„Signal in die völlig falsche Richtung“

Abtreibung: Küng kritisiert Vorstoß des Gesundheitsministers

St. Pölten/Linz (DT/KAP) Der Vorstoß von Gesundheitsminister Alois Stöger, Abtreibungen auch in öffentlichen Spitälern Westösterreichs zu ermöglichen, ist für Bischof Klaus Küng ein „Signal in die völlig falsche Richtung“. Der in der Bischofskonferenz für Ehe und Familie zuständige St. Pöltner Bischof sagte in einer Stellungnahme am Donnerstag wörtlich: „Abtreibungen sind eine Wunde der Gesellschaft und werden von niemandem gewünscht. Das Problem ist ja weniger, dass es in Österreich an manchen Orten keine Möglichkeit gibt, Abtreibungen vorzunehmen, sondern dass Frauen vielmehr ermutigt werden sollten, zum Kind Ja zu sagen.“

Ärzte dürfen nicht zum Töten gezwungen werden

Statt sich darüber Gedanken zu machen, wie flächendeckende Hilfe ermöglicht wird, versuche Minister Stöger über den Weg der Finanzierung Druck auf die Länder wie auch die Kliniken auszuüben, Abtreibungen überall anzubieten.

Ärzte dürften niemals gezwungen werden können, gegen das Gewissen Abtreibungen anzubieten, betonte Bischof Küng, der selbst ausgebildeter Arzt ist; ähnliches gelte für Spitäler als ganze. Hingegen wäre eine – bisher in Österreich fehlende und vom Gesundheitsminister abgelehnte – Abtreibungsstatistik beziehungsweise Motiverhebung, die „praktisch in allen europäischen Ländern üblich“ sei, ein „erster Schritt in Richtung eines zeitgemäßen Umgangs mit diesem heiklen Thema“. Die Anonymität der betroffenen Frauen könne – so Küng – dabei gewahrt bleiben.

„Abtreibung ist kein öffentlicher Auftrag“: Mit dieser Klarstellung reagierte die Aktion Leben Oberösterreich auf den Vorstoß von Minister Stöger. Deren Vorsitzende Doris Schulz wies die Forderung zurück, die Bundesländer hätten Schwangerschaftsabbrüche zu ermöglichen; diese seien vielmehr „ein Zeichen für gesellschaftliches Versagen“.

Stöger solle sich um die Gesundheit der Menschen bemühen und im Blick auf die Abtreibung für eine Abbruchstatistik und Motiverhebung sorgen, forderte auch Schulz. Dies würde Vorkehrungen treffen helfen, „damit Frauen erst gar nicht in die Situation eines Schwangerschaftsabbruches kommen“. Derartige Erhebungen seien mit der Fristenlösungsgesetzgebung in Aussicht gestellt, jedoch noch immer nicht in Angriff genommen worden. Österreich sei damit eines von ganz wenigen Ländern in Europa, das über die Umstände, die Frauen zu einer Abtreibung drängen, „nicht Bescheid weiß“.

Lebensschützer verlangen mehr Gesprächskultur

Von einer „freien Entscheidung“ für oder gegen ein Kind könne jedenfalls keine Rede sein, erklärte Schulz. Die Aktion Leben sei immer wieder mit Problemen Betroffener konfrontiert: Konflikte mit Eltern oder Partnern, mangelnder Wohnraum, finanzielle Engpässe, fehlende Versicherung bei Migrantinnen oder Sexualaufklärungsdefizite bei Jugendlichen. Schulz: „Wir brauchen dringend eine neue Gesprächskultur zu Fragen von Mutterschaft, Vaterschaft sowie über konkrete Hilfen für schwangere Frauen, die nicht ideologisch aufgeladen sind.“ Die Aktion Leben Oberösterreich appellierte an Minister Stöger: „Wir müssen Werbung für das Leben machen!“