Patriarch Rai: Historischer Besuch in Israel

Jerusalem (om) Der maronitische Patriarch Beschara Pierre Kardinal Rai hat angekündigt, Papst Franziskus Ende Mai in Israel treffen zu wollen. Das gab der Patriarch am Freitag bekannt. „Der Papst besucht das Heilige Land und Jerusalem. Er kommt in die Diözese des Patriarchen. Es ist deshalb normal, dass ihn der Patriarch dort willkommen heißt“, so Rai gegenüber der Agentur AFP. Dabei handelt es sich um die erste Reise eines maronitischen Kirchenoberhaupts nach Israel seit Gründung des Staates 1948. Rais Vorgänger Kardinal Nasarallah Sfeir hatte seinerzeit nicht an den Papst-Besuchen in Israel teilgenommen. Kardinal Rai unterstrich allerdings, dass er bei seinem Besuch nicht mit israelischen Staatsvertretern zusammentreffen wolle. „Die Reise ist eine religiöse und keine politische“, so der Kardinal. Rais Reiseabsichten sind in der libanesischen Öffentlichkeit nicht unkritisiert geblieben. Die Zeitung „Assafir“ sprach von einem historischen Fehler. Die Reise könne als Normalisierung der Beziehungen zu Israel interpretiert werden. Technisch gesehen ist der Libanon seit 1948 im Kriegszustand mit Israel. Zwischen beiden Ländern ist es mehrmals zu kriegerischen Auseinandersetzungen gekommen. Libanesischen Staatsbürgern ist die Reise nach Israel verboten. Ausländer mit israelischem Stempel im Pass werden an den Grenzen abgewiesen. Ausgenommen vom Reiseverbot für Israel sind libanesische Geistliche und Ordensleute, die seelsorgliche Verpflichtungen in Israel haben. Nach Schätzungen leben etwa 10 000 Maroniten in Israel. Ein großer Teil davon besteht aus ehemaligen Angehörigen der Südlibanesischen Armee, die während der israelischen Besatzung des Südlibanon zwischen 1982 und 2000 mit der israelischen Armee zusammengearbeitet haben. Um sie vor Vergeltungsmaßnahmen zu schützen, siedelten viele von ihnen nach dem israelischen Abzug nach Israel über und nahmen die israelische Staatsbürgerschaft an. Die maronitische Kirche ist die einzige vollständig mit dem Heiligen Stuhl unierte Ostkirche und ist die größte christliche Konfession im Libanon.