Prager Kardinal mahnt zur Vernunft

Prag (DT/KNA) Der Prager Kardinal Dominik Duka hat zur Vernunft in der Flüchtlingsfrage aufgerufen. „Mitgefühl und Emotion ohne vernünftiges Verhalten führen in die Hölle“, sagte der Vorsitzende der Tschechischen Bischofskonferenz in einem Weihnachtsinterview der slowakischen Tageszeitung „Dennik N“. Weder alle noch niemanden aufzunehmen sei richtig; vielmehr müsse man einen kühlen Kopf bewahren und „rational vorgehen“, so Duka. In dieser „Flüchtlingswelle ohne jede Kontrolle, in der die Staaten „völlig versagt“ hätten, müsse sorgfältig geprüft werden, „wer tatsächlich hilfsbedürftig und wessen Leben bedroht ist“, sagte der böhmische Primas und Dominikaner. Die Flüchtlingswelle bediene „auch bestimmte Pläne und Programme der Dschihadisten“. Zu seinen Kontakten mit Muslimen sagte der Kardial, er habe gleich nach seinem Amtsantritt 2010 einen Vertreter der muslimischen Gemeinde Prag empfangen und diesem mit einiger Mühe eine Verurteilung von Terroranschlägen abgerungen. Bald danach habe das Tschechische Fernsehen denselben Mann in einem Gebetssaal mit verdeckter Kamera aufgenommen, wie er die angesprochenen Attacken rühmte. Daher identifiziere er sich „völlig mit jenen, die die Muslime verdächtigen, Beileid nur aus Selbstverteidigung zu bekunden“. Aus dreimaliger Lektüre des Koran wisse er, „dass ein gläubiger Muslim nicht verpflichtet ist, mir gegenüber sein Wort zu halten“. Skeptisch äußerte sich Duka auch zum Zusammenleben verschiedener Religionen auf einem Territorium. „Theoretisch“ sei alles möglich, aber man müsse auch die Realitäten betrachten. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) seien fünfzig Jahre verstrichen, und in akademischen Räumen werde ein Dialog geführt. Doch in Wirklichkeit habe sich „das Zusammenleben in den Ländern des Nahen Ostens radikal verschlechtert.“