„Überhaupt nicht altmodisch, sondern katholisch!“

Thomas Schmid, Zentralpräses der Marianischen Männer-Congregation Regensburg, setzt auf neue Impulse. Von Stefan Meetschen

Europa im Blick: Msgr. Thomas Schmid. Foto: MMC Regensburg
Europa im Blick: Msgr. Thomas Schmid. Foto: MMC Regensburg

Mitte April werden in der Benediktinerabtei Tyniec bei Krakau Sodalen (Weggefährten) aus verschiedenen Ländern zusammenkommen, um über die Rolle der Marianischen Kongregationen in Europa zu beraten. Es gilt, die alte Botschaft in die moderne Zeit zu tragen.

Im 16. Jahrhundert gründeten die Jesuiten Vereinigungen von gläubigen Laien zur Ehre Mariens. Auch die „Marianische Männer-Congregation Regensburg“, deren Zentralpräses Sie seit fast zehn Jahren sind, leitet sich direkt von dieser jesuitischen Initiative ab. Das klingt nach großer Geschichte. Können Sie uns etwas zum historischen Hintergrund Ihrer Kongregation sagen?

Tatsächlich hat der Jesuit Johannes Leunis 1563 die erste Marianische Kongregation, unsere „Prima Primaria“, gegründet. Das war ein kleines Grüppchen junger Männer, das an das Römische Kolleg angeschlossen war. Sie trafen sich jeden Sonntag im Geiste des Ignatius von Loyola, um die überlieferten Schablonen des Glaubens mit Leben zu füllen. Das sprach sich in Windeseile herum, sodass sich schon bald auch an anderen Jesuitenkollegien, und bald auch in ganz Europa Marianische Kongregationen bildeten.

Wie haben die Marianischen Kongregationen denn das zwischenzeitliche Verbot der Gesellschaft Jesu von 1773 bis 1814 verkraftet?

Ohne Schwierigkeiten. Sie wurden währenddessen in die Jurisdiktion der Bischöfe überführt, sodass die Geschichte der Kongregationen ungebrochen blieb. Man kann sagen, dass sich das Profil in dieser Zeit noch stärker herausbildete, obwohl der geistlich-geistige Bezug zur Gottesmutter von Anbeginn eine wichtige Rolle spielte.

Mit der Apostolischen Konstitution „Bis saeculari die“ des Jahres 1948 gab dann Papst Pius XII. einen wichtigen Impuls für die weitere Existenz der Marianischen Kongregationen im 20. Jahrhundert …

Zweifellos! Die Marianischen Kongregationen waren stets bei Bischöfen und Päpsten sehr angesehen. Sie galten stets als Einrichtungen der – wie man heute sagen würde – Neuevangelisierung. Papst Pius XII. ermutigte uns, die alten Regeln neu zu überdenken, das apostolische Wirken neu auf die damalige Gegenwart und die folgende Zukunft auszurichten.

Was für Ziele und Anliegen verfolgt denn die MMC Regensburg? Männer, die Maria verehren – das wirkt im 21. Jahrhundert ein wenig altmodisch, oder?

Das ist überhaupt nicht altmodisch, sondern katholisch! Für jeden, der die Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils liest, ist doch sonnenklar, dass Maria das Urbild und die Mutter der Kirche ist. Von diesem Bild kann man alles ableiten, was für die Katholische Kirche wesentlich ist. Für Maria gilt das gleiche, was der emeritierte Papst Benedikt XVI. in anderem Zusammenhang und natürlich mit anderer Gewichtung in Bezug auf das Evangelium gesagt hat: Man muss die immer gleiche Botschaft in die jeweils neue Zeit tragen.

Apropos Benedikt XVI.: Stimmt es eigentlich, dass er auch Mitglied der Marianischen Kongregation ist?

Das ist richtig. Ebenso wie sein Bruder. Beide besuchten das Knabenseminar, und damals wurde man in der 8. Klasse quasi automatisch in die Kongregation aufgenommen. Er gehört als ordentlicher Sodale der Regensburger Kongregation an. Er ist uns weiterhin ein wichtiger Unterstützer. Bei einer Begegnung aus Anlass seines 70-jährigen Sodalenjubiläums sagte er uns: Katholisch ohne marianisch zu sein, das geht nicht! Aber auch Gerhard Kardinal Müller ist uns von Rom aus als unser Regensburger Ehrenpräses verbunden. Ebenso wie sein Nachfolger in Regensburg, Bischof Rudolf Voderholzer, der bei unseren „Hauptfesten“ stets bei uns ist.

