„Prophetische“ Sakramentensimulation?

Pfarrer-Initiative fordert Rücknahme der Exkommunikation von „Wir sind Kirche“-Chefin

Wien (sb) Die österreichische „Pfarrer-Initiative“ fordert die Rücknahme der Exkommunikation von Martha und Gert Heizer. Die Diözese Innsbruck hatte vor wenigen Tagen die „Selbst-Exkommunikation“ des Tiroler Ehepaars wegen des Tatbestands der Sakramentensimulation festgestellt, nachdem diese 2011 selbst bekannt gaben, über mehrere Jahre immer wieder „private Eucharistiefeiern ohne Priester“ begangen zu haben (DT vom 24. Mai). Die vom früheren Wiener Generalvikar Helmut Schüller geführte „Pfarrer-Initiative“, deren „Aufruf zum Ungehorsam“ internationale Bekanntheit erlangte, zeigt sich nun „tief betroffen“. Wörtlich heißt es in der von Schüller gezeichneten Erklärung: „Dieser Entscheid ist ein fatales Signal an alle, die mit Papst Franziskus auf eine den Menschen nahe, liebevolle Kirche hoffen.“ Das Ehepaar Heizer habe „durch ihre persönliche Glaubenspraxis“ zum Ausdruck gebracht, „wie sehr sie an den Grenzen der geltenden Kirchenordnung leiden“.

Während der frühere Vorsitzende von „Wir sind Kirche“, Hans Peter Hurka, seine Amtsnachfolgerin Martha Heizer aufforderte, ihren Vereinsvorsitz niederzulegen, kommt von Schüller Unterstützung für die Exkommunizierte. Das Vorgehen der Kirche sei „grob unverhältnismäßig“, so Schüller. Und weiter: „Hier zeigt sich das Unvermögen unserer Kirchenleitung, Meinungsunterschiede und Konflikte im Sinne des Evangeliums in Liebe beizulegen. Das ist ein Armutszeugnis.“ Mit ihrer „Eucharistiefeier ohne Priester“ hätten Martha und Gert Heizer „einen Schritt gesetzt, über den man gewiss verschiedener Meinung sein und den man als prophetisch und einer Gesamtreform der Kirche förderlich einschätzen kann, oder auch nicht“, formuliert Schüller. Für die „Pfarrer-Initiative“ würden Eucharistie und Priesteramt aber zusammengehören, „solange die Kirche ihren Gemeinden Priester zur Verfügung stellen kann, die das Leben und den Glaubensweg der Menschen teilen“. Man sei dafür, dass „das Priesteramt auch für verheiratete Männer und für Frauen geöffnet wird“.

Martha Heizer hat nach der amtlichen Feststellung ihrer Exkommunikation durch den Bischof von Innsbruck, Manfred Scheuer, versichert, weiter Vorsitzende des Vereins „Wir sind Kirche“ bleiben zu wollen. Der frühere Vereinsvorsitzende Hans Peter Hurka empfahl ihr öffentlich den Rückzug aus der Leitung des Vereins, weil sonst eine Schwächung der Reformbewegung drohe. Er kritisierte auch, dass Martha Heizer ihre persönliche Erklärung auf der Internetseite von „Wir sind Kirche“ publizierte: „Damit ist eine Identifikation hergestellt, die über ein Solidaritätszeichen hinausgeht und zur völligen Identifikation geführt hat.“