Stimme der „Münchner Schule“

Akademische Feier für Winfried Aymans zum 75. Geburtstag

Professor Winfried Aymans. Foto: reg
Professor Winfried Aymans. Foto: reg

Würzburg (reg) Mit einer Akademischen Feier hat die Katholisch-Theologische Fakultät an der Ludwig-Maximilians-Universität München den emeritierten Kirchenrechtler Winfried Aymans am Donnerstag geehrt. Aymans hatte am 2. Juli das 75. Lebensjahr vollendet. Neben Mitarbeitern der Fakultät und ehemaligen Kollegen waren auch zahlreiche Schüler des Jubilars gekommen, darunter der Trierer Kirchenrechtler Christoph Ohly, der Privatsekretär Papst Benedikts Prälat Georg Gänswein, der Rektor am Campo Santo Hans-Peter Fischer und der Münchner Offizial Lorenz Wolf. Regensburgs Bischof Gerhard Ludwig Müller, ehemals Inhaber des Lehrstuhls für Dogmatik in München, nahm ebenfalls am Festakt teil.

Stephan Haering OSB vom Klaus-Mörsdorf-Studium für Kanonistik hob in seiner Laudatio die Bedeutung des Jubilars für das wissenschaftliche Erbe Klaus Mörsdorfs (1909–89) hervor: Es werde heute zuerst durch dessen Schüler Aymans lebendig gehalten. Mit Blick auf Fragen um die Verwurzelung des kanonischen Rechts im Glauben der Kirche und um die Methode der Kanonistik habe Aymans bedeutende Ansätze seines Lehrers vertieft. Hohes Ansehen hat sich Aymans dabei vor allem durch die vollständige Neubearbeitung des Lehrbuchs des kanonischen Rechts erworben, das er auf der Grundlage des 1983 in Kraft getretenen Codex Iuris Canonici herausbrachte.

Dass Aymans zugleich Fragen zum kirchlichen Verfassungsrecht auf der Grundlage „einer soliden, vom Communio-Gedanken getragenen Ekklesiologie“ (Haering) behandelt habe wurde auch außerhalb des deutschsprachigen Raums wahrgenommen. Die Fülle der Übersetzungen zeigt das Interesse an den Publikationen des Kanonisten Aymans als Stimme der Münchner Schule“.

Am Beispiel der Promotion und Habilitation des Jubilars unterstrich Haering dessen wachen Blick für wichtige Fragen. Das Thema der Doktorarbeit lautete „Kollegium und kollegialer Akt im kanonischen Recht“, die Habilitationsschrift widmete sich dem synodalen Element in der Kirchenverfassung.

Dass Aymans wissenschaftliche Analysen unverändert aktuell für die Kirche ist, beleuchtete Christoph Ohly anhand eines Zitat des Jubilars über den sakramentalrechtlichen Begriff der „communio“. Demzufolge ist „communio“ der Schlüsselbegriff, der das „Mysterium Kirche im Kirchenrecht wie auch die Rolle des Kirchenrechts im Mysterium Kirche“ erschließt. Am Beispiel der neuen geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen und des Personalordinariats „Unserer Lieben Frau von Walsingham“ veranschaulichte Ohly, dass die Communio-Struktur der Kirche ekklesiologisch und kirchenverfassungsrechtlich für die Einheit der Kirche in ihrer Vielfalt steht. Diese Einheit wollten Vertreter der deutschsprachigen Kanonistik Ohly zufolge nach dem Zweiten Vaticanum fördern.

Der Regensburger Bischof Müller stellte im Gespräch mit dieser Zeitung die fachlichen und menschlichen Qualitäten seine früheren Kollegen Aymans heraus. Als profilierter Vertreter der „Münchner Schule“ habe Aymans das Kirchenrecht stark theologisch und systematisch gefasst. Der Jubilar sei „kein abgehobener Professor, sondern nehme den priesterlichen Dienst sehr ernst“, fügte Müller hinzu. Neigungen zum akademischen Glasperlenspiel seien Aymans fremd: „Er betreibt Theologie für die Kirche und ist als Seelsorger aktiv“, stellte der Regensburger Oberhirte fest. Der Schülerkreis erlebte Aymans als angenehmen Prüfer. Er habe, so erläuterte Ohly, nie auf sture Weise Wissen abgefragt, sondern ein wissenschaftliches Gespräch mit dem Examenskandidaten geführt.

Aymans langjähriges Wirken als wissenschaftlicher Berater der Deutschen Bischofskonferenz und des Apostolischen Stuhls kam in einem dankbaren Grußwort des Münchner Erzbischofs Reinhard Kardinal Marx zur Sprache, das Domdekan Lorenz Wolf verlas.

In einer launigen Dankesrede erinnerte Aymans daran, dass die Kanonistik angesichts der gegenwärtig verbreiteten Fehlvorstellungen über das synodale Element in der Kirche viel zur Aufklärung der Gläubigen beitragen könne. Nicht ohne Skepsis äußerte er sich über die Zielvorstellungen des bundesweiten Dialogprozesses. Die Erfahrung in Deutschland habe gezeigt, dass binnenkirchliche Dialoge vorwiegend Themen aufgriffen, die außerhalb der bischöflichen Kompetenz lägen. Er hoffe jedoch, dass beim bundesweiten Dialogprozess Themen zur Sprache gebracht werden, die zu einer Erneuerung der Kirche führen.