„Tür zur Evangelisierung“

Synode: Lateinamerikanische Bischöfe empfehlen mit „kirchlichem Geist beseelte Volksfrömmigkeit“

Vatikanstadt (DT/KNA) Volksfrömmigkeit und auch Wallfahrten können nach Ansicht vor allem lateinamerikanischer Synodenmitglieder ein wichtiger Weg der Neuevangelisierung sein. Jedoch dürften sie nicht von Folklore, von „Nebensächlichem“ oder gar von einem Synkretismus überlagert sein, so der kolumbianische Erzbischof Jose Octavio Ruiz Arenas, Sekretär des Päpstlichen Neuevangelisierungsrates, am Samstag vor der Bischofssynode im Vatikan.

Vielmehr müssten sie „gereinigt“ und von „kirchlichem Geist beseelt“ sein. Ähnlich äußerte sich Kardinal Odilio Scherer von Sao Paolo, der die hohe Bedeutung von Heiligtümern als Orte des Glaubens unterstrich. Er empfahl, aus den Erfahrungen früherer Evangelisierungen zu lernen und besonders deren Heilige zu Vorbildern zu nehmen. Als wesentliches Element der Neuevangelisierung bezeichneten mehrere Synodale die katholische Soziallehre und den Einsatz für Gerechtigkeit. Dieses Engagement sei eine wichtige „Tür zur Evangelisierung“, so der Kardinalpräsident des päpstlichen Sozialrates, Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson. Er plädierte dafür, der Soziallehre mehr Gewicht in den katholischen Ausbildungsgängen einzuräumen.

Zudem sollten Möglichkeiten der ökumenischen und interreligiösen Zusammenarbeit im sozialen und karitativen Sektor intensiver genutzt werden. Auch Erzbischof Filippo Santoro aus dem süditalienischen Taranto forderte eine stärkere Nähe der Kirche zu den sozial Benachteiligten, zu Arbeitslosen und Kranken. Er berichtete von den Protesten des vergangenen Sommers in seiner Heimat gegen die geplante Schließung eines Stahlwerks aufgrund gesundheitsschädigender Emissionen. In diesem Geflecht von Streiks, Arbeitslosigkeit und Krankheit müsse die Kirche in der Nähe der Menschen stehen, so Santoro. Der rumänische Bischof Petru Gherghel hob, wie weitere Synodenväter am Samstag, die besondere Rolle der Familie für die Evangelisierung hervor. Er berichtete, dass es während der kommunistischen Kirchenverfolgung gerade die Familien gewesen seien, die den Erhalt und die Weitergabe des Glaubens ermöglichten.

Auch Bischof Jose Nambi von Kwito-Bie in Angola sprach sich für eine Förderung der Familien als wichtige Akteure der Neuevangelisierung aus. In seinem Land habe es bereits vor 500 Jahren die erste Missionierung gegeben. Heute sorge sich die Kirche über die Abwanderung von Gläubigen an Sekten.