Tagesheiliger: 6. Oktober: Der heilige Bruno von Köln

Vor fünf Jahren, im Oktober 2011, besuchte Papst Benedikt XVI. das Kartäuserkloster im kalabrischen Serra San Bruno. Der Ort ist nach dem heiligen Bruno von Köln benannt, der das Kloster im Jahr 1091 gegründet hat. Er ist der geistliche Vater des streng asketisch ausgerichteten Kartäuserordens, dessen tägliches Leben von Einsamkeit und Schweigen bestimmt ist, unterbrochen vom feierlichen liturgischen Gebet. Von Claudia Kock

Bruno von Köln
St Bruno

Vor fünf Jahren, im Oktober 2011, besuchte Papst Benedikt XVI. das Kartäuserkloster im kalabrischen Serra San Bruno. Der Ort ist nach dem heiligen Bruno von Köln benannt, der das Kloster im Jahr 1091 gegründet hat. Er ist der geistliche Vater des streng asketisch ausgerichteten Kartäuserordens, dessen tägliches Leben von Einsamkeit und Schweigen bestimmt ist, unterbrochen vom feierlichen liturgischen Gebet. „Diese Berufung findet wie jede Berufung ihre Antwort in einem Weg, in einer Suche, die ein ganzes Leben lang dauert“, sagte Papst Benedikt bei der Vesperfeier.

„Es genügt nämlich nicht, sich an einen Ort wie diesen zurückzuziehen, um das Verweilen in der Gegenwart Gottes zu lernen. Wie es bei der Hochzeit nicht genügt, das Sakrament zu feiern, um tatsächlich eins zu werden, sondern es gilt, die Gnade Gottes wirksam werden zu lassen, um gemeinsam durch den Alltag des Ehelebens zu gehen, so erfordert das Mönchwerden Zeit, Übung, Geduld, ,indem man in einem dauernden Wachsein für das Göttliche‘ – wie der heiligen Bruno sagte – ,auf die Wiederkunft des Herrn wartet, um ihm sogleich die Tür zu öffnen‘.“

Bruno von Köln: Herkunft und Leben

Bruno wurde 1031 in einer niederrheinischen Familie geboren, studierte in Köln und wurde mit 26 Jahren Rektor der Domschule in Reims. Einer seiner Schüler war der spätere Papst Urban II. Brunos gute Aussichten auf das Amt des Erzbischofs von Reims wurden durch einen Mitbewerber namens Manasse zunichtegemacht, der sich 1067 durch Simonie die Bischofswürde erkaufte. 1076 reiste Bruno nach Rom, um über Manasses simonistische Umtriebe Beschwerde bei Papst Gregor VII. einzulegen, der Reformen in Gang gesetzt hatte, um das verbreitete Unwesen des Ämterkaufs zu unterbinden. Bei Brunos Rückkehr nach Reims verwehrte ihm Manasse die Wiederaufnahme seiner Tätigkeit. Daraufhin ging Bruno zunächst ins nordfranzösische Roucy und trat 1079 – mit fast 50 Jahren – in das gerade gegründete Benediktinerkloster Molesme ein.

Gründung einer Mönchsgemeinschaft und Einsiedlerleben

In der Zwischenzeit hatte Gregor VII. Manasse seines Amtes enthoben und trug Bruno die Bischofsweihe an. Dieser lehnte sie jedoch ab, da er sich als Mönch nur der Suche nach Gott widmen wollte. Zusammen mit sechs Gefährten gründete er im Jahr 1084 in einer kargen Gegend bei Grenoble, „Cartusia“ genannt, eine Mönchsgemeinschaft. Sie ist die Keimzelle der „Grande Chartreuse“, des Mutterklosters der Kartäuser.

Bruno war für seine Mitbrüder ein lebendes Vorbild. Sie „verharrten in der Schule des Heiligen Geistes und ließen sich durch die Erfahrung formen. Auf diese Weise erarbeiteten sie eine eigene Weise des Einsiedlerlebens, die den folgenden Generationen nicht schriftlich, sondern durch das Beispiel überliefert wurde“ heißt es in den Statuten der Kartäuser. Hier wird auch der tiefere Sinn ihres Lebens erläutert: „Getrennt von allen, sind wir eins mit allen, damit wir stellvertretend für alle vor dem lebendigen Gott stehen.“ Ein Zeugnis vom Leben in der „Grande Chartreuse“ bietet der Dokumentarfilm „Die große Stille“. Die einzige Kartause im deutschsprachigen Raum befindet sich in Marienau in Oberschwaben.

1076, im Jahr von Brunos Romreise, war der Investiturstreit ausgebrochen. Der deutsche König Heinrich IV. forderte Papst Gregor VII. auf dem Hoftag in Worms zum Rücktritt auf, woraufhin dieser den König mit dem Kirchenbann belegte, den er erst wieder aufhob, nachdem Heinrich im Winter 1077 zu ihm nach Canossa gepilgert war, um Abbitte zu leisten. Auf der Synode von Brixen 1080 wählten die hinter dem König stehenden Bischöfe einen Gegenpapst – Clemens III. –, der Heinrich IV. im März 1084 zum Kaiser krönte, während Gregor VII. nach Salerno ins Exil ging.

Zeit am päpstlichen Hof und Tod

1088 kam Urban II., Brunos ehemaliger Schüler, auf den Stuhl Petri. Er war bemüht, das Reformwerk Gregors VII. fortzusetzen, und holte Bruno aus der Einsamkeit der „Cartusia“ als Berater an den päpstlichen Hof in Süditalien, wo er vor den Truppen Heinrichs IV. Zuflucht gesucht hatte. Als Urban II. Bruno zum Erzbischof von Reggio Calabria erheben wollte, lehnte dieser auch diesmal die Bischofsweihe ab und bat, sich wieder als Mönch in die Einsamkeit zurückziehen zu dürfen. Mit Hilfe Rogers I. von Sizilien gründete er das Kloster im heutigen Serra San Bruno, wo er das letzte Jahrzehnt seines Lebens als Abt wirkte und am 6. Oktober 1101 im Alter von 70 Jahren starb.

„Bruno war lobenswert in vielen Dingen, hauptsächlich jedoch darin, dass seine Seelenstimmung immer unveränderlich blieb“, schrieben die Mönche des Klosters, wo er auch seine letzte Ruhestätte fand. „Das war seine Besonderheit. Er zeigte immer ein fröhliches Gesicht und eine bescheidene Rede; mit der Festigkeit eines Vaters verband er die Zärtlichkeit einer Mutter. Niemand fand ihn überheblich, sondern alle sanft wie ein Lamm.“