Portrait der Woche: Kiko Argüello

Der mit den Päpsten tanzt. Von Guido Horst

Kiko Argüello

Eins muss man ihm lassen: Keine Gründergestalt der Nachkonzilszeit konnte und kann es sich leisten, so locker mit den Päpsten umzugehen wie Kiko Argüello. Noch ärger trieb es Mitgründerin Carmen Hernández, etwa wenn sie zur Audienz bei Benedikt XVI. im Jogging-Anzug erschien oder bei einer Feier mit dem deutschen Papst im Petersdom so laut schrie, dass es über die Lautsprecheranlagen weithin über den ganzen Petersplatz zu hören war. Doch Carmen ist tot und Kiko lebt. Gestern wurde er achtzig Jahre alt. 1964 begann er mit der verhinderten Nonne Carmen, den Barackenbewohnern des Madrider Stadtteils Palomeras Altas das Evangelium zu verkünden, mit ihnen Liturgie zu feiern und ihnen Lieder vorzusingen. Da war er schon ein anerkannter Ikonenmaler.

1968 zogen Kiko und Carmen weiter nach Rom. Dort fanden sie mächtige Unterstützung: das Vikariat der Diözese Rom und die der Päpste.

DER MIT DEN PÄPSTEN TANZT 

Paul VI. soll der Gemeinschaft der Kiko-Familien den späteren Namen Neokatechumenaler Weg gegeben haben. Johannes Paul II. war ganz vernarrt in die Bewegung. Mit Papst Benedikt waren sie schon befreundet, als dieser noch Präfekt der Glaubenskongregation war. Und als Kiko im Mai letzten Jahres in Rom das fünfzigjährige Bestehen seiner Gemeinschaft feierte – mit vielen Kurienkardinälen und Bischöfen aus aller Welt –, saß Franziskus auf einem roten Stuhl im Hintergrund und sah bescheiden zu, wie Kiko vorne auf der Bühne sang und moderierte und die Abordnungen aus den 134 Herkunftsländern der Feiernden begrüßte. Hundertfünfzigtausend waren zusammengekommen. Wer so viel Unterstützung der Päpste und weiter Teile der Hierarchie genießt, dem kann einfach nichts schiefgehen, wenn er immer wieder Familien in die Mission entsendet, Priesterseminare in aller Welt gründet – über hundert sollen es sein, die alle den Namen „Redemptoris Mater“ tragen – und sich immer neue Gemeinschaften bilden, in denen Getaufte die Taufgnade wieder entdecken und erneuern sollen. Probleme gab es mit der Sonderliturgie der Neokatechumenalen, auch mit Spaltungen in den Gemeinden, die der Gemeinschaft die Türe öffneten. Kiko hat sie alle überwunden, am Ende gab es auch die kirchenrechtliche Anerkennung durch den Vatikan. Und während Kiko malt und komponiert, tanzen und singen seine Leute überall da, wo Päpste große Glaubensfeste feiern. Kiko ist ein Phänomen. Schon vor Jahren zählte der Neokatechumenale Weg zwanzigtausend Gemeinschaften in 5 500 Pfarreien in über neunhundert Diözesen in aller Welt. Da drücken auch die Päpste schon mal ein Auge zu.