Tagesheiliger: 17. November: Gregor der Wundertäter

Von Claudia Kock

In der heutigen Türkei sind die Christen eine Minderheit. Vom Ende des vierten Jahrhunderts, als Kaiser Theodosius I. das Christentum zur Staatsreligion erklärte, bis zur Vertreibung der Byzantiner zu Beginn des 11. Jahrhunderts und der anschließenden Ausbreitung des Osmanischen Reiches gehörte das Gebiet dagegen zum christlichen Kernland. Der Apostel Paulus wurde hier geboren, und die „Sieben Sendschreiben“ der Johannes-Offenbarung sind an Gemeinden gerichtet, die heute in der Türkei liegen. Zu den bedeutendsten Kirchenvätern gehören außerdem die drei „großen Kappadokier“ Basilius, Gregor von Nyssa und Gregor von Nazianz. Sie verehrten als den Begründer der Kirche in ihrer zentralanatolischen Heimat den heiligen Gregor den Wundertäter, dessen Gedenktag die Kirche am 17. November feiert.

Gregor der Wundertäter wurde um 213 in einer vornehmen heidnischen Familie in Neocaesarea, dem heutigen Niksar, unweit des Schwarzen Meeres geboren und erhielt zunächst den Namen Theodor. Er studierte Rhetorik und wandte sich dann der Rechtswissenschaft zu. Mit etwa 20 Jahren machte er sich mit seinem Bruder Athenodoros auf den Weg nach Berytus – dem heutigen Beirut –, um dort das Studium fortzusetzen.

Sie nahmen dabei einen Umweg über Caesarea in Palästina, um eine Schwester zu besuchen, deren Mann dort kaiserlicher Statthalter war. In Caesarea predigte und lehrte zu dieser Zeit der berühmte Kirchenschriftsteller Origenes. Sein Spezialgebiet war die allegorische Auslegung der Heiligen Schrift; er war jedoch auch in den Naturwissenschaften und in der Philosophie sehr bewandert und zog mit seinen Vorträgen nicht nur Christen, sondern auch viele gebildete Heiden an. Auch Theodor und Athenodoros gingen hin, um Origenes zu hören.

Die Begegnung mit Origenes wurde zum Wendepunkt in Theodors Leben. Zusammen mit seinem Bruder ließ er sich taufen und nahm den Namen Gregor an. Statt wie geplant in Berytus Rechtswissenschaft zu studieren, blieben beide fünf Jahre lang, von 233 bis 238, in Caesarea, um den von Origenes angebotenen Kurs vollständig zu absolvieren. Nach seiner Rückkehr in die Heimat wurde Gregor zum ersten Bischof von Neocaesarea geweiht und entfaltete eine so eifrige Missionstätigkeit, dass in der ganzen Region, wie es hieß, „kaum mehr als eine Handvoll Heiden übrigblieb“.

In Gregors Gemeinde gehörte eine Frau namens Makrina zu den tragenden Säulen. Sie war die Großmutter von Gregor von Nyssa und Basilius, die die theologische Entwicklung des 4. Jahrhunderts entscheidend mitgeprägt haben. Basilius bezeichnete Makrina als seine „geistliche Nährmutter“ und berichtet, dass sie eine Schülerin von Gregor dem Wundertäter gewesen sei. Von Gregor von Nyssa dagegen ist eine Lobrede auf Gregor den Wundertäter erhalten, in der er zahlreiche Wunder schildert, auf die sein Beiname zurückzuführen ist.

Auch vom Wundertäter selbst sind einige Schriften überliefert, etwa eine Lobrede auf Origenes sowie verschiedene Werke zu theologischen Disputen der Zeit, etwa über die Leidensfähigkeit Gottes. Außerdem ist er der Verfasser eines Glaubensbekenntnisses, das bereits ein halbes Jahrhundert vor dem Konzil von Nizäa die Dreifaltigkeit Gottes sehr genau umschreibt. Gregor von Nyssa zufolge soll der Wundertäter den Text von der Gottesmutter in einer Vision empfangen haben. Dies ist ein Beleg dafür, dass die Marienverehrung in Kappadokien schon früh sehr ausgeprägt war. Gregor dem Wundertäter werden auch vier Marienpredigten zugeschrieben, die jedoch nicht erhalten sind.

Gregor starb während der Herrschaft des Kaisers Aurelian (270–275). Sein genaues Todesdatum sowie die Umstände seines Todes sind nicht bekannt.