Uni zieht Konsequenzen aus Missbrauchsprozess

Eichstätt/Würzburg (DT/KNA) Der Prozess gegen einen ehemaligen ehrenamtlichen Mesner und Studenten der Religionspädagogik wegen Kindesmissbrauch vor dem Landgericht Würzburg hat ein Nachspiel. Seine Dozentin an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) darf nicht mehr Praxisbetreuerin für die Studenten der Religionspädagogik und der Kirchlichen Bildungsarbeit an der Hochschule sein, wie KU-Sprecher Constantin Schulte Strathaus auf Anfrage am Mittwoch bestätigte. Die Frau bleibe jedoch weiter als Dozentin tätig. Die Uni zog damit die Konsequenzen aus dem Verhalten der Dozentin im Zusammenhang mit dem Missbrauchsprozess, bei dem der 30-jährige Student am vergangenen Donnerstag zu vier Jahren Haft verurteilt worden war. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Er habe Revision gegen das Urteil des Landgerichts Würzburg eingelegt, erklärte der Verteidiger der 30-Jährigen, Norman Jacob, am Freitag gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Am Montag forderte der Würzburger Generalvikar Karl Hillenbrand Unipräsident Richard Schenk in einem Brief zu einer Klärung auf. Die Dozentin habe sich „in einem Ausmaß für den Täter eingesetzt, das jede vernünftige Balance von Nähe und Distanz vermissen lässt“, schrieb er. Ihr Verhalten sei geeignet, „das Bemühen der katholischen Kirche insgesamt um eine konsequente Aufarbeitung der Missbrauchsthematik in Misskredit zu bringen“. Während der Verhandlung, an der die Wissenschaftlerin teilnahm, war unter anderem ein Schreiben von ihr mit dem Briefkopf der Hochschule verlesen worden. Darin bescheinigte sie dem Angeklagten, auch im Falle einer Verurteilung mit einer Fortsetzung seines Studiums der Religionspädagogik rechnen zu können. Der KU-Sprecher sagte, für eine solche Aussage fehle der Dozentin jegliche Befugnis. Sobald das Urteil rechtskräftig sei, werde der Student exmatrikuliert. Dies sei bei einer Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr so im Bayerischen Hochschulgesetz vorgesehen.