Solidarität mit Christen in Nahost

In Jerusalem ging gestern das jährliche ökumenische Bischofstreffen der Fokolar-Bewegung zu Ende. Von Oliver Maksan

Bischöfe der syrischen Kirchentradition singen vor Beginn der Konferenz das Vaterunser auf aramäisch. Foto: Maksan
Bischöfe der syrischen Kirchentradition singen vor Beginn der Konferenz das Vaterunser auf aramäisch. Foto: Maksan

Jerusalem (DT) In Jerusalem ist am Freitag das von der Fokolar-Gemeinschaft veranstaltete 32. Ökumenische Bischofstreffen zu Ende gegangen. Es stand unter dem Leitwort „Gegenseitige Liebe unter den Jüngern Christi“. Etwa zwei Dutzend Bischöfe verschiedener Konfessionen aus aller Welt hatten sich seit Montag im ökumenischen Zentrum Tantur nahe Bethlehem versammelt, darunter mehrere Bischöfe aus dem Libanon sowie aus dem Irak. Aus Sicherheitsgründen hatte der maronitische Erzbischof von Damaskus, Samir Nassar, seine Teilnahme kurzfristig absagen müssen. Ursprünglich erwartet worden war auch der syrisch-orthodoxe Metropolit von Aleppo, Mar Gregorios Youhanna Ibrahim. Er ist einer der beiden am 22. April entführten syrischen Bischöfe und langjähriger Teilnehmer und Moderator der Bischofstreffen.

Helmut Sievers, Priester und seitens der Focolar-Gemeinschaft Organisator der Treffen, sagte dieser Zeitung, dass Jerusalem ausgewählt worden sei, um sich mit den Christen des Nahen Ostens solidarisch zu zeigen. „Unsere Berufung als Focolare ist, Einheit entstehen zu lassen, besonders da, wo sie fehlt, wie hier im Nahen Osten. Im vergangenen Jahr haben wir deshalb Kairo als Veranstaltungsort gewählt, was die koptischen Christen sehr geschätzt haben. Dieses Jahr wollten wir uns besonders mit dem Heiligen Land und seinen Nachbarn wie Syrien solidarisieren.“ Der Veranstaltungsort Jerusalem habe es den Teilnehmern ermöglicht, Bewohner des Heiligen Landes zu treffen. „Durch unsere Begegnungen hier im Heiligen Land haben wir erkannt, wie groß die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern sind. Wir glauben, beide Seiten besser verstanden zu haben. Wir haben Verständnis für das Sicherheitsbedürfnis der Israelis. Sie dürfen den Palästinensern deswegen aber nicht ihre Rechte vorenthalten.“ Joachim Reinelt, emeritierter Bischof von Dresden-Meißen, nahm ebenfalls an dem Treffen teil. Gegenüber der „Tagespost“ sagte er: „Wir in Deutschland sehen viel zu wenig, welche Schwierigkeiten es hier im Nahen Osten gibt. Die Christen hier brauchen unser Gebet und unsere Unterstützung. Wir müssen mehr über unseren Tellerrand hinausblicken.“

Bereits seit 1977 veranstaltet die Focolar-Bewegung Treffen von Bischöfen. Seit 1982 werden die Treffen auf Anregung Papst Johannes Pauls II. als ökumenische veranstaltet. Zweck der Treffen, so Sievers, sei es, die Atmosphäre zu schaffen, in der ökumenisches Vertrauen wachsen könne. „Wir erzwingen dabei nichts sondern respektieren die konfessionellen Unterschiede.” Bei der Feier etwa eines lutherischen Abendmahlgottesdienstes während des Treffens hätten die nicht-lutherischen Bischöfe nicht das Abendmahl empfangen, sondern nur einen Segen. Dies sei übliche Praxis auch bei den eucharistischen Feiern anderer Konfessionen, sagte Sievers. Veranstaltungsort des nächsten Treffens wird voraussichtlich Rom sein. Papst Franziskus habe sich kürzlich während einer Audienz freudig bereit erklärt, die ökumenische Bischofsgruppe zu empfangen, so Sievers.