Personalien

Kardinal Robert Tucci, langjähriger Intendant von Radio Vatikan und früherer päpstlicher Reisemarschall, vollendet am Dienstag sein 90. Lebensjahr. Zwischen 1982 und 2001 war der Jesuit für die Planung und organisatorische Vorbereitung von gut 80 Auslandsreisen von Papst Johannes Paul II. zuständig. Am 19. April 1921 in Neapel geboren, trat Tucci im Alter von 25 Jahren in den Jesuitenorden ein und wurde 1950 zum Priester geweiht. Von 1959 bis 1973 war er Direktor der Jesuitenzeitschrift „Civilta Cattolica“. Am Zweiten Vatikanischen Konzil nahm er als Experte teil. 1973 bis 1985 war er Generaldirektor von Radio Vatikan. Mit seiner überraschenden Ernennung zum Kardinal im Februar 2001, wenige Wochen vor seinem 80. Geburtstag, gab Tucci das Amt des Reisemarschalls ab. Als Kardinal meldete sich der Jesuit, der 1983 sogar als Generaloberer der Gesellschaft Jesu im Gespräch war, immer wieder mit Beiträgen zu internationalen Fragen in Kirche und Politik zu Wort.

Anton Rauscher (82), (Foto: KNA) langjähriger Leiter der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle (KSZ) in Mönchengladbach, ist mit dem diesjährigen Augustin-Bea-Preis der Internationalen Stiftung Humanum ausgezeichnet worden. Der Jesuit und frühere Lehrstuhlinhaber für Christliche Gesellschaftslehre an der Universität Augsburg bekam die mit 30 000 Euro dotierte Auszeichnung bei einer Feierstunde am Samstag in Köln. Damit würdigte die Stiftung Rauschers Verdienste um die katholische Soziallehre. Der Preis ist nach dem deutschen Konzilstheologen und Kurienkardinal Augustin Bea (1881–1968) benannt. In einem bei der Feierstunde verlesenen Grußwort lobte der Kölner Kardinal Joachim Meisner das enorme sozialwissenschaftliche Fachwissen Rauschers. Zugleich dankte er ihm dafür, dass er über Jahrzehnte die kirchliche Soziallehre als Glaubenswissenschaft betrieben habe. Der CDU-Politiker Norbert Blüm bezeichnete Rauscher scherzhaft als „personifizierte Enzyklika“. Der Name Anton Rauscher sei untrennbar mit der katholischen Soziallehre verbunden. Deren Grundsätze müssten gerade heute mit mehr Mut vertreten werden. Er hoffe, dass der Preisträger „in diesem Kampf noch lange mitmarschieren“ werde. Der Stiftungspräsident, der Trierer Sozialethiker Wolfgang Ockenfels, sagte, Rauscher habe sich seit über 50 Jahren in herausragender Weise um die katholische Soziallehre verdient gemacht. Er habe sich gegen einige Fehldeutungen des Zweiten Vatikanischen Konzils gewandt, indem er sich „kritisch mit einer links-politischen Theologie und mit marxistischen Tendenzen der Befreiungstheologie auseinandersetzte“. Rauscher wurde am 8. August 1928 in München geboren. Er studierte in Rom Christliche Gesellschaftslehre und in Münster Wirtschaftswissenschaften. Von 1963 bis 2010 war er Direktor der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle Mönchengladbach. Von 1971 bis zu seiner Emeritierung 1996 lehrte er an der Augsburger Universität Christliche Gesellschaftslehre.

Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa hat den Leiter der Gebetsstätte Wigratzbad im Westallgäu abberufen. Direktor Thomas Maria Rimmel (47) werde Ende Mai durch den Pfarrer von Rennertshofen, Nikolaus Maier (42), abgelöst, teilte das Ordinariat am Samstag mit. Zu den Gründen wurden keine Angaben gemacht. Derzeit begeht die Gebetsstätte in der Nähe von Lindau das Jubiläum ihres 75-jährigen Bestehens. Sie zieht nach eigener Darstellung jedes Jahr mehr als 250 000 Gläubige an. Rimmel war fast zwölf Jahre lang ihr Direktor. Mitte Februar hatte die Augsburger Diözesanleitung die weitere Verbreitung eines Buches zur Geschichte der Gebetsstätte untersagt. Es war vor einem Jahr in einem Verlag erschienen, der Rimmel zur Hälfte gehört. Nach dem Urteil von Generalvikar Karlheinz Knebel enthält das Werk Tatsachenbehauptungen, die mit dem katholischen Glauben nicht vereinbar sind. Rimmel werde bis August 2012 eine moraltheologische Promotion in Augsburg abschließen, so das Bistum. Bischof Zdarsa dankte der Mitteilung zufolge dem Priester ausdrücklich für dessen Tätigkeit in Wigratzbad. Die Gebetsstätte geht auf eine private Stiftung zurück. Angebliche Marienerscheinungen und Quellwasser, dem Heilkräfte zugeschrieben wurden, machten den Ort bei Pilgern populär. Die Phänomene wurden kirchlich nie untersucht. 1976 weihte der damalige Augsburger Bischof Josef Stimpfle eine aus dem Vermögen der Stifterin finanzierte „Herz Jesu und Mariä Sühnekirche“ in moderner Zeltarchitektur ein.

Nigel Baker (44), früherer Privatsekretär von Thronfolger Prinz Charles, vertritt künftig Großbritannien beim Vatikan. Nach Informationen der Tageszeitung „Daily Telegraph“ (Freitag) wird der Diplomat, der derzeit Botschafter in Bolivien ist und zuvor in Prag und Havanna eingesetzt war, in Kürze sein Amt beim Heiligen Stuhl antreten. Baker ist Mitglied der anglikanischen Staatskirche von England und arbeitete von 2000 bis 2003 als Privatsekretär für das britische Königshaus.