USA: Kampagne für Religionsfreiheit

Katholische Bischöfe fordern Laien zum politischen Engagement auf – Kurienkardinal kritisiert Obamas Gesundheitspolitik

Auf die Knie für eines bessere Gesundheitspolitik: Der Direktor der „Christian Defense Coalition“ Patrick Mahoney (li.) und der Vorsitzende des Nationalen Priesterrats von Washington Rob Schenck (re), beten vor dem Obersten Gerichtshof.Foto: dpa
Auf die Knie für eines bessere Gesundheitspolitik: Der Direktor der „Christian Defense Coalition“ Patrick Mahoney (li.) ...

Washington/Birmingham (DT/KNA) Die katholischen Bischöfe in den Vereinigten Staaten haben eine nationale Kampagne für Religionsfreiheit ausgerufen. In einer Veröffentlichung vom Donnerstag kritisierte die Bischofskonferenz das Vorhaben der Regierung, Mittel zur Familienplanung als Pflichtleistung der Gesundheitsfürsorge einzuführen. Daneben wandten sich die Bischöfe auch gegen Einschränkungen für kirchliche Flüchtlingshilfe und Adoptionsvermittlung. Die katholischen Pfarreien werden aufgerufen, die beiden Wochen vor dem Nationalfeiertag am 4. Juli als „Freiheitswochen“ zu begehen. „Als katholische Bischöfe und amerikanische Bürger richten wir einen dringenden Aufruf an unsere Mitkatholiken und Mitamerikaner, wachsam zu sein“, heißt es in dem Schreiben. „Die Religionsfreiheit wird angegriffen, hierzulande und im Ausland.“ Zum „Schutz der Religionsfreiheit in einer freien Gesellschaft“ wolle man auch mit anderen Christen, Juden und Angehörigen weiterer Glaubensrichtungen zusammenarbeiten.

Katholische Laien werden aufgefordert, sich in der Politik zu engagieren. Zugleich betonen die Bischöfe, keine bestimmte politische Richtung zu bevorzugen. Im Blick auf die mögliche Einführung einer verpflichtenden Krankenversicherung werfen die Bischöfe der Regierung vor, mit der Eingruppierung von Empfängnisverhütung und Sterilisation als Versicherungsleistungen religiöse Einrichtungen zur Finanzierung von etwas zu zwingen, was ihrer Morallehre widerspreche. Zudem beanspruche der Staat die Entscheidung darüber, welche Institution „religiös genug“ sei, um einen Schutz der Religionsfreiheit zu verdienen. Der betreffende Gesetzesentwurf sieht vor, dass religiöse Organisationen von der umstrittenen Versicherungspflicht befreit sind, nicht aber Unternehmen in religiöser Trägerschaft wie Krankenhäuser oder Universitäten.

Als Einschränkung der Religionsfreiheit bewerten die Bischöfe weiter neue Gesetze in einzelnen Bundesstaaten, die die Unterstützung illegaler Einwanderer unter Strafe stellt. Dies verbiete etwa im Fall Alabamas auch seelsorgliche Betreuung und soziale Beratungsdienste. Anderen katholischen Hilfsdiensten für Migranten und Flüchtlinge sei die staatliche Unterstützung entzogen worden, weil sie nicht für Empfängnisverhütung oder Abtreibungen sorgen wollten. Kritisiert wird ferner der Ausschluss katholischer Adoptionsstellen, die sich weigern, Kinder an homosexuelle oder unverheiratete Paare zu vermitteln. Im Blick auf eine Universität in Kalifornien bemängeln die Bischöfe, dass sie einer katholischen Studentenvereinigung die Anerkennung versagte, weil deren Leiter Christ sein und auf außereheliche sexuelle Aktivitäten verzichten sollte.

Unterstützung erhielten die amerikanischen Bischöfe in dieser Woche aus dem Vatikan: Kurienkardinal Raymond Burke sieht geplante Versicherungs-Pflichtleistungen für Familienplanung in den Vereinigten Staaten als moralisch „nicht zu rechtfertigen“ an. Katholische Arbeitgeber, die Leistungen wie Verhütungsmittel über die Gesundheitsvorsorge finanzierten, wirkten materiell und formell an einer Sünde mit, erklärte der Kardinal und Präfekt des Obersten Vatikan-Gerichtshofes laut dem katholischen Privatsender EWTN (Mittwoch). Burke ist der erste hochrangige Vatikanvertreter, der sich zu dem umstrittenen Teil der Gesundheitsreform äußert. Die Maßgabe sieht vor, dass Arbeitgeber für ihre Beschäftigten Versicherungen abschließen, die auch Verhütungsmittel, die „Pille danach“ und Sterilisationen abdecken.

Burke stärkte den Bischöfen in ihrem Widerstand gegen das Gesetz den Rücken. Pflicht der Oberhirten sei, ihre Gläubigen zu schützen. „Wenn eine Person oder eine Regierung versucht, die Herde bei einer der grundlegendsten Vorschriften zum Handeln gegen das eigene Gewissen zu zwingen, müssen die Bischöfe jene verteidigen, die ihrer pastoralen Sorge anvertraut sind“, sagte Burke, der von 2004 bis 2008 Erzbischof von Saint Louis war. Die Versicherungsreform stehe in Widerspruch gegen das fundamentale Recht auf freie Ausübung des Gewissens.