Torsten Hartung: „Der Applaus gehört Gott“

Über 300 Jugendliche kommen beim diözesanen Weltjugendtag mit Torsten Hartung und Bischof Heinz Josef Algermissen zusammen. Von Sebastian Pilz

Torsten Hartung
300 Jugendliche lauschen Torsten Hartung und seinem Lebenswandel durch den Glauben an Gott. Foto: Sebastian Pilz.

„Vor euch steht ein Mensch, der einen Mord geplant und ausgeführt hat.“ Als Torsten Hartung diesen Satz auf der Bühne des Marianums sagt, herrscht bei den Anwesenden betretenes Schweigen. 300 Jugendlichen aus allen Region des Bistum Fulda kamen am Palmsonntag anlässlich des diözesanen Weltjugendtages in Fulda zusammen. Mehr Teilnehmer als die vergangenen Jahre machten sich bei ihren Hosanna-Fest Gedanken zum Thema: „Radikal mutig“. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, was in den Augen Gottes mutig in dieser Welt ist.

Auf krimineller Ebene beschreibt der Stargast Torsten Hartung zunächst ein negatives Verständnis von Mut: Er baut in seiner Vergangenheit einen Autoschieberring zwischen Deutschland und Osteuropa auf. Der Weg dahin führt durch eine grausame Kindheit mit massiven Prügelattacken und Schuldvorwürfen von seinen Eltern. Früh wechselt er von der Opfer- auf die Täterseite. Nach verschiedenen Gewaltdelikten arbeitet er als Kopf eines Autoschieberrings mit 54 Personen. „Da musst du eine Atmosphäre der Angst verbreiten, dass die Gemeinschaft zusammenhält“, so Hartung. Ein Mord an einem Komplizen sichert ihm diese Stellung. Trotz Geld und Macht fühlt er sich unglücklich.

Nach seiner Verhaftung ringt Hartung mit dem „Wohin“ seiner Schuld. „Diese Frage kann dir auch in 22 Jahren Gefängnis kein Psychologe beantworten“, so Hartung. Tief berührt lauschen die Jugendlichen beim Weltjugendtag in Fulda seinen Worten, wie er eines Tages sich mit Blick auf das Fensterkreuz seiner Zelle an einen Jesus-Film erinnert. Jesus habe auch eine zweite Chance bekommen, so seine Gedanken. In diesem Moment beginnt Hartung Jesus sein ganzes Leben zu erzählen und um eine neues Leben zu flehen. „Und dann hörte ich die Stimme: Ich weiß“, sagte Hartung. Seit diesem Moment sei er sich der Existenz Gottes sicher.

Acht Jahre nach dem Mord lässt er sich katholisch taufen und weiht sich dem unbefleckten Herzen Mariens. „Das habe ich beim Studium von Heiligenbiografien gelernt: Sie hatten alle eine tiefe Beziehung zu Maria. Von da an war Maria meine Mutter, die ich nie hatte“, sagt Hartung und zeigt auf seinen Rosenkranz in der Hand. Er bekennt sich in seiner Haft zu deinen Taten und hilft seit seiner Entlassung straffälligen Jugendlichen ins Leben hinein. Am Ende seines Vortrags gibt er den Jugendlichen mit auf den Weg: „Ich hatte durch Gott Vergebung erfahren. Seine Barmherzigkeit und Liebe schenkte mir ein neues Leben. Deshalb gehört aller Applaus Gott. Vertraut auf ihn und öffnet euch für seine Allmacht und Liebe“, so Torsten Hartung.

Im Sinne dieses mutigen Bekenntnisses von Torsten Hartung erinnerte auch Ortsbischof Heinz Josef Algermissen die Jugendlichen an ihre wichtige Aufgabe. „Radikal mutig sein bedeutet, vom lateinischen Verständnis des Wortes radix - Wurzel her zu denken. Wir müssen uns zuerst zu Christus, unserer Wurzel, bekennen und können dann versuchen, in aller Demut für ihn Zeugnis abzulegen. Bekennt euch mutig zu Christus und zur Kirche, ohne die wir Christus nicht verlieren würden“, so Algermissen auf der Bühne des Marianums. Er sandte das Jugendkreuz des Bistums in die nächste Pfarrei nach Hattenhof aus und wünschte alle Jugendlichen eine gute Vorbereitung auf den Weltjugendtag in Panama im Januar 2019.

Stolz teilte Bistumsjugendpfarrer Alexander Best bei seiner Begrüßung der Jugendlichen am Palmsonntag mit, dass das Bistum Fulda mit derzeit über 130 Anmeldungen die größte deutsche Pilgergruppe in Panama stelle. Die noch möglichen 15 freien Anmeldeplätze waren am Palmsonntag auch schnell vergeben, weil ein bunter Informationsstand im Foyer des Marianums unentschlossene Jugendliche zur Anmeldung bewegte.
Mit Musik Band „Syndikath“ aus Limburg endete das Bühnenprogramm und die Zeit mit verschiedenen Angeboten begann. Einige Jugendliche brachen auf und überbrachten Palmsträuße mit einem Gruß des Bischofs in Krankenhäuser und Altenheime Fuldas. Andere nutzen das kreative Angebot zum Gestalten von Osterkerzen. Darüber hinaus informierten einige sich über das ökumenische Netzwerk Fuldas „all-for-one“. Stadtpfarrer Stefan Buß berichtete von seiner Leidenschaft über das Pilgern. Andere genossen bei Kaffee und Kuchen den strahlenden Sonnenschein.

Mit einem Gebetsabend endete das Hosanna-Fest, das am Vormittag mit der Palmprozession über den Domplatz begonnen hatte. Dabei trugen die Jugendlichen in Erinnerung an den biblischen Text Palmzweige in den Händen und begleiteten mit einem Jugendkreuz, den Verbands- und den Landesfahnen Bischof Heinz Josef Algermissen und Weihbischof Karlheinz Diez von der Michaelskirche in den Fuldaer Dom. In seiner Ansprache lud Algermissen die Jugendlichen ein die Kar- und Ostertage nicht als Wiederholung und damit als Abflachung zu verstehen. „Wir müssen es anders versuchen: Wo sind wir und wo komme ich in den Texten vor? Nur so kann Gott uns am Kreuz vorbei zum Licht der Osternacht führen“, sagte Bischof Algermissen vor der Palmweihe

Für Kevin Preisendörfer aus Kilianstädten bei Hanau war es das erste Hosanna-Fest: „Ich fand die Lebensgesichte von Torsten Hartung beeindruckend, weil anders als andere Straftäter mit Gott den Ausstieg aus der Kriminalität geschafft hat“, so der 15jährige. Für Jugendpfarrer Alexander Best und sein Team war der Tag ebenso ein großer Erfolg. „Ich freue mich, dass in diesem Jahr so viele Jugendliche nach Fulda gekommen sind. Die gute Stimmung, die vielen herzlichen Begegnungen und die intensive Gebetsatmosphäre am Abend lassen mich froh und mutig auf den Weltjugendtag nach Panama blicken.“ Dazu ist eine Anmeldung beim Bischöflichen Jugendamt noch bis zum 31.05.2018 möglich.