Schulterschluss in der Kosovofrage

Moskauer Patriarch Kyrill I. unterstützt die serbisch-orthodoxe Kirche

Moskau (DT/KNA) Die russisch-orthodoxe Kirche hat sich im Streit zwischen der serbisch-orthodoxen Kirche und deren montenegrinischer Abspaltung hinter das Belgrader Patriarchat gestellt. „Wir unterstützen die serbische Kirche in ihrem Bestreben, die Einheit, die Integrität zu bewahren, um mit einer noch größeren Stärke und Überzeugungskraft vor dem serbischen Volk und der ganzen Welt Zeugnis ablegen zu können“, sagte der neue Moskauer Patriarch Kyrill I. bei einem Treffen mit dem montenegrinischen Metropoliten Amfilohije, der als Stellvertreter des erkrankten serbischen Patriarchen Pavle Patriarchatsverweser ist, am 2. Februar in Moskau. Auch in der Kosovofrage stellte sich Kyrill I. hinter die Haltung Serbiens. Diese gründe auf der territorialen Ganzheit des Landes und auf internationalen Abkommen. Amfilohije hatte an den Feierlichkeiten zur Inthronisierung des neuen Oberhaupts der russisch-orthodoxen Kirche in Moskau teilgenommen.

Wie der Metropolit im Gespräch mit Kyrill I. sagte, „können und dürfen keine politischen Leidenschaften in das Dasein der Kirche verwickelt werden“. Politische Gruppierungen in Montenegro unterstützten die kirchliche Spaltung, die nach ihrer Ansicht den Interessen des jungen Staates förderlich wäre. Die frühere serbische Provinz Montenegro ist seit 2006 unabhängig. Eine von der Weltorthodoxie bisher nicht anerkannte montenegrinisch-orthodoxe Kirche hatte sich – ebenso wie bereits unter der Tito-Herrschaft die mazedonisch-orthodoxe Kirche – vom Belgrader Patriarchat losgesagt und ihre jurisdiktionelle Selbstständigkeit verkündet. Nach dem orthodoxen Kirchenrecht setzt die sogenannte Autokephalie, die vom Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel verliehen wird, jedoch das Einverständnis der früheren Mutterkirche voraus.

Die Kirche von Montenegro, deren Metropoliten vom 16. bis zum 19. Jahrhundert auch weltliche Fürsten waren, hatte 1855 vom Ökumenischen Patriarchat die Autokephalie verliehen bekommen. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Vereinigung Montenegros mit Serbien 1920 wurde sie aber in die serbisch-orthodoxe Kirche integriert. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hatte 1993 Serbien und Montenegro besucht und das Schisma eines Teils des montenegrinischen Klerus missbilligt.

Zum Kosovo sagte der russisch-orthodoxe Patriarch bei der Begegnung mit der Delegation aus Belgrad, die Stellung seiner Kirche sei auch auf der Achtung der Geschichte Serbiens begründet, die ihren geistigen Mittelpunkt im Kosovo habe. „Wir erklären unsere Solidarität mit den serbischen Brüdern und beten zu Gott für Frieden für die Menschen, die in die Auseinandersetzung verwickelt seien“, wird Kyrill von serbischen Medien zitiert. Das Kosovo hatte sich 2008 für unabhängig erklärt.