Tagesheiliger 9. Oktober: Dionysius von Paris

Saint-Denis, in der nördlichen Banlieue der französischen Hauptstadt gelegen, ist dem National- und Stadtheiligen von Paris geweiht, dem heiligen Dionysius. Die sich hoch über die Straßen des Ortes erhebende gotische Kathedrale diente seit Mitte des sechsten Jahrhunderts bis ins Jahr 1830 fast allen Königen des Landes und ihrer Angehörigen als Grablege: etwa Chlodwig I, Dagobert I., Karl Martell, Ludwig XVI. und Marie Antoinette.

Während der Französischen Revolution drangen im August 1793 die Revolutionäre in die Kathedrale ein und führten den Beschluss des Nationalkonvents zur „Zerstörung der Insignien des Feudalismus“ aus: Sie demolierten die Grabdenkmäler und Statuen in Saint-Denis, schändeten die Gräber und raubten sie aus. Die darin enthaltenen Gebeine der Verstorbenen wurden – je nach Erhaltungszustand – dem Mob zur Schau gestellt, sofort oder erst nach der makabren Präsentation in ausgehobene Gräben vor der Kirche geworfen. 1815 wurden die sterblichen Überreste wieder geborgen und werden seitdem in einem Ossuarium in der Krypta von Saint-Denis aufbewahrt.

Der Namensgeber der Kathedrale, der heilige Dionysius, war der erste Bischof von Paris. Er wurde zu Beginn des dritten Jahrhunderts vermutlich in Italien geboren, wo er zum Priester geweiht wurde. Der Papst sandte ihn um das Jahr 250 gemeinsam mit sechs Gefährten nach Gallien auf Missionsreise in die Region von Lutetia, wie Paris in der Antike hieß. Dionysius errichtete mehrere Kirchen: in Chartres, Senlis und Paris.

Im Laufe der Christenverfolgung – vermutlich unter Kaiser Decius – wurde er verhaftet und enthauptet. Die Hinrichtung fand an einem 9. Oktober auf dem Berg Montmartre – dem „Berg der Märtyrer“ – statt. Der Legende nach soll Dionysius sein Haupt ergriffen und es zu einem Fluss getragen haben, um es dort zu reinigen. Danach soll er mehrere Kilometer weiter nordöstlich gewandert sein. An dem Ort, an dem er es ablegte, schließlich starb und begraben wurde, errichtete der Merowingerkönig Dagobert I. 626 die Abteikirche Saint-Denis, an deren Stelle später Nachfolgebauten entstanden. Kurioserweise wird der heilige Dionysios, der in der Kunst im bischöflichen Ornat mit Stab und Mitra dargestellt wird – mit seinem abgeschlagenen Haupt in den Händen als Attribut – etwa gegen Migräne und Kopfschmerzen, außerdem auch gegen Tollwut und Seelenleiden angerufen. Er zählt seit 1450 zu den vierzehn Nothelfern. Katrin Krips-Schmidt