Prägende Gesten und Vermächtnis

Lutherischer Pfarrer Roms würdigt Heiligen Vater: Ökumene grundlegendes Thema seiner Amtszeit

Vatikanstadt (DT/KNA) Der deutsche lutherische Pfarrer von Rom, Jens-Martin Kruse, hat die Ökumene als eines der grundlegenden Themen der Amtszeit von Benedikt XVI. gewürdigt. In einem Gastbeitrag für die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ (Freitag) hob Kruse besonders den Besuch des Papstes in Martin Luthers Kloster in Erfurt als Geste von „bleibendem Symbolwert“ hervor. „Zum ersten Mal war ein Papst bereit, sich an einen zentralen Ort der lutherischen Reformation zu begeben und dort einen ökumenischen Gottesdienst zu feiern“, schrieb Kruse. Benedikt XVI. hatte bei seiner Deutschlandreise im September 2011 das frühere Augustinerkloster in Erfurt besucht. Dort war 500 Jahre zuvor Martin Luther zum Priester geweiht worden. Benedikt XVI. habe die Kirchen angesichts der Säkularisierung dazu gemahnt, die großen Gemeinsamkeiten nicht verloren zu geben und sich gegenseitig zu einem tieferen und lebendigeren Glauben zu helfen, so Kruse. Den Besuch des Papstes in der Kirche der deutschen lutherischen Gemeinde in Rom im März 2010 und seine Aufforderung zum Gebet füreinander nannte Kruse ein „ökumenisches Vermächtnis“.

Als weitere prägende Geste für die Kircheneinheit bezeichnete der protestantische Geistliche das Gebet Benedikts XVI. mit der ökumenischen Bruderschaft von Taize bei deren Jugendtreffen am 29. Dezember 2012. Über die Ökumene hinaus sei Benedikt XVI. „eine der wichtigsten Persönlichkeiten unserer Zeit“, schrieb Kruse. Mit bedeutenden Beiträgen habe sich der scheidende Papst zu Fragen wie der Beziehung zwischen den Religionen, der Wirtschaftskrise, dem Frieden im Nahen Osten sowie Werten und Traditionen zu Wort gemeldet.