Soldaten pilgern nach Lourdes

Die 53. internationale Soldatenwallfahrt ging am Sonntag mit einer Festmesse zu Ende. Von Silvia Schober

Auf den Schultern der Kameraden auf Pilgerpfaden. Im Hintergrund die Obere Basilika von Lourdes. Foto: KNA
Auf den Schultern der Kameraden auf Pilgerpfaden. Im Hintergrund die Obere Basilika von Lourdes. Foto: KNA

Lourdes (DT/KAP) Er verfügt über eine „suggestive Kraft“, der „heilige Bezirk“ von Lourdes, in dem sich die Mariengrotte befindet. Davon gibt sich der österreichische Militärbischofsvikar Monsignore Werner Freistetter überzeugt. Der Ort allein führe hin zu einem Nachdenken, zur Reflexion, sagt er im „Kathpress“-Gespräch während der 53. internationalen Soldatenwallfahrt, die am Sonntag zu Ende gegangen ist. Menschen kämen hierher auf der Suche nach Heilung. Beeindruckend sei die Bereitschaft der Menschen, „sich auf ein Ereignis des Glauben einzulassen“ und Kraft und neuen Lebensmut mitzunehmen, so Freistetter.

Die Soldatenwallfahrt im speziellen sei als Zeichen der Versöhnung entstanden und diene bis heute dem Anliegen der Völkerverständigung, hebt der Bischofsvikar hervor. Mehr als 750 deutsche Soldaten nahmen an der Internationalen Soldatenwallfahrt nach Lourdes teil. Erstmalig begleitete der neue Militärbischof Franz-Josef Overbeck die deutsche Delegation. Die Teilnehmer reisten auch von weit außerhalb der europäischen Grenzen in diesen französischen Marienort, zum Beispiel aus Afrika, aus asiatischen Ländern, Südamerika oder auch Kanada. Es handle sich um die größte internationale Zusammenkunft von Soldaten.

In ein Lichtermeer getaucht war Freitagabend der Platz vor der Rosenkranzbasilika und dem Altar St. Bernadette. Tausende Menschen hatten in den späten Abendstunden an der Marienprozession teilgenommen. Es war dies einer der Höhepunkte der Soldatenwallfahrt. Die Pilger hielten brennende Kerzen in den Himmel und sangen gemeinsam mit den kirchlichen Repräsentanten der teilnehmenden Länder.

Die Marienprozession wurde von der französischen Militärdiözese gestaltet. Der französische Militärbischof Luc Raves leitete die Prozession, die mit einem großen Segen endete. Insgesamt waren gut 20 000 uniformierte Soldaten bei der Wallfahrt mit dabei, darunter mehr als 400 Österreicher. Das größte heimische Kontingent kam aus Kärnten, das am Donnerstag in Bussen unter anderem mit den Militärpfarrern Emmanuel Longin und Alfred Weinlich angereist war.

Neben dem offiziellen Pilgerpaket mit Rosenkranz, Gebetsheft, Pilgerbuch, Schlüsselanhänger und Pilgerabzeichen gab es für die Kärntner Wallfahrer ein besonderes Geschenk: gehäkelte Rosenkränze in den verschiedensten Farben. „Die Leute freut's“, begründete Waltraud Maurer aus Bodensdorf das besondere Geschenk. Handarbeiten sei schon immer ihr Hobby gewesen, irgendwann habe sie begonnen, ihre gehäkelten Werke an ihre Mitmenschen zu verschenken: „Irgendwann hab ich dann gedacht, mach doch einen Rosenkranz.“

Die österreichischen Soldaten hatten sich am Samstag bereits früh aufgemacht, um mit ihren Militärpfarrern den bekannten Kreuzweg in Lourdes zu gehen. Am Vormittag gab es für die österreichischen, deutschen und Schweizer Pilger eine gemeinsame Eucharistiefeier im Zeltlager der Soldaten. „Zeit hat man nicht einfach so – die nimmt man sich, auch für das Gebet“, hob der Schweizer Diakon Urs Buser in seiner Predigt auf einer kleinen Anhöhe unter Bäumen hervor. Beten sei ein „Atemholen für die Seele“, so der Geistliche. Und Gott stehe jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung. „Gott gab uns die Zeit – von Eile hat er nichts gesagt“, so die Einladung Busers an die Soldaten.

Zu der Eucharistiefeier blinzelte im regenvertrauten Lourdes die Sonne durch. Mit den Wallfahrern feierten ihre jeweiligen Geistlichen, die österreichischen Pilger und Soldaten mit unter anderen Militärgeneralvikar Monsignore Franz Fahrner, Bischofsvikar Freistetter und Militärpfarrer Longin. Auch die Fahnentrupps von Österreich, Deutschland und der Schweiz waren zugegen; musikalisch gestaltete unter anderem die heimische Militärmusik den Gottesdienst.

Danach konnten sich die Wallfahrer an Platzkonzerten der verschiedenen Heeresmusiken in der Stadt erfreuen, auch die heimische Militärmusik spielte erneut auf. Erstmals wurde im Rahmen dieses Programmteils der Soldatenwallfahrt auch ein kirchliches Konzert geboten: Der Wiener Kirchenmusiker Thomas Dolezal spielte an der neuen Orgel in der Pfarrkirche.

Neben einer Gedenkfeier für die Toten am Ehrenmal auf dem Place Peyramale fand am Samstag auch eine Krankensegnung in der Basilika Pius X. statt. Ihr stand der italienische Militärerzbischof Vincenzo Pelvi vor. Walter Schaufler, Amtsdirektor der Militärseelsorge Österreichs, weiß aus Erfahrung, dass diese Krankensegnung zum Berührendsten gehört, was der Pilger in Lourdes erleben kann. Mit Blick auf die Geschichte der heiligen Bernadette verweist er darauf, dass Lourdes auch vom Leid der Menschen und ihrem Hoffen, Beten und Bitten geprägt sei. Von je her seien kranke Menschen nach Lourdes gekommen, um Heilung zu finden. „Diese Hoffnung und Zuversicht kann man hier im Zuge der Krankensegnung erleben“, so Schaufler.

Die Wallfahrt ging am Sonntag mit einer internationalen heiligen Messe in der Basilika Pius X. sowie einer Abschiedsfeier am Nachmittag zu Ende. Die für die Daheimgebliebenen besorgten Devotionalien konnte man in einer Schlussandacht in der Basilika segnen lassen. Viele Soldaten sprechen von einem außergewöhnlichen Erlebnis: In den gemeinsamen Gebeten, Gesängen und Feiern der Pilger und Soldaten aus den verschiedenen Ländern war ein Gefühl des grenzübergreifenden, friedlichen Miteinanders entstanden.