Übersetzer in die Welt

In Wien setzt sich eine Akademie der Gemeinschaft Emmanuel für die Mission ein. Von Benedikt Bögle

Otto Neubauer ist Leiter der Evangelisationsakademie der Gemeinschaft Emmanuel in der Wiener Innenstadt. Der Name der Akademie ist Programm: Ihr Ziel ist es, Menschen für den Glauben zu begeistern. Und das geschieht auf vielfältigste Weise.

Zum einen bietet die Akademie einen sogenannten „Missionskurs“ an. Katholischen Christen werden hier die Grundlagen einer fruchtbaren Mission beigebracht. Das Gerüst dieser Kurse hat Neubauer auch in seinem Buch „mission possible“ veröffentlicht. Der Akademieleiter ist begeistert von der Mission; man merkt es ihm an, wenn er spricht. Ruhig und sanft, zugleich voller Leidenschaft und Begeisterung für seinen Beruf: „Wir interessieren uns für die Mission in der Welt.“

Diese Mission findet in Wien auf vielfältige Weise statt. Von grundlegender Bedeutung war sicherlich auch für Neubauer und die Akademie die große Wiener Stadtmission im Jahr 2003, in der große missionarische Kräfte freigesetzt wurden. „Noch nie war in Wien in den drei Jahrzehnten zuvor eine so umfangreiche Initiative der direkten Verkündigung auf so breiter kirchlicher Ebene mitgetragen worden. Wer mitten im Prozess stand, erlebte dies als ein wahres Wunder der Brotvermehrung einer neuen Art“, so der studierte Theologe.

Wie soll Mission heute stattfinden? Mit dieser Frage beschäftigen sich Neubauer und sein Team; mittlerweile ist er ein Experte für diesen Fachbereich der Theologie geworden. Nicht umsonst durfte der Österreicher 2011 vor Papst Benedikt XVI. und seinem Schülerkreis sprechen. Dabei scheut die Missionsakademie nicht davor zurück, neue Wege zu gehen und moderne Konzepte zu entwickeln. Eines von ihnen trägt den Namen „dinner@8“. Der Ablauf: Man lädt Freunde oder Bekannte zum Abendessen ein, passend dazu finden Vorträge und Diskussionen um Glaubensthemen statt. Eine andere Aktion findet jährlich am Valentinstag statt. Mitglieder der Akademie verteilen in Wien Liebesbriefe von Gott. Gerade mit dieser Idee könne man die Leute besonders gut erreichen. Unbedingt notwendig sei der persönliche Kontakt; „die eigentliche Mission ist nur von Herz zu Herz möglich“.

Auf der Straße zu missionieren ist dabei nicht leicht. Neubauer gibt zu, dass auch er – der immer noch regelmäßig auf die Straße geht und missioniert – Ablehnung erfährt. Trotzdem seien die unterschiedlichen Begegnungen immer positiver als man erwarte. Letztlich gilt immer: „Liebe provoziert Liebe.“ Wichtig sei es, sein Herz für die Mission zu öffnen, bereitwillig auf den Anderen zuzugehen. Ein Wort Neubauers überrascht dann doch: „Ich mach nicht gerne Straßenmission.“ Immer wieder müsse auch er sich nach vielen Jahren der Erfahrung dazu motivieren, auf der Straße fremde Menschen anzusprechen und vom Glauben zu überzeugen. Trotzdem fruchte diese direkte Begegnung.

Diesen Kontakt von Mensch zu Mensch können auch einzelne Pfarreien weitergeben, auch sie können neu für den Glauben begeistern. Hilfe bietet in solchen Fällen die Evangelisationsakademie in Wien. Sie unterstützt bei der Vorbereitung und Durchführung einer Gemeinde- oder Stadtmission: „Wir stoßen Prozesse an, damit die Gemeinden missionarisch werden können.“ Die Akademie um Neubauer will dem Glauben Leben geben. Viele solcher Prozesse hat Neubauer begleitet, darunter auch Stadtmissionen in Deutschland: Regensburg, Kösching in Bayern und Wangen im Allgäu wandten sich an die Gemeinschaft Emmanuel, um sich für die Mission beraten zu lassen. Das Ziel: neues Leben in den Glauben bringen.

Das gelingt über persönliche, zwischenmenschliche Kontakte. Der Evangelisationsakademie ist ein „Studienkolleg“ zugeordnet: Hier leben und wohnen elf Studenten unterschiedlicher Nationalität gemeinsam. Die meisten von ihnen sind Studenten, einige arbeiten auch als „Volontäre“ bei der Akademie. Neben dem gemeinschaftlichen Leben steht hier besonders auch das religiöse Miteinander im Vordergrund: Oft werden Messen gefeiert, jeden Tag gibt es das sogenannte „Morgenlob“, häufig auch Anbetungen. Neubauer freut sich über dieses Kolleg: „So lebt hier auch etwas. Das Studienkolleg ist sozusagen das Herdfeuer.“

Neben dem Missionskurs gibt es auch einen Medienkurs sowie eine Unterrichtseinheit, die sich mit der Europäischen Union beschäftigt. Beide Angebote richten sich nicht ausschließlich an katholisches Studentenpublikum. Im Gegenteil: „Die Adressaten sind großteils agnostisch.“ Die Akademie bietet ihnen Kurse, die sie sich an der jeweiligen Universität anrechnen lassen können. Die Teilnehmer – zwischen 40 und 70 Studenten – tauschen sich über Europa aus, bringen ihre eigenen Gedanken ein. Die Akademie liefert einen religiösen Hintergrund: „Wir bringen ganz bewusst die christliche Soziallehre ein.“

Neubauer zieht Parallelen zu Don Bosco. Bescheiden, nicht hochmütig. Auch der italienische Priester sei dorthin gegangen, wo die Jugend war. Johannes Bosco spielte mit den Jungen Fußball, so konnte er sie erreichen. Neubauer spielt nicht Fußball, zumindest nicht mit seinen Studenten. Aber er bietet ihnen etwas, das sie interessiert. Es gehe nicht darum, Menschen zu fangen oder ködern, sondern darum, sie zu erreichen und sie begeistern zu können.

Diese Begeisterung ist oftmals mit großem persönlichen Einsatz verbunden. Einsatz, den in der Emmanuel-Akademie besonders die Laien übernehmen. Das ist für Neubauer ein wesentliches Element für die Evangelisierung der Welt von heute: „Wir sind die Übersetzer in die Welt. Die Laien übernehmen oft keine Verantwortung mehr. Wer soll sonst in der Welt verkünden?“ Dieser Schwerpunkt mindere keineswegs die priesterliche Arbeit: „Im Gegenteil: Es erhöht sie.“ Oft spricht Neubauer von der Frage, ob sich Mission denn überhaupt lohnt. Eine klare Antwort scheint es nicht zu geben. Letztlich muss man doch an das Evangelium denken, an den Sämann, der sät, aber nicht erntet. Und so sieht sich auch Neubauer in der Tradition dieses Feldarbeiters. Er sät, und kann es oft nicht ernten. Gleichzeitig kann er ernten, wo er selbst nicht gesät hat. Letztlich kann man einen Ertrag immer ernten: „Mission hat die Absicht, zu lieben. Und die Frucht der Liebe ist die Freude.“ Davon ist Otto Neubauer überzeugt.