Tagesheilige: 13. August: Die heilige Radegund

Von Sr. Joseph-Marie Dunning

Die heilige Radegund wurde als Tochter eines heidnischen Königs namens Berthachar im Jahr 518 in Erfurt geboren. Ihr Vater wurde von ihrem Bruder Herminafried ermordet. Einige Jahre später wurde Herminafried selbst von Theoderich, dem König der Ostgoten, und seinem Halbbruder Chlothar I. – dem König von Neustrien und jüngsten Sohn Chlodwigs I., des ersten christlichen Königs der Franken, besiegt. Radegund war erst zwölf Jahre alt und wurde gemeinsam mit ihrem Bruder gefangengenommen. Sie wuchs in Athies bei Péronne in der Picardie auf. Radegund hatte die Taufe empfangen und war bekannt für ihre Schönheit, Güte und Freundlichkeit. Als sie 18 Jahre alt war, wurde sie dem brutalen und ungerechten König Chlothar I. zur Frau gegeben.

Als Königin verbrachte sie viel Zeit in der Kirche wie auch bei der Fürsorge für die Armen, die Kranken und die Gefangenen. Dennoch vernachlässigte sie nicht ihre Pflichten als Königin und hielt es für überaus wichtig, all die Aufgaben zu erfüllen, die ihr Stand erforderten, wozu auch ein liebenswürdiges Verhalten gegenüber ihrem Ehemann, dem König, gehörte.

Chlothar I. betrog seine Frau. Obwohl er Radegund erlaubte, ihre Andachten fortzusetzen, beschuldigte er sie ebenfalls, seinen Hof in ein Kloster zu verwandeln. Darüber hinaus behandelte er sie sehr schlecht aufgrund der Tatsache, dass sie ihm keine Kinder geboren hatte. Dann ermordete er auch noch, sechs Jahre nach ihrer Eheschließung, ihren Bruder, den sie so sehr geliebt hatte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Chlothar Radegund vom Hof weggeschickt. Sie suchte den Bischof, den heiligen Medardus, auf und bat ihn, den Schleier nehmen zu dürfen. Der Bischof zögerte, als er sah, dass Radegund sich in einer heiklen Position befand, da er die Gewalttätigkeit und Grausamkeit des Königs kannte. Radegund nahm die Angelegenheit nun in ihre eigenen Hände, legte sich das Ordenskleid selbst an und präsentierte sich dem Bischof. Sie sagte: „Wenn du mir nicht den Segen geben willst, dann fürchtest du die Menschen mehr als Gott, und er wird einst von dir Rechenschaft für meine Seele fordern.“ Der Bischof gab nach.

Die ersten sechs Monate führte sie ein Leben der Buße, gab Almosen und diente den Armen. Dann ging sie nach Poitiers und gründete ein Nonnenkloster. Sie bestimmte eine Gefährtin, Agnes, zur Oberin. Das Kloster mit dem Namen „Heilig Kreuz“ sollte ein Doppelkloster sowohl für Männer als auch für Frauen sein. Sie lebten voneinander getrennt und hielten strenge und ständige Klausur. Sie folgten der Regel des heiligen Cäsarius, die täglich eine zweistündige Studienzeit verlangte. Daher wurde Heilig Kreuz zu einem Zentrum der Gelehrsamkeit. Das Kloster war aber auch ein Zentrum des Friedens, und wenn es Kriegsgerüchte gab, dann versandte Radegund Briefe, in denen sie die Kontrahenten dringend bat, um Christi willen einzulenken.

In der Zwischenzeit brach Chlothar gen Poitiers auf und wollte Radegund als seine Ehefrau wieder zurückgewinnen. Als Radegund das zu Ohren kam, schickte sie dem heiligen Germanus, dem Bischof von Paris, einen Brief und bat ihn um Hilfe. Der heilige Germanus vermittelte zwischen den beiden und war dabei so erfolgreich, dass der König Radegund nicht nur in Frieden ließ, sondern sie auch noch um Vergebung und um ihre Gebete bat. Er wurde sogar zu einem Gönner ihres Klosters. Sein guter Wille und Wandel waren jedoch nicht von Dauer. Er setzte seine entsetzlichen Grausamkeiten weiter fort und ließ sogar seinen eigenen Sohn und seine Enkelkinder bei lebendigem Leib verbrennen.

Radegund wünschte sich so sehr, eine Reliquie vom echten Kreuz für das Kloster zu bekommen, und so sandte ihr Kaiser Justinian von Konstantinopel einen Splitter dieses heiligen Kreuzes. Es wurde mit Gold und Edelsteinen geschmückt, und am 9. November 569 wurde diese besonders heilige Reliquie in einer großen Prozession vom Erzbischof von Tours, dem heiligen Euphronius, in das Kloster getragen. Für dieses großartige Ereignis komponierte Radegunds guter Freund, der heilige Venantius Fortunatus, den berühmten Hymnus: „Vexilla Regis prodeunt“.

Ihre letzten Lebensjahre verbrachte Radegund weitgehend zurückgezogen, und am 13. August 587 übergab sie friedlich ihre Seele in die Hände Gottes. Während ihrer Beisetzung erhielt ein blinder Mann sein Augenlicht wieder. Der heilige Gregor von Tours sagte, dass ihr Gesicht nach dem Tod aussah, als ob es „mit einem leuchtenden Glanz schien, der die Schönheit von Lilien und Rosen noch übertraf.“

Aus dem Englischen übersetzt von Katrin Krips-Schmidt