Was für Mitglieder haben Sie sonst noch? Wer kann Mitglied werden?

Die Mitglieder kommen aus den verschiedensten Berufen und Altersschichten. Jeder katholische Christ kann ab der Firmung bei uns Sodale (Weggefährte) werden. Man meldet sich über einen Sodalen im Büro an. Dann wird man unter anderem zu Besinnungstagen eingeladen. Die Aufnahme der neuen Mitglieder erfolgt dann im Rahmen eines Pontifikalamtes bei einem der beiden jährlichen Hauptfeste.

Was wird dann von den Mitgliedern verlangt?

Nicht mehr als das, was von einem Katholiken, der den Glauben ernst nimmt, nicht auch verlangt wird: das tägliche Gebet des Rosenkranzes, der regelmäßige Besuch der heiligen Messe, der regelmäßige Empfang des Beichtsakraments. Für einen Sodalen richtet sich all sein Beten und Tun auf ein Doppelziel hin aus: Selbstheiligung und marianisches Apostolat. Was uns wichtig ist, ist die Vertiefung des spirituellen Lebens. Es genügt nicht, die Gesätze des Rosenkranzes herunterzubeten oder lediglich verschiedene Riten zu absolvieren. Es geht darum, die Wahrheit Gottes innerlich immer besser zu verstehen, als wirklich lebendig und belebend, ohne dabei zu vergessen, die innige Christverbundenheit durch apostolisches Handeln ausstrahlen zu lassen.

Marianische Kongregationen gibt es aber nicht nur in Regensburg, sondern in Köln, in ganz Bayern und in Europa. Wie funktioniert die Zusammenarbeit der Marianischen Kongregationen?

Das ist ein spannendes Thema! Lange Zeit hat man diese Zusammenarbeit in so manchen Regionen wohl eher vernachlässigt oder die Kongregationen haben sich aus den Augen verloren, sodass sich einige von den Verantwortlichen irgendwann gefragt haben, wo es denn überhaupt noch Marianische Kongregationen gibt und wie wir diese wieder näher aneinander heranführen können, wo Begegnung und Austausch stattfinden kann, wer diese Zusammenkünfte und gegebenenfalls die Kooperation koordiniert, moderiert. Inzwischen wissen wir, dass Marianische Kongregationen neben Deutschland und Polen auch in Österreich und der Schweiz, in Frankreich und Italien vertreten sind.

Und wie gestaltet sich die internationale Annäherung?

Durch Treffen und Kongresse. Vom 15. bis 18. April werden in der Benediktinerabtei Tyniec bei Krakau Sodalen aus verschiedenen Ländern unter dem Motto „Die Rolle der Marianischen Kongregationen für das Wachstum des Glaubens in Europa“ zusammenkommen, um damit einen Erneuerungsimpuls nach innen wie nach außen zu setzen. Wir werden, während wir auch ein wenig auf den Spuren von Johannes Paul II. in Wadowice und Schwester Faustina im Zentrum der Göttlichen Barmherzigkeit wandeln, und viele profilierte Vorträge hören, unter anderem von Kardinal Müller, hoffentlich Zeit finden, um am Ende eine Resolution zu verabschieden, welche auf die Etablierung europäischer Föderations-Strukturen der Marianischen Kongregationen abzielt.

Die große Geschichte der Marianischen Kongregationen liegt also noch vor uns?

Wir wollen nicht mehr und aber auch nicht weniger als das Unsere dazu tun, dass die große Geschichte der Marianischen Kongregation nicht in der Bedeutungslosigkeit endet. Ihre ursprünglichen Wurzeln im Gedächtnis soll sie sich wieder selbstbewusster katholisch auf den Weg machen und wieder sichtbarer und wirksamer zu dem werden, was sie immer war: eine geistliche Gemeinschaft, die in eucharistischer und marianischer Spiritualität sich im großen Bemühen der Glaubenserneuerung in Dienst nehmen lässt.