Papst warnt vor Chaos

Pontifex besorgt um internationale Gemeinschaft

Rom (gho) Bei seiner traditionellen Ansprache vor den beim Vatikan akkreditierten Diplomaten hat Papst Franziskus am Montag davor gewarnt, dass die internationale Gemeinschaft dasselbe Ende des 1919 gegründeten Völkerbunds nimmt, der nach nur zwanzig Jahren in den Wirren des Zweiten Weltkriegs unterging. Der Völkerbund sei der Beginn der modernen multilateralen Diplomatie gewesen, gegen die sich aber dann „die populistischen und nationalistischen Tendenzen“ durchgesetzt hätten. Auch heute, so Franziskus weiter, würden die internationale Gemeinschaft und das multilaterale System in seiner Gesamtheit „durch das erneute Aufkommen nationalistischer Tendenzen schwierige Augenblicke erleben“. Damit meinte der Papst Tendenzen, „welche die nationalen Einzelinteressen durchsetzen und verfolgen, ohne auf die Instrumente zurückzugreifen, die das Völkerrecht zur Lösung von Kontroversen und zur Sicherstellung der Einhaltung des Rechts – auch durch die internationalen Gerichtshöfe – vorsieht“.

Die ungelösten Spannungen in der Welt seien aber auch „das Ergebnis des vermehrten Übergewichts von Mächten und Interessensgruppen in den internationalen Organisationen, die ihre eigenen Vorstellungen und Ideen durchsetzen. So setzen sie dabei neue Formen der ideologischen Kolonialisierung in Gang, die oft die Identität, Würde und Sensibilität der Völker missachten.“ Nationalismus, Partikularinteressen und nationale Sonderwege seien heute „zum Teil einer gewissen Unfähigkeit des multilateralen Systems geschuldet, für verschiedene, seit geraumer Zeit unbewältigte Situationen – wie für einige schwelende Konflikte – wirksame Lösungen anzubieten und die gegenwärtigen Herausforderungen auf für alle zufriedenstellende Weise anzugehen. Wenn aber der gute Wille fehle, mahnte der Papst, auch „die unvermeidlichen Kompromisse“ zu schließen, „überwiegt die Suche nach unilateralen Lösungen und letztlich die Unterdrückung der Schwächeren durch die Stärkeren. Der Völkerbund geriet eben wegen dieser Gründe in die Krise und leider ist zu bemerken, dass dieselben Haltungen auch heute die Leitung der wichtigsten internationalen Organisationen gefährden.“