Unterschiede als Gabe

Kardinal Christoph Schönborn als Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz wiedergewählt. Von Stephan Baier

Der evangelische Bischof Bünker mit dem wiedergewählten Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz, Kardinal Schönborn, am Dienstag in Eisenstadt. Foto: Rupprecht
Der evangelische Bischof Bünker mit dem wiedergewählten Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz, Kardinal Schönb... Foto: Rupprecht

Eisenstadt (DT) Anlässlich des Reformationsjubiläums kam es am Dienstag und Mittwoch in Eisenstadt erstmals zu einer ökumenischen Begegnung im Rahmen der Vollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz. Die Vertreter der lutherischen, reformierten und methodistischen Kirche trafen sich mit den katholischen Bischöfen Österreichs, die noch bis Freitag im Burgenland tagen. „Wir sind überzeugt, dass das Gemeinsame stärker ist als das Trennende“, sagte der am Dienstag wiedergewählte Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Wiener Kardinal Christoph Schönborn, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Vorsitzenden des Evangelischen Oberkirchenrates in Österreich, Bischof Michael Bünker. Das große Anliegen sei „die gemeinsame Freude am Evangelium“, so Schönborn.

Der Kardinal erinnerte aber auch daran, dass es der reformatorischen Bewegung vor einem halben Jahrtausend zwar um die Erneuerung der Kirche ging, sie aber in der Spaltung der Christenheit und blutigen Religionskriegen endete. Heute gehe man „Wege der Versöhnung“. Die ökumenischen Bemühungen vieler Christen würden in vielfältiger Weise das Leben der Kirchen bereichern. Ziel der ökumenischen Begegnung in dieser Woche sei es, die Zusammenarbeit der Kirchen im karitativ-diakonischen Bereich, in der Bildung und in der geistlichen Ökumene zu vertiefen: „Wie weit das ökumenische Miteinander in Österreich schon ist, zeigt die weltweit einzigartige Zusammenarbeit bei der Ausbildung katholischer und evangelischer Religionslehrer an der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule Wien-Krems.“

Auch im Theologischen sei das Gemeinsame größer als das Trennende, meinte der Vorsitzende der Bischofskonferenz auf eine Frage dieser Zeitung. „Wir blicken auf einen reichen Schatz des Nachdenkens über das Gemeinsame.“ In den 500 Jahren der Reformationsgeschichte habe es stets auch Stimmen gegeben, die das Gemeinsame suchten. „Wir haben nach dem Zweiten Vatikanum nicht am Nullpunkt begonnen. Die Ökumene ist so alt wie die Reformation“, so Schönborn. Die Sehnsucht nach der Einheit komme vom Heiligen Geist. Als vorbildlich bezeichnete der Kardinal die Gesetzgebung in Österreich, die eine rechtliche Gleichstellung aller anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften garantiere und damit einen „Status, den viele andere europäische Länder nicht kennen“. Viel habe die charismatische Erneuerung in der katholischen Kirche, die vor 50 Jahren in den USA begann, zur Ökumene beigetragen, weil sie die gemeinsame Freude am Evangelium in den Vordergrund rückte. Eine „enorme Herausforderung für die etablierten Kirchen“ sei das Wachstum der Evangelikalen. Allein in Lateinamerika hätten sich bereits Millionen Katholiken den Evangelikalen angeschlossen.

2017 sei „das erste Reformationsjubiläum im Zeitalter der Ökumene“, sagte der Vorsitzende des Evangelischen Oberkirchenrates, Michael Bünker. Die Begegnung von Papst Franziskus mit Vertretern der Lutherischen Kirche „ausgerechnet am Reformationstag“ in Lund bezeichnete er als „deutliches und Mut machendes Signal“. Bünker erinnerte an „die oft gewaltsame Auseinandersetzung und den verletzenden und missachtenden Umgang“ in früheren Zeiten, aber auch an „Schritte der Versöhnung“. Heute sei die Heilige Schrift die gemeinsame Grundlage. Bischof Bünker zeigte sich überzeugt, dass Unterschiede bleibend sind: „Die bestehenden Unterschiede können auch als Gaben verstanden werden, die wir einander schenken, und müssen nicht länger zu gegenseitigen Verurteilungen führen.“ Bünker erinnerte zugleich daran, dass es auch eine „innerprotestantische Kirchenspaltung“ gab. Es gelte, „nach Brücken, Kompatibilitäten und Komplementaritäten“ Ausschau zu halten. Weit vorangeschritten ist nach Bünkers Auffassung die „gelebte Ökumene“.

Anlässlich des Reformationsjubiläums vergeben die Bischofskonferenz und die evangelischen Kirchen 2017 erstmals einen gemeinsamen Ökumene-Preis. Ausgezeichnet werden soll ein „Konzept für ein im Zeitpunkt der Preisvergabe noch nicht umgesetztes Projekt, das im besonderen Maß als Beispiel für gelungene Ökumene im Sinn des Dialogs und der Zusammenarbeit“ steht. Gesucht seien „innovative, aktuelle und modellartig verwendbare Konzepte“.