„Pfarrer-Initiative“ gelobt Ungehorsam

Kardinal Schönborn mahnt zum Gehorsam. Von Stephan Baier

Wien (DT) Die vom früheren Wiener Generalvikar Helmut Schüller geleitete österreichische „Pfarrer-Initiative“ hat in der vergangenen Woche einen „Aufruf zum Ungehorsam“ publiziert: „Die römische Verweigerung einer längst notwendigen Kirchenreform und die Untätigkeit der Bischöfe erlauben uns nicht nur, sondern sie zwingen uns, dem Gewissen zu folgen und selbstständig tätig zu werden“, heißt es in dem Text. Diese Priester wollen durch mehrere Selbstverpflichtungen ein Zeichen setzen, etwa „in jedem Gottesdienst eine Fürbitte um Kirchenreform sprechen“ sowie wiederverheiratet Geschiedenen, Mitgliedern anderer christlicher Kirchen und „fallweise“ auch Ausgetretenen „die Eucharistie nicht verweigern“.

Weiter heißt es in dem Aufruf: „Wir werden möglichst vermeiden, an Sonn- und Feiertagen mehrfach zu zelebrieren, oder durchreisende und ortsfremde Priester einzusetzen. Besser ein selbstgestalteter Wortgottesdienst als liturgische Gastspielreisen.“ Solche Wortgottesdienste mit Kommunionspendung sollten als „priesterlose Eucharistiefeier“ angesehen und benannt werden. Auch solle jede Pfarrei „einen eigenen Vorsteher“ haben: „Mann oder Frau, verheiratet oder unverheiratet, hauptamtlich oder nebenamtlich. Das aber nicht durch Pfarrzusammenlegungen, sondern durch ein neues Priesterbild.“ Deshalb solle jede Gelegenheit genutzt werden, „öffentlich für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt“ zu werben. „Im Übrigen sehen wir uns solidarisch mit jenen Kollegen, die wegen einer Eheschließung ihr Amt nicht mehr ausüben dürfen, aber auch mit jenen, die trotz einer Beziehung weiterhin ihren Dienst als Priester leisten“, so die Pfarrer-Initiative. Beide Gruppen würden ihrem Gewissen folgen.

Der Erzbischof von Wien und Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, gab bei der Priesterweihe im Wiener Stephansdom am Freitag eine Antwort auf die Pfarrer-Initiative: „Nur durch den priesterlichen Dienst wurden euch die Eucharistie und das Bußsakrament geschenkt. Ohne den Hirtendienst der Bischöfe und Priester ist die Kirche nicht denkbar.“ Man solle „sorgfältig auf die Lehre des Konzils achten“, insbesondere hinsichtlich des Verhältnisses von Amtspriestertum und allgemeinem Priestertum aller Getauften, mahnte Schönborn.

Angesichts des „Aufrufs zum Ungehorsam“ sprach der Wiener Kardinal auch über den priesterlichen Gehorsam: Dieser nehme „auch die Gestalt des kirchlichen Gehorsams an, dem eigenen Bischof und dem Papst gegenüber“. Schönborn wörtlich: „Das mag manchen heute wie eine Entmündigung aussehen. Es ist aber von vitaler Bedeutung für die Gemeinschaft der Kirche.“ Es schade auch dem Klerus nicht, „dass uns von weltlicher Seite in Erinnerung gebracht wird, was im heutigen Berufsleben selbstverständlich an Gehorsam gegenüber der Leitung eingefordert wird“. Der Gehorsam gegenüber dem Papst sei „immer der sichere Weg, auch im Gehorsam zu Christus treu zu sein“, sagte Schönborn, der die Weihekandidaten mahnte, ihren Weg „cum Petro et sub Petro“ (mit Petrus und unter Petrus) zu gehen. Man könne dem Bischof im Gehorsam auch Unangenehmes sagen, „aber nicht über die Medien, sondern von Angesicht zu Angesicht, persönlich“. Christlicher Gehorsam sei „das Gegenteil von serviler Unterwürfigkeit“, nämlich „eine Schule der Freiheit“, welche aber ohne das Kreuz nicht zu bestehen sei.