„Sagt jeden Tag einmal: Gott, ich liebe dich!“

Niederländischer Jugendbischof de Jong gibt beim Fest des Glaubens eine Anleitung zum Glücklichsein. Von Sebastian Pilz

Künzell-Dietershausen (DT) Unter dem Motto „Have a break“ haben sich kürzlich gut 270 Jugendliche aus dem Bistum Fulda zum diesjährigen Fest des Glaubens im Schönstattzentrum auf der Marienhöhe versammelt. Die Katechese zur geistgefüllten Pause (engl.: break) hielt Weihbischof Everard de Jong aus dem niederländischen Bistum Roermond. Der Jugendbischof der Niederlande stellte die Frage nach dem Glücklichsein in den Mittelpunkt.

Zunächst versuchte de Jong mit griechischen Philosophen zu antworten: Nach Platon gebe es in diesem Leben kein Glück, für Aristoteles sei Gott – das Sein selbst – zu sehen wahres Glück. Die Stoiker könnten nur ohne Emotionen Glück erfahren und bei den Skeptikern sei die Zukunft nicht sicher. Auch die in der Neuzeit von Abraham Maslow aufgestellte Bedürfnispyramide habe zwar die Transzendenz als oberste Stufe, erkläre aber die niederen Stufen als eine notwendige Voraussetzung. Alle diese Erklärungsmodelle hätten viel Wahrheit in sich, erfüllten den Menschen aber letztlich nicht vollständig, so Weihbischof de Jong.

„Die beste Therapie zum Glücklichwerden ist, sich jeden Tag fünf Minuten lang ganz bewusst von Gott lieben zu lassen. Have a break bedeutet: Entspann dich, setz dich in die Sonne und mach dir klar: Dich liebt Gott von Anfang an, so steht es schon im Johannesevangelium. Das ist eine wirkliche Therapie von Jesus her und gibt dem Leben Sinn“, machte de Jong eindrucksvoll deutlich, indem er sich in einen Liegestuhl auf die Bühne legte. In keinem wissenschaftlichen Buch über Krankheiten habe er diese Therapie der Liebe bisher finden können. „Dabei ist es so einfach: Die Liebe überwindet die Welt und das ist von Jesus alles schon gezeigt worden“, so de Jong.

Als zweite Herausforderung gelte es, diese Liebe Gottes auch nach draußen weiter zu geben. „Das bedeutet immer wieder neu anfangen, Gott und den Nächsten zu lieben. Vergebt einander und versöhnt euch, dann werdet ihr strahlen wie die Sonne“, so der Weihbischof. Schwierig sei die Feindesliebe, die Jesus in der Bergpredigt aufgetragen hat. Für eine Antwort lies sich Weihbischof de Jong einen Handspiegel geben: „Wir müssen letztlich unsere Feinde nicht aus uns heraus lieben, sondern wir sollen den Spiegel auf 45 Grad stellen. Wir sollen Reflektor der Liebe Gottes sein.“

Nach der Katechese tauschten sich die Jugendlichen untereinander in kleinen Gruppen über die Anregungen von Bischof de Jong aus. Am Nachmittag gab es in verschiedenen Gesprächsrunden und kreativen Angeboten Gelegenheit, sich weiter miteinander auszutauschen. Höhepunkt des Tages war die Heilige Messe mit Weihbischof de Jong in der gefüllten Gott-Vater-Kirche am Gedächtnis der Schmerzen Mariens. „Der Gedenktag zeigt uns, dass die Liebe auch die Kraft des Durchhaltens in sich trägt, oder wie Mutter Teresa es sagte: Lieben, bis es weh tut“, so de Jong. Die Ereignisse auf Golgatha zeigten, dass die Liebe Mariens das Kreuzesleiden Ihres Sohnes durchgehalten hat. „So dürfen auch wir in Problemen zu Maria kommen, die uns Kraft zum Durchzuhalten gibt. Gehen wir zu ihr, wenn wir zu wenig Liebe spüren in uns selbst und in unserer Umwelt. Maria steht da, mit offenen Händen. Stellen wir uns vor sie und bitten wir, wie die Diener bei der Hochzeit zu Kanaan: Maria, hier bin ich, meine Liebe geht aus. Hilf mir“, ermutigte de Jong die Jugendlichen. In diesem Vertrauen beginne man, Gott wirklich zu lieben und nicht nur anzuklagen: „Sagt jeden Tag einmal: Gott, ich liebe dich und ihr werdet merken, dass ihr damit nicht mehr aufhören könnt. Jeder kann es sagen, denn für Gottes Liebe gibt es niemals ein break.“

Weihbischof de Jong fuhr sichtlich bewegt und gestärkt wieder in die niederländische Heimat. Im Gespräch mit dieser Zeitung sagte er: „Es ist großartig, so viele Jugendliche aus Verbänden und Pfarreien zu sehen, die in großer Freude mitbeten und singen. Das ist für mich selten, da in meinem Bistum in Holland nur wenige Pfarreien überhaupt eine Jugendgruppe haben. Besonders bewegt hat mich das Zeugnis eines Jugendlichen bei der Gesprächsrunde am Nachmittag. Er hatte im vergangenen Jahr beim Fest seinen Glauben neu wieder gefunden und lebt ihn seitdem in großer Freude“, so Weihbischof de Jong zur Tagespost.

Den Abschluss des Tages bildete ein Konzert der Band „Atmosfreres“ sowie ein Abendgebet mit Lichterprozession und Anbetung vor dem Kapellchen. Das Fest des Glaubens findet seit 16 Jahren jährlich im September statt und wird von Ehrenamtlichen der Katholischen Jugend im Bistum Fulda (KJF), der Schönstatt-Mannesjugend sowie der Schönstatt-Bewegung Mädchen und junge Frauen, der Jugend der Hünfelder Oblaten sowie der Malteser organisiert.