Schrille Töne in der Flüchtlingspolitik

Kritik an CSU-Politiker wegen rassistischer Bemerkung über afrikanischen Priester

München (DT/KNA) Das Münchner Erzbischöfliche Ordinariat hat „auf das Äußerste“ den Zeitungsabdruck einer unkommentiert dargestellten rassistischen Äußerung über einen afrikanischen Priester missbilligt. Die „Ebersberger Zeitung“ hatte am Freitag den Gemeinderat und stellvertretenden CSU-Ortsvorsitzenden Johann Haindl mit den Worten zitiert: „Der (Pfarrer von Zorneding) muss aufpassen, dass ihm der Brem (Altpfarrer von Zorneding) nicht mit dem nackerten Arsch ins Gesicht springt, unserem Neger.“ Sollte das Zitat korrekt sein, handele es sich um die Entgleisung eines politischen Mandatsträgers, die das Erzbistum „auf das Schärfste“ verurteile, heißt es in der Stellungnahme. Der angegriffene Pfarrer behalte sich rechtliche Schritte vor. Der 66-jährige Priester stammt aus dem Kongo und ist seit 2012 Pfarrer von Zorneding, einer Gemeinde wenige Kilometer östlich von München.

Haindl sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) auf Anfrage, das Zitat sei so nicht korrekt wiedergegeben. Er habe eine „flapsige Bemerkung“ gemacht, die ihm leid tue, aber die genaue Wortwahl wisse er auch nicht mehr. Jedenfalls sei es nicht so gemeint gewesen, wie es in der Zeitung stehe. Nun wolle er das Gespräch mit dem Pfarrer suchen.

Der Priester wurde 1979 geweiht und ist ein in Deutschland habilitierter Philosoph. Seit 2009 gehört er dem Münchner Diözesanklerus an und ist inzwischen auch deutscher Staatsbürger. Der Geistliche und seine Pfarrgemeinde liegen seit einiger Zeit mit der örtlichen CSU im Streit. Dabei geht es unter anderem um die Flüchtlingspolitik. In einem offenen Brief attestierte der Pfarrgemeinderat dem Vorstand der Zornedinger CSU eine „braune Gedankenwelt“. Weil sich die Pfarrei davon distanziere, solle die Partei aus dem Logo ihres Organs „ZornedingReport“ die Kirchtürme entfernen. Die Ortsvorsitzende hatte in dem Parteiblatt zuvor unter anderem geschrieben, Bayern werde von Flüchtlingen „überrannt“ und erlebe „eine Invasion“. Der CSU-Geschäftsführer und die Vorsitzende des örtlichen Flüchtlings-Helferkreises traten daraufhin aus der Partei aus. Der Pfarrer erklärte öffentlich sein Bedauern über die Wortwahl der Lokalpolitikerin.

Seinerseits publizierte der Geistliche eine „Hymne“ an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Darin lobte er die Regierungschefin für ihre „gerechte, humane und gütige“ Machtausübung. Die Kanzlerin wisse, „dass keine Grenzen zum Helfen gezogen werden dürfen, sondern dass diese sich selbst zeigen“ und „dass den deutschen Flüchtlingen keine Grenzen auf der ganzen Erde damals gesetzt wurden, als sie auf der ganzen Erde zerstreut wurden“. Merkel sei „eine würdige Pfarrerstochter, ein guter Mensch und eine gute Politikerin, wie es sie in der ganzen Welt geben sollte“.