Serbisch-orthodoxer Patriarch eingeführt

Benedikt XVI. gratuliert Irinej: Brüderliche Beziehungen mit anderen Kirchen aufbauen

Belgrad/Wien (DT/KNA/KAP) Bischof Irinej von Nis ist am Wochenende in sein neues Amt als Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche eingeführt worden. Die Feier fand am Samstag in der Belgrader Kathedrale statt. Der vollständige Titel des neuen Patriarchen lautet: Erzbischof von Pec, Metropolit von Belgrad-Karlowitz und Serbischer Patriarch. Der 79-Jährige war am Freitag gewählt worden. Er ist Nachfolger des im November verstorbenen Patriarch Pavle I.

Zu den Teilnehmern bei den Feierlichkeiten gehörten neben orthodoxen kirchlicher Würdenträgern auch der Apostolische Nuntius Erzbischof Orlando Antonini und der katholische Erzbischof von Belgrad, Stanislav Hocevar. Die serbische Regierung war durch Premierminister Mirko Cvetkovi sowie einige Kabinettsmitglieder vertreten. In seiner ersten Predigt als Patriarch erklärte Irinej, er betrachte seine Wahl als Werk der Gnade und Liebe Gottes. Daher verpflichte ihn dieses Amt und verlange von ihm eine würdige Antwort. Am historischen Sitz der serbischen Kirche in Pec soll eine weitere Feierlichkeit für den neuen Patriarchen stattfinden. Ein Zeitpunkt ist noch nicht bekannt.

Zu den Aufgaben Irinejs gehört eine politische Richtungsentscheidung der serbisch-orthodoxen Kirche. Eine wichtige innerkirchliche Streitfrage ist die Zusammenarbeit mit der internationalen Staatengemeinschaft in der Kosovo-Frage. Weitere Punkte sind die Positionen der Kirche zur europäischen Integration Serbiens, zur Ökumene und zur Liturgiereform.

Papst Benedikt XVI. gratulierte Irinej zu seiner Wahl. Dabei bekannte er sich zu einer Fortsetzung des ökumenischen Dialogs und der Förderung „brüderlicher Beziehungen“ zu den serbischen Christen. Er wünschte dem neuen Oberhaupt „innere Stärke, um die Einheit und das geistliche Wachstum der serbisch-orthodoxen Kirche zu festigen, aber auch um brüderliche Beziehungen mit anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften aufzubauen“. Zugleich würdigte der Papst den im November im Alter von 95 Jahren verstorbenen Pavle für seine Offenheit gegenüber der katholischen Kirche. Pavle habe seinem Nachfolger ein reiches und tiefes spirituelles Erbe hinterlassen, so Benedikt XVI.

Der Präsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), der ungarische Kardinal Peter Erdö, unterstrich in einer ersten Reaktion, er schätze den neuen Patriarchen wegen seiner persönlichen Überzeugungen und seiner ökumenischen Einstellung. Auch die Deutsche Bischofskonferenz schickte ein Glückwunschschreiben. Darin verlieh der Konferenzvorsitzende, Erzbischof Robert Zollitsch, der Hoffnung Ausdruck, „dass wir weiterhin gemeinsam einen Weg des brüderlichen Miteinanders zwischen Ihrer und unserer Kirche finden werden“.

Unter dem neuen serbisch-orthodoxen Patriarchen wird die serbisch-orthodoxe Kirche zu einer „Brücke zwischen Ost und West“. Diese Hoffnung hat der Präsident der ökumenischen Stiftung „Pro Oriente“, Johann Marte, in einem persönlichen Glückwunschschreiben an den Patriarchen zum Ausdruck gebracht. Zugleich unterstreicht Marte die traditionell engen Beziehungen zwischen „Pro Oriente“ und der serbischen Orthodoxie, wie sie nicht zuletzt durch einen Besuch des neuen Patriarchen im November 1990 in Wien grundgelegt wurden. Die guten Beziehungen wurzeln außerdem in der persönlichen Verbundenheit zwischen Kardinal Franz König und dem verstorbenen Patriarchen Pavle. In besonderer Weise werde das im Jahr 2013 anstehende große Kaiser-Konstantin-Jubiläum die Brückenfunktion der serbisch-orthodoxen Kirche deutlich machen, so Marte. „Pro Oriente“ ist selbst mit der Vorbereitung eines wissenschaftlichen Projekts in Nis in dieses Jubiläum eingebunden.

Irinej wurde am 28. August 1930 mit dem bürgerlichen Namen Miroslav Gavrilovic in einem Dorf in Westserbien geboren. Er besuchte das Priesterseminar in Prizren (Kosovo-Metohija) und studierte an der Theologischen Fakultät in Belgrad. 1959 empfing er die Mönchs- und Priesterweihe. Anschließend studierte er in Athen und wurde 1969 Direktor der Mönchsschule im Kloster Ostrog in Montenegro. Von dort wurde er zum Rektor des Priesterseminars in Prizren berufen. 1974 wurde Irinej Vikarbischof von Moravica in Serbien. 1975 wurde er zum Diözesanbischof von Nis gewählt. Die Stadt Nis liegt in Südostserbien. Kaiser Konstantin der Große, der das Christentum als Religion im römischen Reich zuließ, wurde dort geboren.