Papst verweist auf die Mutter der Hoffnung

Vor dem großen Finale des Glaubensjahrs besucht Franziskus Klausurschwestern in Rom. Von Guido Horst

Rom (DT) Vor dem stark besuchten Abschluss des „Jahrs des Glaubens“ heute und morgen auf dem Petersplatz in Rom zunächst eine stille und beschauliche Hinführung: Am Donnerstagabend hat Papst Franziskus auf dem römischen Aventin-Hügel, auf dem der Tradition zufolge die ersten Keimzellen mönchischen Lebens in Rom lagen, ein Kloster von Klausurschwestern besucht – als Geste im „Jahr des Glaubens“, der Tag „pro orantibus“, des kontemplativen und in Klausur zurückgezogenen Ordenslebens.

Wer Franziskus sah, der in der Dämmerung mit einer kleinen Wagenkolonne aus dem Vatikan kam, wie er die wenigen Stufen zu der Klosterkirche hochstieg und mit den Nonnen einen Vespergottesdienst feierte, hätte meinen können, der Papst erreiche das Ende des Glaubensjahrs mit letzter Kraft. Es war ein anstrengender Tag gewesen. Am Vormittag hatte er die Patriarchen der mit Rom verbundenen Ostkirchen empfangen und deren Berichten zugehört. Gegen Mittag dann empfing der Papst die Vollversammlung der Ostkirchenkongregation, wo er einen eindringlichen Appell zum Erhalt und zur Stärkung der bedrängten Kirchen des Nahen und Mittleren Ostens sowie Nordafrikas formulierte. Am Nachmittag, bevor es dann auf den Aventin ging, traf Franziskus im Petersdom mit der nicht gerade kleinen Gemeinde der Philippinen in Rom zusammen – in einem Augenblick, in dem ihre Heimat durch die Folgen einer Naturkatastrophe schwer geprüft wird.

Bei der eucharistischen Anbetung mit den Klausurschwestern konnte sich der Papst nicht hinknien, die Gelenke versagten, die bereit gestellte Kniebank blieb ungenutzt, und die Schritte von Franziskus waren schwer. Am Tag zuvor hatte er vor Audienzbesuchern gesagt, dass Ordensleute, die ihr Leben ganz dem Gebet in Abgeschiedenheit widmeten, eine „wichtige Mission“ für die Kirche erfüllten. Jetzt war er mit 21 Nonnen des Klausurordens der Kamaldulenserinnen zusammen, einer Gemeinschaft, die nach der benediktinischen Ordensregel und der Regel ihres Gründers, des heiligen Romuald von Camalsoli, lebt. Das Kloster auf dem Aventin ist dem heiligen Antonius dem Großen geweiht. Die Äbtissin des Klosters, Mutter Michaela Porcellato, begrüßte den Papst. Mit ihren Toga-ähnlichen Umhängen und dem locker auf dem Haupt liegenden Tuch sehen die Klausurschwestern ein wenig aus wie antike Römerinnen. Der Orden – mit einem männlichen und einem weiblichen Zweig – geht auf den Anfang des elften Jahrhunderts zurück, als sich Eremiten zu einer klösterlichen Gemeinschaft zusammenschlossen. Jetzt waren auch männliche Mitglieder des Ordens zu der Liturgie mit dem Papst gekommen.

In seiner Meditation vor der eucharistischen Anbetung sprach Franziskus über die Hoffnung und die „Ikone der christlichen Hoffnung“: Maria. Ihr ganzes Leben sei ein Ausdruck der Hoffnung gewesen – seit jenem „Ja“ im Augenblick der Verkündigung. „Maria wusste nicht, wie sie Mutter werden würde, aber sie hat sich vollkommen dem Geheimnis anvertraut, das sich vollzog, und ist somit die Frau der Erwartung und der Hoffnung geworden.“ In Bethlehem, so der Papst weiter, habe sie erleben müssen, wie der angekündigte Erlöser, der Messias, in Armut zur Welt kam. Und während sie Jesus in den Jerusalemer Tempel brachte, habe sie die Prophezeiung des greisen Simeon erhalten, dass ein Schwert ihr Herz durchdringen werde. „Und doch, angesichts all dieser Schwierigkeiten und Überraschungen des Projekts Gottes ist die Hoffnung der Jungfrau niemals ins Wanken geraten“, sagte Franziskus. Unter dem Kreuz schien dann alle Hoffnung zerplatzt zu sein. Aber Maria habe nicht gesagt, dass sie getäuscht worden sei. Sie habe ihren Glauben bewahrt. „Manchmal frage ich mich: Können auch wir das Morgige Gottes erwarten? Oder wollen wir es heute? Der Morgen Gottes ist für sie die Morgendämmerung des Ostertags, des ersten Tags der Woche. Es tut gut, in der Betrachtung an die Umarmung des Sohnes und der Mutter zu denken.“ Die einzige entzündete Lampe beim Begräbnis Jesu, so Franziskus, sei die Hoffnung der Mutter gewesen, die in diesem Augenblick die Hoffnung der ganzen Menschheit gewesen sei. „Ich frage mich und euch: Brennt in den Klöstern noch diese Lampe der Hoffnung? Erwartet man in den Klöstern den Morgen Gottes?“ Möge Maria, die Mutter der Hoffnung, so der Papst abschließend, uns stützen in den Augenblicken der Dunkelheit, der Schwierigkeiten, der Entmutigung, des scheinbaren Scheiterns und der wahren menschlichen Niederlagen. „Möge uns Maria ein Verhalten lehren, das immer auf das Morgen Gottes schaut.“ Nach dem Vespergottesdienst zog sich der Papst mit den Schwestern in deren Kapitelsaal zurück, ohne Kardinäle, Bischöfe und sonstige Begleiter. Niemand weiß, worüber Franziskus dort mit den Nonnen gesprochen hat.