Reformationsjubiläum: Hoffnung für Ökumene

Regensburg (DT/KNA) Der bevorstehende 500. Jahrestag der Reformation könnte nach Ansicht des Mainzer Kardinals Karl Lehmann die Kirchen „ökumenisch sehr viel weiterführen“. Die Katholiken könnten 2017 erstmals bei einem Reformationsjubiläum „eine wichtige Rolle mitübernehmen, auch wenn wir nicht Veranstalter sind“, sagte Lehmann am Donnerstag beim Katholikentag in Regensburg. Sie seien bereits an vielen Gesprächen beteiligt. Dabei gehe es auch um die Einschätzung Martin Luthers und der anderen Reformatoren. Der langjährige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (1987 bis 2008) sprach sich dafür aus, den „Reichtum an Einsichten“ der ökumenischen Dialoge der vergangenen Jahrzehnte stärker zu beachten. „Wenn bestimmte Einsichten in anderen Kontexten und Regionen bestätigt und wiederholt werden können, dann ist dies kein Leerlauf oder Stillstand, sondern es ist eine wichtige Form der Vergewisserung und der intensiveren Konsensfindung“, betonte der Kardinal. Als Gebot der Stunde sieht Lehmann die „ernsthafte Fortsetzung des Austausches der Gaben“, also der jeweiligen Besonderheiten der Kirchen. Gerade wenn man das eigene Profil stärker betone, gehe es darum, „ob wir uns freuen können an der Stärke des anderen“. Solange es keine wirkliche Einheit gebe, lasse sich aber auch „irgendeine Form von Konkurrenz zwischen den Kirchen nicht völlig vermeiden“, räumte der Kardinal ein. Es könne durchaus unter den Konfessionen „eine Art friedlichen Wettbewerbs geben, wenn dies dem Wachsen des Christlichen und Humanen in unserer Gesellschaft dient“. Die Profilierung dürfe aber nicht zum „neuerlichen Verlust der Gemeinsamkeit“ führen. Lehmann war als Referent zum Thema „50 Jahre Ökumenismusdekret“ des Zweiten Vatikanischen Konzils für den ursprünglich eingeladenen „Ökumeneminister“ des Vatikan, Kardinal Kurt Koch, eingesprungen. Koch hatte seine Teilnahme abgesagt, weil er die katholische Kirche bei der Inthronisation des neuen syrisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochia, Mar Ignatius Afrem II. Karim, in Syrien vertrat.