Parolin für Umdenken in Migrationspolitik

Mexiko-Stadt (DT/KNA) Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin (59) hat bei seinem Besuch in Mexiko zu einem Umdenken beim Thema Migration aufgerufen. „Wir müssen von einer Kultur des Eigensinns zu einer Kultur der Hilfe übergehen“, sagte die Nummer zwei des Vatikan am Montag (Ortszeit) laut mexikanischen Medienberichten in der Hauptstadt. Parolin äußerte sich am Rande einer Konferenz zu Migration und Entwicklung. Immer mehr minderjährige Migranten aus Mittelamerika versuchen, in die USA und so zu einem besseren Leben zu kommen. Das Problem könne nicht durch politische Maßnahmen und noch viel weniger durch eine Aufstockung der Sicherheitsmaßnahmen gelöst werden, sagte der Kardinalstaatssekretär. Es brauche vielmehr einen höheren Lebensstandard in den Ländern Zentralamerikas, um der Auswanderung vorzubeugen. Parolin lobte zugleich die Arbeit zahlreicher Kirchenvertreter in Mexiko zum Wohle der Migranten. Zuvor hatte der Papstbotschafter in Mexiko, Erzbischof Christophe Pierre, eine Grußbotschaft von Papst Franziskus verlesen. Darin sprach das Kirchenoberhaupt von einer „humanitären Notlage“ vieler Auswanderer; er forderte die Behörden der betroffenen Länder zu mehr Schutz minderjähriger Migranten auf. Allerdings müssten diese Maßnahmen von Informationskampagnen über die Gefahren einer solchen Reise und die Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung in den Ländern Mittelamerikas begleitet werden. Zudem sei die internationale Gemeinschaft aufgerufen, Lösungen für „neue und sichere Formen der Migration zu finden“. Seit Oktober haben die Grenzbehörden nach eigenen Angaben mehr als 52 000 Minderjährige abgefangen. Sie seien in ihre Heimatländer zurückgeschickt oder in mittlerweile überfüllten Notunterkünften untergebracht worden. Kardinalstaatssekretär Parolin traf am zweiten Tag seines Mexiko-Besuchs auch mit Staatspräsident Enrique Pena Nieto zusammen. Dabei versicherte Parolin, Papst Franziskus habe „großes Interesse“ daran, das Land zu besuchen. Anschließend ehrte Pena Nieto Parolin, der früher Vatikanbotschafter in Mexiko war, mit der höchsten Auszeichnung des Landes, den „Orden vom Aztekischen Adler“.