Washington

US-Publizist Weigel verteidigt Benedikt-Text zu Missbrauchskrise

Der emeritierte Papst habe eine Analyse der Missbrauchskrise verfasst, die jeder ernst nehmen soll, der einen Weg aus der Krise der katholischen Kirche sucht, so der US-Publizist George Weigel. Den Kritikern wirft er vor, sich nicht ernsthaft mit den Argumenten Benedikts zu beschäftigen.

George Weigel zu Schreiben Papst Benedikts
In seinem vor einer Woche veröffentlichten Schreiben macht der emeritierte Papst Benedikt einen Sitten- und Moralverfall im Zuge der sexuelle Revolution in den späten 1960er Jahren für die aktuelle Krisensituation der Kirche verantwortlich. Foto: Michael Kappeler (dpa)

In der Debatte über die Ursachen des Missbrauchsskandals hat sich der US-Publizist George Weigel zu Wort gemeldet und die Analyse des emeritierten Papstes Benedikt XVI. verteidigt. „Der emeritierte Papst hat der Kirche einen Dienst erwiesen, indem er eine Analyse der Missbrauchskrise verfasste, die jeder ernst nehmen sollte, dem es am Herzen liegt, dass die Wunden wieder heilen, die dem Körper Christi zugefügt wurden, indem heilige Orden für böse, ausschweifende Zwecke missbraucht wurden.“ Das schreibt Weigel in seiner Kolumne „The Catholic Difference“, die der "Tagespost" vorliegt.

Weigel: Kein Kritiker Benedikts hat plausiblere Erklärung

Diejenigen, die Ratzingers Diagnose nicht „mit der ihr gebührenden Ernsthaftigkeit diskutieren können oder wollen“, diskreditierten sich selbst, da sie den Eindruck vermittelten, die Missbrauchskrise nicht lösen zu wollen. Weigel zweifelt daran, dass sich auch nur einer der Kritiker tatsächlich mit den Argumenten Ratzingers befasst habe. Keiner, der den emeritierten Papst jetzt für seine Wortmeldung kritisiere, könne mit einer plausiblere Erklärung für den sexuellen Missbrauch innerhalb der Kirche aufwarten.

Ausdrücklich bezeichnet der Biograf von Papst Johannes Paul II. „Klerikalismus“ als „keine ernsthafte Erklärung für die Krise. „Klerikalismus erleichtert Missbrauch, dadurch dass die Täter sich diejenigen zum Opfer machen, die aufrichtige Wertschätzung für das Priesteramt beweisen. Aber Klerikalismus erklärt nicht sexuelle Übergriffe.“ Diese hätten andere, tiefere Ursachen und seien tatsächlich ein weltweiter Missstand.

Benedikt: Zusammenbruch der Moraltheologie im Zuge der sexuellen Revolution

In seinem vor einer Woche veröffentlichten Schreiben macht der emeritierte Papst Benedikt einen Sitten- und Moralverfall im Zuge der sexuelle Revolution in den späten 1960er Jahren für die aktuelle Krisensituation der Kirche verantwortlich. Vor diesem Hintergrund sei es zu einem „Zusammenbruch der katholischen Moraltheologie“ gekommen, der den Missbrauch innerhalb der Kirche ermöglicht habe.

DT/mlu

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