Reizthemen nicht ausklammern

Bode verteidigt Dialogprozess: Sehnsüchte der Menschen ernst nehmen

Münster (DT/KNA) Der Dialogprozesses der katholischen Kirche darf nach Ansicht des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode Reizthemen nicht ausklammern. Man müsse akzeptieren, dass die Menschen von diesen Themen bewegt seien, sagte er im Interview der Münsteraner Kirchenzeitung „Kirche und Leben“ (Sonntag). „Dahinter stehen ja häufig auch Sehnsüchte nach einer Kirche, die in differenzierte und belastende Lebenssituationen anders hineinspricht und anders handelt, als sie es bisher tut.“ Bode verteidigte die Unterteilung des bis 2015 geplanten Prozesses in die Jahresthemen Gottesdienst (Liturgia), Zeugnis (Martyria) und Zuwendung zu den Menschen (Diakonia).

Hinter „Diakonia“ stünden „alle Fragen nach den Lebenssituationen der Menschen, nach Fragen der wiederverheirateten Geschiedenen, Fragen der konfessionsverschiedenen Ehen bis zu Themen der Sexualität und der Lebensformen“, so der Bischof. Bode ist Mitglied der dreiköpfigen Steuerungsgruppe innerhalb der Bischofskonferenz, die den Diskussionsprozess über die Rolle der Kirche in der pluralen Gesellschaft vorantreiben soll. Weitere Mitglieder sind der Münchner Kardinal Reinhard Marx und der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck.

Zur personellen Struktur erläuterte Bode, es würden Delegierte aus allen Diözesanräten für die Teilnahme ausgewählt. Hinzu kämen Professoren, Vertreter der Caritas, der Orden und anderer Gruppen der Kirche. Aus jedem Bistum solle ein Bischof teilnehmen. Das werde aber nicht in jedem Fall der Diözesanbischof sein, weil „es sonst auch ein zu starkes Gewicht der Kleriker gäbe“, so Bode. Insgesamt kämen etwa 300 Teilnehmer in Mannheim zusammen. Nach dem Plan der Bischöfe soll es bis zum Jahr 2015 eine Reihe kirchlicher Kongresse, Großveranstaltungen und Dialogmöglichkeiten geben, die sich mit Glauben und Kirche in der modernen Gesellschaft befassen. Eine Auftaktveranstaltung ist für den 8. und 9. Juli in Mannheim vorgesehen. Er selbst erhoffe sich von dem Treffen ein „größeres Mit- und Zueinander“ aller Christen, sagte Bode, der auch Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz ist. Laien und Kleriker seien aufeinander angewiesen. „Es ist wirklich kurz vor Zwölf“, so Bode. Jetzt gebe es noch eine Menge bereitwilliger Menschen, die sich engagieren wollten, sowie Hauptamtliche, die sie dafür befähigen könnten. „Das werden wir in Zukunft nicht mehr so haben. Insofern ist das ein eminent wichtiger Zeitpunkt.“