Patron der schweren Zeit

Vor 70 Jahren starb der heilige Maximilian Kolbe Von Oliver Hinz

Pater Maximilian Kolbe. Foto: KNA
Pater Maximilian Kolbe. Foto: KNA

Warschau (DT/KNA) Der Ort seines Martyriums im Block 11 des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz gleicht heute einer Krypta. In der unterirdischen Hungerzelle, in der der Franziskanerpater Maximilian Kolbe 1941 mit einer Giftspritze hingerichtet wurde, brennen Kerzen. An der Stirnseite der Zelle hängt eine quadratische Bronzetafel. Sie zeigt, wie sich der Pater bereiterklärt, anstelle eines anderen KZ-Häftlings zu sterben.

An diesem Sonntag, dem 70. Todestag Kolbes, steht dieser Ort im Mittelpunkt des Gedenkens an den Heiligen der katholischen Kirche. Der Krakauer Kardinal Stanislaw Dziwisz wird dann dort Blumen niederlegen und anschließend auf dem einstigen Appellplatz unter anderen mit dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick einen Gottesdienst feiern. Zum Abschluss der Gedenkfeier ist nach Angaben der Polnischen Bischofskonferenz ein Aufruf zum Frieden in der Welt geplant. Tags darauf wird der Warschauer Kardinal Kazimierz Nycz in Niepokalanow einer Gedenkmesse für Kolbe vorstehen. Das von Kolbe 40 Kilometer westlich von Warschau gegründete Klosterdorf ist die zweite wichtige Erinnerungsstätte. Niepokalanow heißt übersetzt „Ort der Unbefleckten“. 1939 war das dortige Kloster mit knapp 700 Ordensbrüdern das weltweit größte der katholischen Kirche.

Maximilian Kolbe war im Zweiten Weltkrieg von der nationalsozialistischen Gestapo verhaftet und 1941 ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert worden. Dort ging er freiwillig anstelle eines Familienvaters in den „Hungerbunker“. Nach zwei Wochen ohne Nahrung wurde er am 14. August 1941 durch eine Giftspritze ermordet. Papst Johannes Paul II. (1978–2005) sprach ihn 1982 heilig. Heute ist Kolbe einer der am meisten verehrten polnischen Heiligen. Dabei ist die Konkurrenz groß.

Kaum ein anderes Land zählt wie Polen 30 eigene kanonisierte Glaubensvorbilder. Fast die Hälfte von ihnen wurde von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen. Von diesen sind allerdings laut einer Umfrage aus dem Jahr 2009 nur die Mystikerin Faustyna Kowalska und Kolbe vielen Polen bekannt. Mehr als 300 polnische Kirchen haben Maksymilian Kolbe – wie der Märtyrer hier heißt – als Patron. In zahlreichen weiteren Gotteshäusern hängt ein Bild von ihm. Zudem tragen etliche Schulen und Straßen seinen Namen. Weil Kolbes Leichnam im KZ-Krematorium verbrannt wurde, sind die einzigen Reliquien von ihm einige Barthaare und sein Rosenkranz.

Wie groß die Verehrung Kolbes in Polen ist, zeigt auch ein Beschluss des polnischen Parlaments. Das Oberhaus, der Senat, rief das Jahr 2011 zum Maximilian-Kolbe-Jahr aus. Damit sollen das Leben und die moralische Haltung des „berühmten Polen, Priesters und Verteidigers der Menschenrechte“ geehrt werden, heißt in dem Beschluss vom Herbst 2010. Kolbe sei ein „Symbol der Opfer des Nationalsozialismus“ und ein „Schutzpatron der schweren Zeit“.