinariate. Nach dem von Walsingham errichtete der Vatikan im Januar ein weiteres in den Vereinigten Staaten. Als herausragendes Beispiel unter den Konvertiten zitieren Medienberichte eine Pfarrei im Süden Londons: Dort wechselt fast die Hälfte einer anglikanischen Gemeinde gemeinsam mit ihrem Pfarrer zur katholischen Kirche. Der 63-jährige Priester Donald Minchew aus Croydon kehre der anglikanischen Kirche aus Protest gegen Frauenpriestertum und weibliche Bischöfe den Rücken, berichtet die Tageszeitung „The Daily Telegraph“ (Donnerstag). 70 Gemeindemitglieder, fast die Hälfte der regelmäßigen Gottesdienstbesucher, seien seiner Konversion gefolgt und stünden nun in voller Gemeinschaft mit Rom. Die Aufnahme in die katholische Kirche habe der frühere anglikanische Bischof John Broadhurst vorgenommen. Minchew sagte der Zeitung: „In der Kirche von England weiß man von einer Synode zur anderen nicht mehr, was zu glauben ist. Was vor 30 Jahren klar war, ist es nicht mehr.“ Der Priester, verwitwet und Vater von vier Kindern, habe ein Jahr lang mit seiner Entscheidung gerungen. Laut dem Bericht verzichtet Minchew durch den Wechsel zum Katholizismus auf jährliche Pensionsansprüche von umgerechnet 14 000 Euro, die in achtzehn Monaten fällig geworden wären. Der Priester lobte zugleich seine anglikanischen Vorgesetzten; sie hätten sich in den vergangenen Monaten sehr kooperativ gezeigt. Papst Benedikt XVI. hatte im November 2009 die Möglichkeit kollektiver Übertritte für Anglikaner geschaffen, die zur katholischen Kirche gehören, aber ihre Tradition weitgehend beibehalten wollen. Als eigene Verwaltungsstruktur wurden sogenannte Personalordinariate geschaffen. Die erste derartige Einrichtung ist „Our Lady of Walsingham“ in der katholischen Kirche von England und Wales. Zu Ostern 2011 wechselten mehr als neunhundert Anglikaner, unter ihnen fast sechzig anglikanische Kleriker, in das wenige Monate zuvor gegründete Personalordinariat.