Quo vadis Weltjugendtag?

Wie ein roter Faden die jüngsten Weltjugendtage verbindet. Von Simon Löschke

Impressionen vom Weltjugendtag. Foto: Fotos: KNA
Impressionen vom Weltjugendtag. Foto: Fotos: KNA

Zugegeben: der folgende Versuch lässt sich schwer wissenschaftlich beweisen. Dennoch soll es nicht unversucht bleiben, einen roten Faden innerhalb der verschiedenen Weltjugendtage zu finden. Der Weltjugendtag ist mehr als nur ein Event, bei dem sich irgendwelche Jugendliche aus allen Enden der Erde treffen, um den Glauben zu feiern. Dieses Treffen geht einen Weg, der sich, zumindest in der jüngsten Vergangenheit, nachzeichnen lässt.

Blicken wir zurück auf das Jahr 2005. Hier fand dieser außergewöhnliche Event in Köln statt. Es war der erste Weltjugendtag des frisch gewählten Benedikt XVI. Und es war die Initialzündung der Initiative „Nightfever“, einem Abend in einer Kirche, zentral gelegen. Mit eucharistischer Anbetung, Lobpreis, dem Angebot zur Beichte und zum Gebet. Diese Initiative hat es mittlerweile fast um den ganzen Globus geschafft. Anders ausgedrückt: die Jugend hat anbeten gelernt. Dies braucht Zeit. Man wächst im Gebet, reift heran.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich die Jugend nach Vertiefung und Lehre sehnt: 2011 in Madrid lässt sie sich eifrig belehren: der Youcat erscheint. Erstmals in der Kirchengeschichte gibt es einen Katechismus für Jugendliche – beinahe weltweit, neue Sprachen kommen hinzu. Nach einer Zeit des Hörens auf Gott (Nightfever) und die Kirche (Youcat) folgt nun 2016, und die Youcat-Foundation fragt: „What to do?“ – Der Docat erscheint. Jeder Nutzer, der sich die Applikation herunterlädt, soll dem Papst das Versprechen geben, die Welt zu verändern. Bis jetzt – Freitagabend – sind es bereits mehrere zehntausend.

Hier geschieht das, was man theologisch unter „Sammlung und Sendung“ auszudrücken versucht, nur stimmt das nicht ganz: Den Anfang machte eine Erfahrung. Zuerst mag das die Erfahrung der Gemeinschaft sein, so ein Event muss sich ja auch erst einmal selbst finden – und zugleich schon Botschaft an die Welt sein. Dies haben die Weltjugendtage von Johannes Paul II. auch wunderbar geschafft. Nicht wenige geistliche Berufungen haben ihre Wurzeln genau dort gefunden. Dann aber kam der neue Aufbruch, die neue Gotteserfahrung in der eucharistischen Anbetung. Erst dann begann die zentrale Zeit der Sammlung.

Nicht wenige „Youcat-Study-Groups“ (Jugendgruppen, die sich mit dem Jugendkatechismus beschäftigen) haben sich seit 2011 gegründet. Und nun der Docat. Wir dürfen gespannt sein, wie viele dieser „Versprechen“ von den Jugendlichen gemacht werden. Und wenn nur 20 Prozent dieser Versprechen auch wirklich gehalten werden, wird das die Welt sicherlich verändern.

Der Aufruf des Heiligen Vaters, revolutionär zu sein, kann und darf nicht weltlich verstanden werden: Es geht nicht um die Einführung eines politischen Systems, etwa des Sozialismus. Geistliche Revolution meint immer den Durchbruch des Heiligen Geistes und den Widerstand gegen den Zeitgeist.

In einer Zeit, die geprägt ist von Konsumismus auf allen Ebenen unseres Seins, kann das nur heißen, auch konsumkritisch zu sein. Aber eben auch mehr. Was wird geschehen, wenn dieser Weltjugendtag viele neue Pier Giorgio Frassattis „gebiert“? Auch solches kann und wird zur Umkehr der Herzen beitragen. Ohne Zweifel sind die Weltjugendtage ein Geschenk. Ein Geschenk für Kirche und Welt.