Tagesheiliger: 20. Juli: Der selige Luigi Novarese

Von Claudia Kock

Am Gründonnerstag 1983 rief Papst Johannes Paul II. das Jubiläumsjahr der Erlösung aus. In einem Schreiben an den Priester Luigi Novarese, Gründer des Verbands „Centro Volontari della Sofferenza“, hatte der Papst kurz zuvor dieses erste Heilige Jahr seines Pontifikats „den Gebeten, Entbehrungen und Leiden derer, die von Schmerz geprüft sind“, anvertraut. Er verwies darauf, dass auf ihnen „das Leben und die Fruchtbarkeit der Kirche, des mystischen Leibes des gekreuzigten und auferstandenen Christus, ruht“. Dem Verband, der in verschiedenen Ländern Europas, Amerikas und Afrikas verbreitet ist, gehören zahlreiche überwiegend kranke oder behinderte Menschen an, die dem von ihrem Gründer formulierten geistlichen Programm folgen, „die Leidenden von der Notwendigkeit und dem Wert des durch die Gnade geheiligten Schmerzes zu überzeugen und die Frucht ihres Gebets für die Umsetzung der Anliegen Unserer Lieben Frau in Lourdes und in Fatima darzubringen, die nichts anderes sind als der Heilsplan Jesu“.

Luigi Novarese, der am 20. Juli 1984, starb, war 70 Jahre zuvor als neuntes Kind piemontesischer Bauern geboren worden. Wenige Monate nach seiner Geburt starb sein Vater; die Mutter musste die vielköpfige Familie alleine durchbringen. 1923, im Alter von neun Jahren, zog Luigi sich eine Knochentuberkulose zu. Er musste in einem Gipskorsett schlafen, und ein Juckreiz machte seinen Zustand teilweise fast unerträglich. Obwohl die Krankheit als unheilbar galt, verkaufte seine Mutter im Vertrauen auf die Vorsehung Gottes ihr ganzes Hab und Gut, um teure Therapien für ihren Sohn zu bezahlen.

Mit 17 Jahren wurde Luigi in ein Sanatorium eingeliefert. Als die Ärzte seiner Mutter mitteilten, dass er nur noch wenige Monate zu leben habe, schrieb Luigi einen Brief an den Großrektor der Salesianer, den seligen Filippo Rainaldi, und bat um sein Gebet sowie um das Gebet des ganzen Oratoriums. Rainaldi riet ihm, eine Novene zu „Maria Helferin“ zu beten, was Luigi inständig tat. Nach drei Novenen geschah das Wunder: Luigi war geheilt, ohne dass die Ärzte eine Erklärung dafür fanden.

Als einzige Folge blieb bei Luigi ein verkürztes Bein zurück. Es erinnerte ihn später immer an die Zeit seiner schweren Krankheit, in der er auch zu seiner Berufung fand, den Kranken zu helfen. Zunächst dachte er an ein Medizinstudium, änderte jedoch nach dem Tod seiner Mutter 1935 seinen Plan und beschloss, Priester zu werden, um die Kranken auf dem geistlichen Weg zur Begegnung mit dem gekreuzigten und auferstandenen Christus zu führen.

Nach dem Studium in Rom wurde er 1938 in der Lateranbasilika zum Priester geweiht und arbeitete von 1942 bis 1970 im Staatssekretariat des Heiligen Stuhls. 1943 gründete er die „Lega Sacerdotale Mariana“ als Hilfswerk für Priester, die durch den Krieg verletzt waren oder wirtschaftliche Not litten. In der unmittelbaren Nachkriegszeit rief Luigi Novarese weitere Verbände ins Leben, die dazu dienen sollten, kranken und behinderten Menschen einen neuen, positiven Blick auf sich selbst in der Nachfolge des gekreuzigten und auferstandenen Christus zu geben und ihre Existenz als Apostolat zu leben. Er gründete außerdem ein Exerzitienhaus für kranke Menschen und kümmerte sich um die Eingliederung von Behinderten in die Arbeitswelt. 1962 vertraute Papst Johannes XXIII. ihm die Leitung der Krankenseelsorge in Italien an. In dieser Funktion wechselte er 1970 vom Staatssekretariat zur Italienischen Bischofskonferenz, um sich schließlich ab 1977 bis zu seinem Tod vollzeitig den von ihm gegründeten Verbänden zu widmen.

Am 11. Mai 2013 wurde Luigi Novarese seliggesprochen. Papst Franziskus sagte über ihn, dass er „die Kranken und Behinderten lehrte, ihr Leiden im Kontext einer apostolischen Tätigkeit zu sehen, die mit Glauben und Nächstenliebe ausgeübt wird“, und fügte hinzu: „Ein kranker, behinderter Mensch kann eine Stütze und ein Licht für andere Leidende werden und dadurch die Umgebung verwandeln, in der er lebt.“