Tawadros II. tritt Amt an

Ägyptens Präsident Mursi bleibt Feier fern

Kairo (DT/KNA) Der neue koptische Papst und Patriarch Tawadros II. hat am Sonntag sein Amt als Oberhaupt der größten christlichen Gemeinschaft Ägyptens angetreten. Dem Gottesdienst in der Markus-Kathedrale in Kairo wohnten nach ägyptischen Medienberichten hunderte Gläubige und zahlreiche Würdenträger bei. Ägyptens Präsident Mohammed Mursi ließ sich durch einen Gesandten vertreten. Hingegen nahm Ministerpräsident Hisham Kandil an der Feier teil. Unter den Gästen war auch der Reformpolitiker und Friedensnobelpreisträger Mohammed El-Baradei. Aus dem Vatikan sandte Benedikt XVI. Glückwünsche an den koptischen Papst, der als Nachfolger des Evangelisten Markus gilt. Das katholische Oberhaupt erbat für Tawadros II. Gottes Segen bei der Führung des Klerus und der Laien, „zum Wohl der Gläubigen und zum Frieden und der Harmonie der ganzen Gesellschaft“.

„Mehrfach konnte er

die Tränen

nicht

zurückhalten“

Zugleich bekundete er Hoffnung auf eine Fortsetzung des ökumenischen Dialogs. Kurienkardinal Kurt Koch als Präsident des päpstlichen Rats für die Einheit der Christen überbrachte die Gratulation persönlich. Tawadros II., 118. Amtsinhaber in der Geschichte der koptisch-orthodoxen Kirche, zeigte sich während der Zeremonie sehr bewegt. Mehrfach konnte er die Tränen nicht zurückhalten. In einer Ansprache bekundete er Solidarität mit den Menschen in Gaza. Er erinnerte weiter an die Opfer des Busunglücks vom Samstag in der Provinz Assiut. Rund 50 Kinder waren dort bei einem Zusammenstoß mit einem Zug ums Leben gekommen. Der neue Patriarch tritt an die Stelle des im März verstorbenen Schenuda III., der die Kirche am Nil seit 1971 geleitet hatte. Tawadros II., ursprünglich Mönch im Wüstenkloster Anba Bischoi und zuletzt Weihbischof von Beheira im Nildelta, war an seinem 60. Geburtstag am 4. November aus einer gewählten Dreierliste per Losentscheid zum Kirchenoberhaupt bestimmt worden. Politisch bestimmendes Thema für die ägyptischen Kopten ist derzeit ihre Stellung als christliche Minderheit in der neuen Verfassung.

Erst am Samstag hatten die christlichen Vertreter in der ägyptischen Verfassungsversammlung das Gremium verlassen. Dessen Entwicklung stelle „nicht sicher, dass die Verfassung einen nationalen Konsens findet oder die Identität Ägyptens widerspiegelt“, erklärte der Interimsleiter der koptischen Kirche, Bischof Pachomius, in einer gemeinsamen Stellungnahme aller christlichen Konfessionen des Landes. Ein Streitpunkt ist Artikel 2 aus der alten Verfassung. Dieser nennt die „Prinzipien der Scharia“ als Grundlage der Gesetzgebung. Salafisten wollen dies auf die „Regeln der Scharia“ zuspitzen. Der endgültige Entwurf für eine neue ägyptische Verfassung soll nach bisherigem Stand am 12. Dezember vorgelegt werden.