Tagesheiliger: 12. November: Nilus der Ältere

Von Sr. Joseph-Marie Dunning

Der heilige Nilus der Ältere (+ 430) war verheiratet, hatte zwei Kinder und diente als hoher Beamter in Konstantinopel. Nach einiger Zeit wurde dieser gottesfürchtige Ehemann von einem starken Verlangen nach Einsamkeit gepackt. Vom Heiligen Geist erleuchtet, zog sich Nilus mit der Zustimmung seiner Ehefrau von der Welt zurück, um mit seinem Sohn Theodolus am Berg Sinai unter Mönchen zu leben.

Kurze Zeit später erfuhr Nilus, dass der heilige Johannes Chrysostomos aus Konstantinopel verbannt worden war. Er schrieb zwei Briefe an Kaiser Arcadius, in denen er ihn wegen dieser gottlosen Entscheidung tadelte. Nilus sollte im Laufe seines Lebens als Einsiedler noch viele weitere Briefe verfassen – von denen zahlreiche noch heute existieren.

Schon nach wenigen Jahren am Berg Sinai kamen die Araber und griffen das Kloster an. Viele Mönche wurden aus dem Hinterhalt heraus getötet – der junge Theodolus wurde ergriffen und als Gefangener mitgenommen. Nilus brach zu einem Feldzug auf, um die Rückgabe seines Sohnes zu verlangen. Nach Prüfungen und Abenteuern fand er seinen Sohn schließlich in Eleusa, südlich von Be?er Scheva. Theodolus war von einem Ortsbischof freigekauft worden. Seit seiner Suche waren wohl schon mehrere Jahre vergangen, denn Theodolus war kein Kind mehr, sondern ein erwachsener Mann. Bevor Vater und Sohn wieder zum Berg Sinai zurückkehrten, legte der gütige Bischof, der Theodolus gerettet hatte, beiden die Hände auf und weihte sie zu Priestern.

Auf dem Berg Sinai führte Nilus sein Leben des Gebets, des Studiums und der Askese weiter fort. Er war nun sehr bewandert in der Theologie und der Heiligen Schrift, und besonders glänzte er mit seinen geistlichen Schriften. Berühmt wurde er für seine Frömmigkeit, sein Wissen und sein gutes Urteilsvermögen. Menschen aller Schichten suchten seine Weisheit und seinen Rat.

So schrieb beispielsweise der Präfekt Olympiodorus einen Brief an ihn und fragte ihn, ob er seine Kirche nicht nur mit Mosaiken schmücken könnte, auf denen religiöse Szenen und Darstellungen abgebildet seien, sondern auch mit Kunstwerken, die Vögel, Ungeheuer und dergleichen zeigten. Nilus brachte seine Missbilligung gegenüber diesem Vorhaben zum Ausdruck und riet dem Präfekten, die Wände mit Darstellungen aus dem Neuen Testament wie auch aus dem Alten Testament zu bebildern, um diejenigen Menschen zu unterweisen, die nicht lesen könnten. Er sagte, dass es nur ein einziges Kreuz geben sollte – im Altarraum der Kirche.

In seinen Briefen über das Gebetsleben lehrte Nilus, dass wir Gott vor allem um die Gabe des Betens bitten und den Heiligen Geist anflehen sollen, ein gutes und heilbringendes Verlangen in unserem Herzen auszubilden. Darüber hinaus verfasste er eine Abhandlung über das Leben von Eremiten in der Einsamkeit im Vergleich zu dem Gemeinschaftsleben von Mönchen. Er schrieb über die besonderen Versuchungen und Schwierigkeiten, denen Einsiedler in ihrer Abgeschiedenheit ausgesetzt sind. Er selbst hatte heftige Anfechtungen und diabolische Angriffe erlitten. In Schreiben an Laien in der Welt ersuchte er sie, Maß zu halten, über den Tod nachzudenken und Almosen zu geben.

Übersetzung von Katrin Krips-Schmidt