Papstworte

Auszüge aus den Ansprachen während der Asienreise

„Der endgültige Deuter der Geheimnisse Gottes ist Jesus. Er ist die Weisheit Gottes in Person (vgl. 1 Korinther 1, 24). Jesus hat uns seine Weisheit nicht in langen Reden und auch nicht durch großartige Kundgebungen politischer oder weltlicher Macht gelehrt, sondern durch die Hingabe seines Lebens am Kreuz. Manchmal tappen wir in die Falle, dass wir uns auf unsere eigene Weisheit verlassen; aber die Wahrheit ist, dass wir leicht die Orientierung verlieren. In einem solchen Moment sollten wir uns daran erinnern, dass wir einen sicheren Kompass vor uns haben: den gekreuzigten Herrn. Im Kreuz finden wir die Weisheit, die unserem Leben die Richtung weisen kann durch das Licht, das von Gott kommt.

Vom Kreuz kommt auch Heilung. Jesus hat dort dem Vater seine Wunden für uns angeboten, die Wunden, durch die wir geheilt sind (vgl. 1 Petrus 2, 24). Möge uns nie die Weisheit fehlen, in den Wunden Christi die Quelle aller Heilung zu sehen! Ich weiß, dass viele in Myanmar sichtbare oder unsichtbare Wunden der Gewalt mit sich tragen. Die Versuchung liegt nun darin, auf diese Verletzungen mit einer weltlichen Weisheit zu reagieren; sie ist aber, wie die Weisheit des Königs in der ersten Lesung, zutiefst verkehrt. (...)

Der Weg Jesu ist radikal anders. Als Hass und Ablehnung ihn dem Leiden und dem Tod auslieferten, antwortete er mit Vergebung und Mitleid. Im heutigen Evangelium sagt uns der Herr, dass wir wie er auf Widerstand und Ablehnung stoßen können, er uns aber eine Weisheit schenken wird, der niemand widerstehen kann (vgl. Lukas 21, 15). Er spricht hier vom Heiligen Geist, durch den die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen wurde (vgl. Römer 5, 5). Durch die Gabe des Geistes befähigt Jesus einen jeden von uns, Zeichen seiner Weisheit zu sein, die über die Weisheit der Welt siegt, und Zeichen seiner Barmherzigkeit, die jeder noch so schmerzhaften Wunde Linderung schenkt.“

Aus der Predigt in der Heiligen Messe

in Yangun, 29. November 2017

Bei der großen Aufgabe der Versöhnung und der nationalen Integration üben die Religionsgemeinschaften eine besondere Rolle aus. Die religiösen Unterschiede dürfen nicht Quelle der Trennung und des Misstrauens sein, sondern müssen vielmehr eine Kraft zur Einheit, zur Vergebung, zur Toleranz und zum klugen Aufbau der Nation sein. Die Religionen können eine bedeutende Rolle spielen bei der Heilung der emotionalen, geistigen und psychologischen Wunden derer, die während der Jahre des Konflikts gelitten haben. Wenn sie aus ihren tief verwurzelten Werten schöpfen, können die Religionen helfen, die Ursachen des Konflikts auszumerzen, Brücken des Dialogs zu bauen, die Gerechtigkeit zu suchen und eine prophetische Stimme für die Leidenden zu sein. Es ist ein großes Hoffnungszeichen, dass die Führer der verschiedenen religiösen Traditionen dieses Landes sich im Geist der Eintracht und der gegenseitigen Achtung darum bemühen, gemeinsam für den Frieden zu arbeiten, den Armen zu helfen und zu den echten religiösen und menschlichen Werten zu erziehen. (...)

Die Jugendlichen sind ein Geschenk, das geliebt und ermutigt werden muss, eine Investition, die allein dann reichen Ertrag bringen wird, wenn es echte Arbeitsmöglichkeiten und eine qualitätsvolle Ausbildung gibt. Dies ist eine dringende Voraussetzung der Generationengerechtigkeit. Die Zukunft Myanmars in einer Welt in rasanter Entwicklung und Vernetzung wird von der Bildung seiner jungen Menschen abhängen, und zwar nicht nur auf den technischen Gebieten, sondern vor allem in Bezug auf ethische Werte wie Ehrlichkeit, Integrität und menschliche Solidarität. Sie können die Festigung der Demokratie und des Wachstums der Einheit und des Friedens auf allen gesellschaftlichen Ebenen gewährleisten. Auch die Generationengerechtigkeit verlangt, dass die künftigen Generationen eine Umwelt erben können, die von der Gier und Ausbeutung durch den Menschen unversehrt ist. Es ist unerlässlich, dass unseren Jugendlichen nicht die Hoffnung und die Möglichkeit geraubt werden, ihren Idealismus und ihre Fähigkeiten bei der Gestaltung der Zukunft ihres Landes, ja der ganzen Menschheitsfamilie einzusetzen.

Begegnung mit Religionsführern

in Myanmar, 28. November 2017