Rücktritt nach Kritik an Papst Franziskus

Der amerikanische Kapuziner Thomas Weinandy hat sein Amt als Berater der Glaubenskommission der US-Bischofskonferenz niedergelegt. Von Katrin Krips-Schmidt

Berlin/Washington (DT) Nach einem kritischen Brief an Papst Franziskus ist der Theologe und Kapuzinerpater Thomas Weinandy am Mittwoch von seinem Amt als Berater der Glaubenskommission der US-Bischofskonferenz „mit sofortiger Wirkung“ zurückgetreten. Nach der Veröffentlichung des vom 31. Juli datierten Schreibens legten die amerikanischen Bischöfe Weinandy den Rücktritt nahe. Der Ordensmann ist darüber hinaus Mitglied der Internationalen Theologenkommission des Vatikans.

Pater Weinandys Brief ist von großem Respekt, wie er betont, für das Amt des Pontifex getragen. Alle Katholiken, der Klerus wie auch die Laien, „sollten auf den Papst mit kindlicher Treue und in der Wahrheit verankertem Gehorsam schauen“. Dennoch hält er Franziskus vor, „chronische Verwirrung“ zu stiften, die sein Pontifikat prägten. Die Mehrdeutigkeit seiner Worte und Handlungen förderten unter den Gläubigen „ein wachsendes Unbehagen“. Als Beispiel für die Hauptursache dieser Bedenken nennt Weinandy die Art und Weise, wie Franziskus die Lehre der Kirche vermittle. So wirkten seine Richtlinien in „Amoris laetitia“ „zuweilen absichtlich mehrdeutig, was sowohl zu einer traditionellen Interpretation der katholischen Lehre über Ehe und Scheidung auffordert als auch zu einer Auslegung, die stillschweigend eine Veränderung in dieser Lehre andeuten könnte.“ Schließlich sollten Hirten Personen in irregulären Situationen begleiten und ermutigen, „doch besteht weiterhin Mehrdeutigkeit darüber, was ,Begleitung‘ tatsächlich bedeutet“. Denn, so Weinandy weiter, wer mit einem derart „offenbar beabsichtigten Mangel an Klarheit zu lehren“, riskiere zwangsläufig, „gegen den Heiligen Geist, den Geist der Wahrheit, zu sündigen“. Der Heilige Geist sei der Kirche, und ganz besonders dem Papst, gegeben, „um den Irrtum zu beseitigen, und nicht um ihn zu fördern“.

Dennoch scheine der Papst diejenigen, die Kapitel 8 von „Amoris laetitia“ im Einklang mit der kirchlichen Überlieferung interpretieren, „zu zensieren und sogar als pharisäische Steinewerfer zu verhöhnen, die einen gnadenlosen Rigorismus verkörpern“. Doch eine solche „Art der Verleumdung“ sei dem „Wesen des Petrusamtes fremd“. Auch einige Berater des Papstes werden von der Kritik nicht ausgenommen. Bedauerlicherweise schienen auch sie sich an ähnlichen Aktionen zu beteiligen. „Ein derartiges Verhalten“, so Weinandy weiter, vermittele „den Eindruck, dass Ihre Ansichten einer theologischen Überprüfung nicht standhielten und daher durch ad hominem-Argumente am Leben erhalten werden müssten“.

Weinandy fällt weiter auf, dass Franziskus offenbar die Bedeutung der kirchlichen Lehre herabwürdige. „Immer und immer wieder“, so wirft er dem Papst vor, „stellen Sie die Doktrin als tot und weltfremd dar und als weit entfernt von den pastoralen Anliegen des Alltagslebens.“ Papstkritiker seien von ihm beschuldigt worden, die Lehre zu einer Ideologie zu machen. Doch, so verteidigt Weinandy „eben diese christliche Lehre“, einschließlich der feinen Unterscheidungen im Bezug auf die zentralen Glaubensüberzeugungen, wie etwa das Wesen der Kirche, die Inkarnation, die Erlösung und die Sakramente, „die die Menschen von weltlichen Ideologien befreit und sicherstellt, dass sie [die Papstkritiker] tatsächlich das authentische, lebensspendende Evangelium predigen“.

Weiterhin wendet sich Weinandy in seinem Schreiben gegen die päpstliche Auswahl einiger Bischöfe, über die „gläubige Katholiken nur beunruhigt sein können – Männer, die anscheinend nicht nur offen denjenigen gegenüber eingestellt sind, die Meinungen vertreten, die der christlichen Überzeugung widersprechen, sondern die sie auch unterstützen und sogar verteidigen“. Dies schwäche den Eifer so vieler Frauen und Männer, die sich oft auf die Gefahr ihres eigenen Rufs und Wohlbefindens für die authentische katholische Lehre über einen langen Zeitraum hin eingesetzt haben. Als Folge davon „verlieren viele Gläubige, die den sensus fidelium verkörpern, Vertrauen in ihren obersten Hirten“.

Weinandy erinnert Franziskus an die Kirche als mystischen Leib Christi und an dessen Beauftragung durch den Herrn selbst, ihre Einheit zu fördern und zu stärken. Stattdessen scheinen seine Handlungen und Worte „zu oft darauf abzuzielen, das Gegenteil zu tun“. Zu einer Form von „Synodalität“ zu ermutigen, „die innerhalb der Kirche verschiedene lehramtliche und moralische Optionen zulässt, kann nur zu weiterer theologischer und pastoraler Verwirrung führen“.

Weinandys letzter Kritikpunkt befasst sich mit der vom Papst so häufig thematisierten Notwendigkeit nach Transparenz innerhalb der Kirche. Laut Franziskus solle jeder, insbesondere auch die Bischöfe, ihre Meinung offen aussprechen und keine Furcht davor haben, was der Papst darüber denken möge. Pater Weinandy fragt: „Haben Sie bemerkt, dass die Mehrheit der Bischöfe weltweit erstaunlich leise ist? Warum wohl?“ Viele Bischöfe hätten durch das aktuelle Pontifikat nicht gelernt, „dass Sie für Kritik offenstehen, sondern dass Sie sie übelnehmen. Viele Bischöfe schweigen, weil sie gerne loyal Ihnen gegenüber sein möchten und daher ihre Sorgen in Bezug auf Ihr Pontifikat nicht äußern – zumindest nicht öffentlich.“ Viele fürchteten, ausgegrenzt zu werden oder noch Schlimmeres.

Wie es zu dem Brief kam, schildert der Kapuzinerpater in einer Anmerkung, die auf verschiedenen katholischen Webseiten, beispielsweise auf thecatholicthing.org veröffentlicht wurde: Nachdem Weinandy vor dem Allerheiligsten und bei einem Besuch in Rom im Mai auch vor dem Grab des heiligen Petrus und all der heiligen Päpste, die im Petersdom beigesetzt sind, gebetet hatte, bat er Gott nach schweren inneren Kämpfen um ein „deutliches Zeichen“, das er schließlich auch erhielt. „Es bestand kein Zweifel mehr in meiner Seele, dass Jesus von mir wollte, dass ich etwas schriebe“, fügte Pater Weinandy hinzu. Er betrachtete es von nun an als einen apostolischen Auftrag.

So beschloss er, sich an Papst Franziskus direkt zu wenden, hatte aber stets vor, den Brief auch öffentlich zu machen, „da ich spürte, dass viele meiner Besorgnisse die gleichen Besorgnisse waren, die auch andere, besonders die Laien, hatten, und daher wollte ich auch ihren Sorgen öffentlich eine Stimme geben.“