Perlen in Wort und Bild

Zwei literarische Hilfen zur geistlichen Einstimmung auf den Marienmonat Mai. Von Barbara Wenz

Das Bild der Knotenlöserin ist durch Papst Franziskus weltweit bekannt geworden. Die Aufnahme zeigt eine Kopie, die während des Weltfamilientags im September 2015 in Philadelphia in der „geknüpften Höhle“, eine Kunstinstallation aus Papier, zu sehen war. Foto: KNA
Das Bild der Knotenlöserin ist durch Papst Franziskus weltweit bekannt geworden. Die Aufnahme zeigt eine Kopie, die währ... Foto: KNA

Ein schmaler Band von nicht einmal 90 Seiten, dabei prallvoll gefüllt mit marianischer Gnade, das ist Ludwig Gschwinds „Madonna mit dem geneigten Haupt“. Der Augsburger Diözesanpriester ist regelmäßig journalistisch tätig und Referent in der Erwachsenenweiterbildung. Im fe-medien Verlag erschien letztes Jahr eine kleine Sammlung mit Episoden über rund zwanzig Gnadenbilder aus aller Herren Länder. Da ist die Geschichte von der „Jungfrau von der Pfütze“, einer drei Meter hohen Statue, die 1957 anlässlich des hundertjährigen Jubiläums zum Dogma der unbefleckten Empfängnis im kubanischen Santa Clara aufgestellt, aber kurz darauf von Che Guevara weggeschafft wurde. Diese Statue blieb jahrzehntelang verschwunden, bis 1986 ein Bagger bei Bauarbeiten an einem Wassergraben darauf stieß und man sie mit kaputter Nase und fehlenden Fingern aus dem schlammigen Wasser zog. Heute ist die „Jungfrau von der Pfütze“ ein beliebtes Ziel bei kubanischen Wallfahrern.

Wenig bekannt ist auch, dass das erste bildhauerische Werk des erst fünfzehn Jahre alten Michelangelo Buonarotti ein Marienrelief war – die „Madonna von der Treppe“ – welches die Jungfrau mit dem Kind vor den Stufen einer rätselhaften Treppe zeigt, die etwa ein Hinweis auf die Jakobsleiter sein sollte, oder, vielleicht wahrscheinlicher, die Stufen zum Palast des Pontius Pilatus darstellen soll, als Ankündigung der Passionsgeschichte.

Wir erfahren von kollektivem Leid, welches die vom Feuer der Atombombe versehrte Madonna von Nagasaki erzählt, und von individueller Schuld und Vergebung, die mit der Erschaffung der „Trösterin der Betrübten“ im Zusammenhang steht, einem Gnadenbild, das heute in der Kathedrale von Ndanda in Tansania steht. Weiter geht es über sämtliche Kontinente zum wichtigsten Marienwallfahrtsort für chinesische Katholiken, zu „Unserer lieben Frau von Sheshan“. Wir erfahren, warum die Äthiopier eine „Maria mit dem verletzten Fuß“ besitzen: Ein Bildnis, das die Gottesmutter auf dem Weg nach Ägypten zeigt, wie sie sich wegen eines eingetretenen Dorns behandeln lässt und aufzeigen soll, dass Maria zwar heilig, aber zugleich auch einfach Mensch ist, dem wie allen anderen ein ganz banales Ungeschick passieren konnte.

Viele weitere Episoden mit Informationen über interessante und ungewöhnliche Mariendarstellungen aus aller Welt hat der Autor zusammengetragen, um in den letzten Kapiteln dann einen runden Abschluss zu liefern, in dem er wunderschöne Mariengedichte von Novalis, Eichendorff, Paul Claudel und Pater Erich Przywara, einem geistlichen Freund von Edith Stein und Gertrud von le Fort, der auch die katholischen Philosophen und Theologen Rahner, von Balthasar und Pieper beeinflusst hat.

Das Büchlein „Die Madonna mit dem geneigten Haupt“ ist der ideale Begleiter durch den Marienmonat Mai, interessant zu lesen, dabei durch die verständliche Sprache und die Kürze der versammelten Episoden bestens zum Vortragen, vor allem vor Senioren, geeignet. Zu bedauern ist allerdings, dass der Verlag auf eine Bebilderung verzichtet hat, – bis auf die Madonna mit dem geneigten Haupt“, die sich auf dem Titel befindet, so dass der Leser sich leider keine visuelle Vorstellung des jeweilig präsentierten Gnadenbildes machen kann.

Ebenfalls eine gefällige und empfehlenswerte Begleitung für den Marienmonat stellt das handliche Bändchen „Behüte uns, Maria“, erschienen im benno-Verlag dar. Prominente und weniger bekannte geistliche Autoren und Würdenträger, Kirchenväter und Heilige sind hier mit ihren zentralen Gebeten, Impulsen sowie Bild- und Liedmeditationen rund um die Gottesmutter versammelt. Texte zum Ave Maria, Gedanken zum Salve Regina, eine Präsentation des Rosenkranzes bilden den Einstieg und eröffnen neue geistliche Perspektiven auf altbekannte und neu zu entdeckende Gebetsformen. Wir erfahren, welches das liebste Marienlied von Joachim Kardinal Meisner ist und lassen uns von ihm eine Geschichte dazu erzählen. Papst Benedikt XVI. hat einen Impuls zum „Meeresstern“ Maria und Papst Franziskus erklärt uns in einer Ansprache, warum Maria den Knoten der Sünde löst, in Anspielung auf eines seiner Lieblingsbilder, der „Knotenlöserin“. Hoch inspirierend auch eine Predigt von Dietrich Bonhoeffer über das „Magnifikat“, welches neue, von Leidenschaft für den Herrn getragene Ausblicke auf dieses uralte Lied Mariens liefert. Lauter kleine Perlen finden sich in diesem handlichen Büchlein, das in so gut wie jede Handtasche oder Jackentasche passt. Mit seinem robusten, wasserabstoßenden und flexiblen Umschlag ist es auch vom Verlag her dafür ausgestattet und bestimmt, zu einer Begleitung zu werden, die man in allen Lebenslagen mit sich führen kann.

Ludwig Gschwind: Die Madonna mit dem geneigten Haupt. fe-medien verlag, Kisslegg 2015, 90 Seiten,

ISBN: 978-3-8635-7126-9, EUR 4,95

Behüte uns, Maria. Gebete, Meditationen, Impulse, benno-Verlag Leipzig, 2015, 144 Seiten,

ISBN: 978-3-7462-4360-3, EUR 6,95