Tagesheiliger: 19. mai: Der heilige Ivo Hélory von Kermatin

Der heilige Ivo Hélory von Kermatin war sowohl Priester als auch ein gerechter und mildtätiger Richter. In Frankreich und besonders in der Bretagne ist er als der heilige Yves de Kermatin bekannt, und in vielen Ländern gilt er als der Schutzpatron der juristischen Berufe; besonders die Anwälte verehren ihn. Die wichtigste Quelle, die Aufschluss über sein Leben gibt, sind die noch erhaltenen Kanonisierungsprotokolle aus dem 14. Jahrhundert.

Ivo wurde am 17. Oktober 1253 in Minihy-Tréguier geboren und entstammte einer Adelsfamilie. 1261 brach er mit seinem Hauslehrer nach Paris auf, um an der dortigen Universität die Artes Liberales und das Kirchenrecht zu studieren. Zum Studium des weltlichen Rechts musste er von 1271 bis 1273 an die Universität von Orléans wechseln. 1278 wurde er Offizial am Kirchengericht von Rennes in der Bretagne. 1284 ließ er sich zum Priester weihen, nahm Pfarrstellen in kleinen Gemeinden an und wirkte weiterhin gleichzeitig als Richter am Kirchengericht. Dieses Amt übte er mit Weisheit und Güte aus, was ihn zu einem „Advocatus Pauperorum“, zum „Anwalt der Armen“ werden ließ, der vor allem die Mittellosen gegen die Reichen vertrat. Zudem trat er für die versöhnliche Beilegung von Streitigkeiten vor Gericht ein. Als ausgezeichneter Prediger zog der sich den Franziskanern nahe fühlende Geistliche, der sich einer asketischen Lebensführung unterwarf, durch die Region. Wie der heilige Martin gab er sich nicht damit zufrieden, Spenden zu geben, sondern er teilte großzügig das, was er besaß und lud die Armen zu sich ein. 1297 zog er sich mit kaum 44 Jahren aus dem öffentlichen Leben und von all seinen Funktionen zurück.

Am 19. Mai 1303 starb Ivo, krank und erschöpft in Louannec. 1347 wurde Ivo, der sich für Versöhnung und Frieden aufgrund seines christlichen Glaubens einsetzte, von Papst Clemens IV. in Avignon in das Verzeichnis der Heiligen aufgenommen. Sein Kult verbreitete sich mit einer unglaublichen Geschwindigkeit in Frankreich, Italien, den Niederlanden und auch jenseits des Rheins.

Und noch heute – mehr als 700 Jahre nach dem Todestag des Nationalheiligen der Bretonen – pilgern sie am „Jour de la Saint-Yves“, am Ivo-Tag, dem 19. Mai, zusammen mit Juristen aus aller Welt zu seinem Geburtsort, wo sie die „Fete de la Saint-Yves“ mit einer Prozession besonders feierlich begehen.

Abgebildet wird Ivo fast immer als Richter mit einer Schriftrolle. Zu besonderer Berühmtheit gelangte das sich in der Londoner Nationalgalerie befindende Gemälde aus dem 15. Jahrhundert von Rogier van Weyden mit einem Porträt des Heiligen. Auch für die Rechtsfakultät der Universität Trier ist der heilige Ivo in seiner Vorbildfunktion noch immer von großer Bedeutung: Schließlich trägt das Siegel des Fachbereichs der Rechtswissenschaft seit 1989 eine Darstellung des heiligen Juristen.

Nicht zu verwechseln ist der heutige Tagesheilige jedoch mit seinem Namensvetter, dem Bischof Ivo von Chartres (Gedenktag 23. Dezember) – französisch Yves de Chartres –, der am 23. Dezember 1115 starb. Der Kirchenreformer und Wegbereiter der Scholastik kritisierte öffentlich König Philipp I. wegen dessen ehebrecherischer Verbindung, die er durch eine „Eheschließung“ mit Bertrada von Monfort eingegangen war, obwohl diese bereits mit einem anderen Mann, dem Grafen von Anjou, verheiratet war. König Philipp I. missfiel der Tadel des Geistlichen so sehr, dass er ihn in Gefangenschaft nahm, aus der er erst nach päpstlicher Intervention wieder freigelassen wurde.