Tagesheiliger: 29. August: Seliger Mar Flavianus Michael Melki

Von Katrin Krips-Schmidt

Genau hundert Jahre nach seinem gewaltsamen Tod am 29. August 1915 wird der Märtyrerbischof Mar Flavianus Michael Melki an diesem Samstag in der Wallfahrtskirche Notre-Dame-de-la-Délivrance im libanesischen Harissa seliggesprochen. Mehrere Patriarchen und Oberhäupter der Ostkirchen aus dem Libanon, Syrien und dem Irak werden an der vom syrisch-katholischen Patriarchen Ignatius Yousef III. Younan geleiteten Zeremonie teilnehmen, bei der der Präfekt der vatikanischen Heiligsprechungskongregation, Angelo Kardinal Amato, das Seligsprechungsdekret verlesen wird.

Bischof Melki wurde Opfer des vom „Komitee für Einheit und Fortschritt“ („Jungtürken“) angeordneten Völkermords an armenischen, syrischen und griechischen Christen aus „Hass auf den Glauben“, so Papst Franziskus in einer Audienz. Er ist damit der erste syrisch-katholische Märtyrer dieses Genozids, der zur Ehre der Altäre erhoben wird.

Mar Flavianus Michael Melki wurde am 1858 in Kalaat Mara östlich von Mardin unweit von Gazarta in Anatolien im damaligen Osmanischen Reich geboren. Er stammte aus einer angesehenen syrisch-orthodoxen Familie. 1868 trat er in das syrisch-orthodoxe Kloster östlich von Mardin ein, wo er 1878 zum Diakon geweiht wurde, fortan als Bibliothekssekretär wirkte und an der Klosterschule lehrte. Seine Annäherung an die katholische Kirche führte schließlich zu seiner Priesterweihe in der syrisch-katholischen Kirche in Aleppo im Mai 1883. Während der Massaker von 1895 wurde er Zeuge blutiger Verfolgungen. Seine Kirche wurde verwüstet und in Brand gesteckt, seine Mutter und mehrere Angehörige seiner Pfarrei wurden ermordet. In den folgenden Jahren half er beim Wiederaufbau gebrandschatzter Ortschaften. Von Papst Leo XIII. zum Bischof von Gazarta ernannt, fand die feierliche Weihe Melkis im Januar 1913 statt.

Der Postulator im Seligsprechungsverfahren, Pater Rami al-Kabalan, lobte den Glaubens- und Bekennermut des neuen Seligen und dessen Einsatz, mit dem er die Christen im Osmanischen Reich immer wieder ermunterte, trotz der Verfolgungen weiterhin ihren Glauben zu leben. Er sagte: „Bischof Melki lebte selbst in extremer Armut; er verkaufte sogar seine Messgewänder, um den Armen zu helfen, und er war unermüdlich in den Pfarreien unterwegs. Es gibt da einen Satz von ihm, der mich immer sehr bewegt: Als sie versuchten, ihn zwangsweise zum Islam zu bekehren, hat er einfach geantwortet: ,Ich verteidige meinen Glauben bis aufs Blut!‘“

Melki wollte selbst auf den Rat seiner christlichen und muslimischen Freunde, vor seinen Feinden aus dem Osmanischen Reich zu fliehen, nicht das Feld räumen: „Weggehen – auf keinen Fall. Ich werde mein Blut für meine Schafe geben“, blieb er standhaft. Diese Standhaftigkeit war auch der Grund dafür, dass er gemeinsam mit seinem Amtskollegen, dem chaldäisch-katholischen Bischof Jacques Abraham, am 28. August 1915 von osmanischen Sicherheitsleuten festgenommen wurde. Die Aufforderung, zum Islam zu konvertieren, lehnten beide Geistliche ab. In Gazarta, dem heutigen Cizre an der türkisch-syrischen Grenze, wurde Bischof Abraham noch am selben Tag erschossen, Bischof Melki am darauffolgenden Tag gefoltert, bewusstlos geschlagen und anschließend enthauptet.