Tagesheilige: 27. Juni: Die selige Louise Thérese de Montaignac de Chauvance

Von Katrin Krips-Schmidt

Dass im 19. Jahrhundert die Herz Jesu-Verehrung, in deren Mittelpunkt das am Kreuz durchbohrte Herz Jesu steht, einen großen Aufschwung erlebte, ist das Verdienst verschiedener Orden, vor allem aber der Jesuiten, die die Herz Jesu-Frömmigkeit besonders förderten. Sie stand auch im Zentrum des Lebens der seligen Louise Thérese de Montaignac de Chauvance, die ihr zu Ehren zur Gründerin einer frommen Vereinigung wurde. Die „Oblatinnen des Heiligsten Herzens Jesu“ stellten sich ganz in den Dienst eines eifrigen Herz Jesu-Gebetsapostolats.

Louise Thérese erblickte am 14. Mai 1820 in Le Havre als fünftes von sechs Geschwistern in einer sehr religiösen Familie das Licht der Welt. In ihrer Kindheit erhielt sie eine gute Ausbildung, um die sich vor allem auch ihre Patentante, Madame de Raffin, kümmerte. Diese plante die Gründung eines Netzwerks christlicher Frauen, die sich gemeinsam der Verehrung des Herzens Jesu verbunden fühlten und sich dafür einsetzen wollten, die Botschaft des Evangeliums in die Gesellschaft zu tragen. Doch diesen Plan konnte sie vor ihrem Tod im Jahr 1845 nicht mehr komplett verwirklichen. Stattdessen griff Louise Thérese das Projekt ihrer Patentante auf und führte es weiter. Sie hatte schon in ihren Jugendjahren die geistlichen Schriften der heiligen Teresa von Avila gelesen und war zu einer glühenden Bewunderin der spanischen Ordensfrau geworden. Wie die große Teresa wollte auch sie Karmelitin werden, änderte nun jedoch ihre Lebensplanung, um einen anderen Weg einzuschlagen. Als eine „Karmelitin in der Welt“ versuchte sie zunächst, die noch junge – von ihr und ihrer Tante 1844 initiierte – Vereinigung einer bereits bestehenden Kongregation anzuschließen.

Trotz einer schweren Knochenerkrankung, an der sie seit 1842 litt und die sie zunehmend behinderte und häufig ans Bett fesselte, widmete sich Louise Thérese einem äußerst vielfältigen Apostolat. Schon 1848 errichtete sie das „Werk der Tabernakel“, dessen Schwerpunkt auf dem Altarsakrament lag und aus dem 1854 das „Werk der Sühne-Anbetung“ hervorging. Im selben Jahr eröffnete sie ein Waisenhaus und ein Katechismuszentrum. Im März 1874 schließlich gründete sie die Oblatinnen des Heiligsten Herzens Jesu, zu deren Generaloberin sie im Jahr 1880 ernannt wurde.

Heute hat das Institut weltweit 43 Niederlassungen. Seine Schwestern widmen sich vor allem der Erziehung, der Waisenpflege und anderen Werken der Nächstenliebe. Louise Thérese de Montaignac de Chauvance starb am 27. Juni 1885 in Montluçon. Papst Johannes Paul II. sprach sie am 4. November 1990 selig.