Streit um Memorandum

Freiburg: 130 Priester und Diakone fordern Kommunionzulassung für wiederheiratete Geschiedene

Freiburg (DT/KNA) „Weder hilfreich noch konstruktiv“ ist aus Sicht des Erzbistums Freiburg ein Internet-Aufruf von Pfarrern zu Kirchenreformen. Dabei geht es um wiederverheiratete Geschiedene, die vom Kommunionempfang ausgeschlossen sind. Das Erzbistum erklärte am Mittwoch, die katholische Kirche suche derzeit intensiv nach Lösungen. Verwiesen wird auf eine Äußerung von Papst Benedikt XVI. beim Weltfamilientreffen in Mailand, der dort die Nichtzulassung von wiederverheiraten Geschiedenen als „großes Leiden der heutigen Kirche“ bezeichnet hatte. Der Papst hatte darüber hinaus am Samstag in Mailand die kirchliche Lehre bekräftigt, wonach wiederverheiratete Geschiedene „nicht die Beichte, die Absolution und die Eucharistie empfangen können“.

Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch will „auf keinen Fall eine generelle und undifferenzierte Praxis billigen, die eigenmächtig gegen Vorgaben der Weltkirche verstößt“. Es sei im Rahmen der Dialog-Aktivitäten des Erzbistums „bewährte Praxis“, nicht übereinander, sondern miteinander zu reden und gemeinsam Lösungen zu suchen. Deshalb sollten Verantwortliche des Erzbistums mit den Initiatoren der Erklärung Gespräche führen.

Die Gruppe von Geistlichen hatte angekündigt, sich künftig mit Stellungnahmen zu Reformthemen zu Wort zu melden. In der ersten Stellungnahme fordern sie, Geschiedene nicht vom Empfang der Kommunion auszuschließen und laden die Gläubigen ein, das Memorandum zu unterstützen. Dem Aufruf schlossen sich nach Angaben der 13 Initiatoren bislang etwa 130 Priester und Diakone an.

Zugleich machen die Unterzeichner öffentlich, dass sie in ihren Gemeinden wiederverheiratete Geschiedene nicht länger vom Sakramentenempfang oder kirchlichen Aufgaben etwa im Pfarrgemeinderat ausschließen. „Uns ist bewusst, dass wir damit oft gegen derzeit geltende kirchenrechtliche Vorschriften der römisch-katholischen Kirche handeln“, heißt es in der Erklärung. Entscheidend sei die Gewissensentscheidung der Betreffenden. Das Erzbistum nannte es grundsätzlich begrüßenswert, wenn sich Priester, Diakone und Gemeinden darum bemühen, dass sich wiederverheiratete Geschiedene „geliebt, akzeptiert und nicht ausgeschlossen fühlen“. Es sei aber auch schon jetzt möglich, dass „ein Seelsorger im konkreten Einzelfall eine verantwortlich und begründet getroffene Gewissensentscheidung respektiert“.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner mahnte an Fronleichnam Treue zur Kirche an. Ohne die Freiburger Initiative namentlich zu nennen kritisierte er in seiner Predigt „Unheilspropheten innerhalb und außerhalb der Kirche“. Manche Christen wollten die Kirche auf einen Weg zwingen, „den Jesus nicht mitgeht“. Dieser habe seinen Jüngern nicht gesagt: „Nun bleibt mal alle da. Ich mache es ab jetzt etwas billiger!“