Polizei lobt Christen

In Pakistan werden sie angegriffen – und suchen zugleich „Wege der Harmonie“. Von Josefine Janert

Bischof Sebastian Francis Shaw. Foto: Janert
Bischof Sebastian Francis Shaw. Foto: Janert

Berlin (DT) Christen sind in der Islamischen Republik Pakistan der Gewalt und Diskriminierung von Teilen der muslimischen Mehrheit ausgesetzt. Viele Muslime leben mit den Christen einträchtig zusammen. Doch in den vergangenen Monaten kam es immer wieder zu Attacken auf Krankenhäuser und andere Einrichtungen der christlichen Kirche. Dabei gab es Tote. Die Polizei und die Behörden taten wenig, um die Täter zur Verantwortung zu ziehen. Im Alltag werden Christen auf vielfältige Weise benachteiligt. „Ihre Aussagen vor Gericht sind von geringerer Wertigkeit als die von Muslimen“, so Bischof Sebastian Francis Shaw, der auf Einladung der Deutschen Bischofskonferenz kürzlich Deutschland besuchte. „Christen können in Pakistan keine Richter werden.“

Shaw ist Apostolischer Administrator des Erzbistums Lahore. Das ist mit gut sieben Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes in Südasien. Pakistan steht 2011 im Mittelpunkt der Initiative der Bischofskonferenz zur Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in aller Welt. Diese Initiative gibt es seit 2003. Jedes Jahr steht ein anderes Land im Fokus.

Sebastian Francis Shaw und Vertreter der katholischen Kirche sprachen am Donnerstag in der Katholischen Akademie in Berlin über die Lage in Pakistan. Das Land entstand 1947 aus mehrheitlich von Muslimen besiedelten Teilen Britisch-Indiens. Es hat heute knapp 173 Millionen Einwohner. Mit gut zwei Prozent der Bevölkerung stellen die Christen die größte Minderheit. Nicht nur sie werden diskriminiert. Auch Hindus, Buddhisten und Anhänger weiterer Religionen werden verfolgt, ferner Muslime, die nicht die Ansichten der sunnitischen Mehrheit teilen.

Sebastian Francis Shaw beschrieb die Auswirkungen von Artikel 295 des Strafgesetzbuches: Der Artikel untersagt die Zerstörung und Schändung religiöser Stätten. Ferner stellt er Verstöße gegen religiöse Gefühle, die Schändung des Korans und die Schmähung des Propheten Mohammeds unter Strafe. Der Artikel schützt freilich nur die Gefühle der Muslime, nicht die der Minderheiten. Die Behörden, so Shaw, würden den Artikel so auslegen, dass die Beschuldigten sich kaum wehren könnten. Manche Muslime würden den Artikel nutzen, um privat Rache zu üben. Auch wenn der Prophet versehentlich geschmäht wird, ist der Angeklagte schuldig. Wenn etwa ein Mann zufällig Mohammed heißt und eine Visitenkarte mit seinem Namen auf den Boden fällt, dann ist das eine Beleidigung des Propheten. Solche und andere „Vergehen“ werden mit lebenslangen Freiheitsstrafen oder mit der Todesstrafe geahndet. „Selbst wenn der Angeklagte freigesprochen wird, was unwahrscheinlich ist, muss er sich vor den Angriffen religiöser Eiferer fürchten“, sagte Bischof Shaw.

Er erinnerte an den Fall der Dorfbewohnerin Asia Bibi aus der Provinz Punjab. Die Katholikin hatte sich vor Landarbeiterinnen positiv über Jesus Christus geäußert. Das legte ihr ein Gericht als Schmähung des Propheten aus. Am 8. November 2010 verurteilte ein Gericht sie trotz internationaler Proteste zum Tode. Allerdings hat das Oberste Gericht Pubjabs das Urteil noch nicht bestätigt. Das ist nötig, um es zu vollstrecken.

In den vergangenen Wochen verbreiteten pakistanische Behörden schwarze Listen mit Begriffen und Namen. Sie dürfen im Internet nicht verbreitet werden. Auf der Liste steht unter anderem Jesus Christus. Durch solche und ähnliche Angriffe würde ein Klima der Angst verbreitet, meinte Sebastian Francis Shaw. Er berichtete von einem Angriff auf eine Kathedrale in Lahore: Es ist notwendig, sie von Sicherheitskräften bewachen zu lassen. Die Kosten trägt die Gemeinde. Trotzdem erschien dort eine Gruppe muslimischer Extremisten. Sie beschimpften die Christen als „Ungläubige“ und beleidigten die Bibel. Der Vorfall wurde friedlich beigelegt, auch dank der Besonnenheit der Gemeindevertreter. „Einige von uns forderten danach, dass wir für unsere Rechte demonstrieren sollten“, sagte Shaw. Doch er und andere Gemeindevertreter strebten „Wege der Harmonie und des Friedens“ an. Die Polizei, die nach dem Vorfall herbeigerufen wurde, habe sie dafür gelobt.

Klaus Krämer rechnete vor, dass in Pakistan seit den siebziger Jahren mehr als tausend Menschen wegen Gotteslästerung verurteilt wurden. „Christen waren überproportional oft betroffen“, sagte der Präsident des katholischen Missionswerkes missio. Erzbischof Ludwig Schick erklärte noch einmal, dass viele Muslime in Pakistan und anderen Staaten friedlich mit religiösen Minderheiten zusammenlebten. Religiöse Eiferer würden sich oft zuallererst gegen ihre Glaubensbrüder wenden, die den Koran anders auslegten als sie. Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Bischofskonferenz sagte: „Wir setzen uns für alle Religionen und freiheitlichen Gesinnungen ein.“ Denn Religionsfreiheit sei ein Menschenrecht. Wenn sie gewahrt werde, würden auch die anderen Freiheitsrechte gewahrt werden.

Ein Informationsheft über Pakistan kann unter Telefon 02 28 /103-0 bestellt oder unter www.dbk.de/verfolgte-bedraengte-christen/informationshefte-vbc/ kostenlos heruntergeladen werden.