San Salvador feiert Seligen

Ermordeter Erzbischof Oscar Romero zur Ehre der Altäre erhoben

Priester tragen den Reliquienschrein mit dem blutbefleckten Hemd des neuen Seligen. Foto: dpa
Priester tragen den Reliquienschrein mit dem blutbefleckten Hemd des neuen Seligen. Foto: dpa

San Salvador (KNA) Vor gut 300 000 Menschen ist der 1980 ermordete Erzbischof Oscar Romero in seiner Bischofsstadt San Salvador am Wochenende seliggesprochen worden. Papst Franziskus würdigte ihn in seiner Grußbotschaft als einen der „besten Söhne der Kirche“. Romero habe als Märtyrer den Glauben und die christliche Barmherzigkeit mit seinem Leben bis zum Extrem bezeugt. „In schwierigen Zeiten des Zusammenlebens hat es Monsignore Romero vermocht, seine Herde zu führen, zu verteidigen und zu schützen, treu im Glauben und in Gemeinschaft mit der Kirche“, so Franziskus.

Nach der Seligsprechungszeremonie unter Leitung des Präfekten der Römischen Heiligsprechungskongregation, Kardinal Angelo Amato, am Samstag wurde ein überlebensgroßes Porträt Romeros enthüllt. Acht Geistliche trugen in einem Glasschrein das blutverschmierte Hemd des vor 25 Jahren ermordeten Erzbischofs über den Platz, das viele Menschen mit der Hand zu berühren versuchten. Trotz heftiger Regenfälle hatten bereits am Freitagabend in der Hauptstadt des mittelamerikanischen Landes tausende Menschen an einer Lichterprozession für Romero teilgenommen. Teilnehmer wie der Hauptgeschäftsführer der Lateinamerika-Hilfswerks Bernd Klaschka sprachen von einer freundlichen und fröhlichen Atmosphäre bei den Feierlichkeiten in San Salvador. „Romeros Beispiel wird dafür sorgen, dass sich die Kirche noch intensiver für die Armen, für Gerechtigkeit und gegen Gewalt einsetzen wird“, sagte Klaschka in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Romeros ehemaliger Sekretär, Jaime Garcia, fordert politische Konsequenzen aus der Seligsprechung des 1980 Ermordeten. Man dürfe Romero nicht zu einem „Heiligen light“ machen, sagte Garcia dem Onlineportal „Amerika 21“ (Samstag). Es gehe nicht darum, „den Flughafen oder einige Straßen nach Monsenor Romero zu benennen“. Vielmehr müsse der Staat El Salvador den Mord juristisch aufarbeiten und die Täter zur Rechenschaft ziehen.

Oscar Romero Galdamez, ab 1977 Erzbischof von San Salvador, war am 24. März 1980 während eines Gottesdienstes in einer Krankenhauskapelle von Unbekannten erschossen worden. Durch seinen Einsatz für die Rechte der Armen hatte er den Hass reaktionärer Kreise auf sich gezogen. Als Auftraggeber des Mordes stehen Militärs im Verdacht; die Hintergründe der Tat wurden nie ganz aufgeklärt. Im anschließenden Bürgerkrieg zwischen Sicherheitskräften, rechten Todesschwadronen und linksgerichteten Guerillagruppen kamen bis 1992 mindestens 75 000 Menschen ums Leben.

Anfang Februar hatte Papst Franziskus Romero als Märtyrer anerkannt und damit den Weg für eine Seligsprechung freigemacht. Das Verfahren war 1990 in San Salvador eröffnet und später im Vatikan fortgesetzt worden. Es wurde zeitweise blockiert, denn es galt unter anderem theologisch zu klären, ob Romero aufgrund seiner Glaubensüberzeugungen oder wegen seiner politischen Parteinahme gegen die damalige Regierung getötet wurde. Papst Benedikt XVI. gab den Prozess im Dezember 2012 wieder frei. Durch Papst Franziskus erhielt er kurz nach dessen Wahl im März 2013 einen neuen Anschub. Prominente Politiker aus Lateinamerika würdigten Romero. So suchte Ecuadors Präsident Rafael Correa noch sichtlich bewegt am Nachmittag nach der Seligsprechung das Grab Romeros in der Krypta der Kathedrale von San Salvador auf. Am Rande der Zeremonie sorgte eine umgestürzte Großbildleinwand für eine Handvoll Verletzte.