„Saubere Aufarbeitung“

Missbrauchsvorwürfe: Bistum Würzburg weist Medienbericht zurück

Würzburg (DT/KNA) Das Bistum Würzburg hat eine „Spiegel“-Veröffentlichung zurückgewiesen, wonach die Diözese einen des sexuellen Missbrauchs beschuldigten Geistlichen geschützt hat. „Der Diözese Würzburg ging es von Anfang an um eine saubere und minutiöse Aufarbeitung“, sagte ein Bistumssprecher am Wochenende der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Am Sonntag veröffentlichte das Bistum auf seiner Internetseite eine ausführliche Stellungnahme. Darin wird bestätigt, dass es nach dem Missbrauchsvorwurf gegen einen hochrangigen Würzburger Geistlichen innerkirchliche Ermittlungen gab. Sie seien auf Anweisung der vatikanischen Glaubenskongregation im Dezember 2015 eingestellt worden. Zuvor war eine kirchenrechtliche Voruntersuchung beim Offizial der Erzdiözese München und Freising, Lorenz Wolf, zum Ergebnis gekommen, dass der Vorwurf gegen den Beschuldigten aus Mangel an Beweisen „begründet nicht aufrechterhalten werden kann“.

Die Diözese reagierte mit ihrer Stellungnahme auf einen Bericht des Magazins „Der Spiegel“, das nach eigener Darstellung Akten des kirchlichen Ermittlungsverfahrens im Umfang von 1 300 Seiten ausgewertet hat. Der Bericht hält der Kirche vor, den Beschuldigten geschützt, ihm Verfahrensvorteile verschafft und nicht sauber ermittelt zu haben. Die Diözese weist diese Vorwürfe zurück. Der Beschuldigte, der früher selbst Ansprechpartner des Bistums für Missbrauchsfälle war, bestreitet den Tatvorwurf bis heute. Bischof Friedhelm Hofmann vertraue darauf, dass dieser ihm die Wahrheit gesagt habe, „ohne dass dies Einfluss auf das Verfahren gehabt hätte“, heißt es in der Stellungnahme der Diözese.

Der aktuelle Missbrauchsbeauftragte des Bistums, der Kriminologe und Strafrechtsprofessor Klaus Laubenthal, sieht laut Medienbericht dagegen weiterhin eine „hohe Wahrscheinlichkeit“ dafür, dass der Beschuldigte die heute 44-jährige Frau missbraucht habe. Der Priester soll der Veröffentlichung zufolge 1988 die damals 17-jährige Tochter eines angehenden Diakons in einem kirchlichen Exerzitienhaus zum Oralverkehr gezwungen haben. Ihre Eltern meldeten dies nach Darstellung des Bistums erstmals im Herbst 2012 dem Würzburger Bischof. Der Missbrauchsbeauftragte sei eingeschaltet worden. Laubenthal habe am 10. März 2014 das Ergebnis einer Plausibilitätsprüfung vorgelegt und eine kirchenrechtliche Voruntersuchung empfohlen. Zuvor habe der damalige Generalvikar Karl Hillenbrand, der im November 2014 starb, nach der Beratung mit Laubenthal entschieden, den offenkundig verjährten Fall nicht an die Justiz weiterzugeben. Nach Angaben des Magazins war die Frau grundsätzlich zu einer Aussage bereit; im kirchlichen Ermittlungsverfahren sei sie aber nicht gehört worden. Wolf sagte dazu der KNA, die Beschuldigerin habe sich einer persönlichen Aussage unter Hinweis auf ihren Gesundheitszustand „immer verweigert“. Allerdings seien ihre Schilderungen schriftlich in die Untersuchung eingeflossen und dazu ein forensisches Gutachten erstellt worden.

Nach Angaben des Bistums gab es „gravierende Widersprüche“ zum angeblichen Tathergang zwischen der schriftlichen Beschreibung der Frau und den durch Dritten vermittelten Angaben. Nach Abschluss der Voruntersuchung seien alle Unterlagen, zusammen 2 121 durchnummerierte Seiten, der Rechtsanwältin der Beschuldigerin übermittelt und ein Gespräch mit Generalvikar Thomas Keßler angeboten worden. Dieses Angebot sei abgelehnt worden, bestehe aber weiter.