Papst spricht über Fall Barbarin

Würzburg (DT/mlu) Papst Franziskus hat seine Entscheidung verteidigt, den Rücktritt des französischen Kardinals Philippe Barbarin nicht angenommen zu haben. Auf dem Rückflug von seiner Reise nach Marokko am vergangenen Wochenende bezog er sich auf die allgemein gültige Regel der Unschuldsvermutung. Diese gelte, solange der Erzbischof von Lyon noch nicht in letzter Instanz schuldig gesprochen sei. Wörtlich erklärte der Papst auf die Frage eines französischen Journalisten: „Kardinal Barbarin, ein Kirchenmann, hat seinen Rücktritt eingereicht. Aus moralischen Gründen kann ich diesen nicht annehmen, da juristisch gesehen, in der klassischen Rechtsprechung überall auf der Welt, die Unschuldsvermutung gilt, solange der Fall offen ist“, antwortete der Papst auf die Frage eines französischen Journalisten.

Sobald in zweiter Instanz über den Fall entschieden sei, werde man jedoch sehen, was passiert, so Franziskus weiter. Einer „oberflächlichen medialen Verurteilung“ widersetze er sich allerdings. Es sei gut möglich, dass Barbarin nicht unschuldig sei, dennoch müsse man annehmen dass er es ist, ergänzte der Pontifex.

Kardinal Barbarin war am 7. März wegen der Nicht-Anzeige sexueller Vergehen an Minderjährigen durch einen französischen Priester sowie unterlassener Hilfeleistung zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Unmittelbar nach dem Urteilsspruch kündigte er an, bei Papst Franziskus seinen Rücktritt als Erzbischof einreichen zu wollen.

Franziskus nahm den Rücktritt des Kardinals jedoch nicht an. In einer Erklärung des Erzbistums Lyon hieß es bereits, der Papst habe seine Entscheidung mit der Unschuldsvermutung begründet.